Ältere Arbeitnehmer in fast allen Bereichen unzufriedener als junge
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Die Notwendigkeit längerer Lebensarbeitszeit stellt die Arbeitswelt vor große Herausforderungen: Wie können Menschen länger gesund in Arbeit bleiben, wenn schon jetzt Stress und Druck dazu führen, dass zum Beispiel Burnout oder Depressionen am Arbeitsplatz spürbar im Vormarsch sind. AK-Präsident Siegfried Pichler: „Um die brennenden Probleme effektiv anpacken und lösen zu können, muss man auch wissen, wie es den Menschen wirklich geht, was sie empfinden. Der Arbeitsklimaindex hilft uns, dies zu erkennen und die erforderlichen Prozesse und Verbesserungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trotz der Krise voranzutreiben!“
- AK ist für die Menschen da
- Überblick: Arbeitsklimaindex nach Altersgruppen
- Kein Auskommen mit dem Einkommen
- Die Daten zur Einkommensunzufriedenheit
- Sorge um die Pension
- Karrierechancen und Weiterbildung: Schlechte Karten für 45+
- Gute Arbeitszeitregelungen wirken sich im Alter positiv aus
Insgesamt betrachtet ging das Wohlbefinden der Salzburger Beschäftigten im Jahr 2008 stark – auf den Wert von 2006 – zurück; was 2007 aufgeholt wurde, ist durch die Krisenstimmung zunichte gemacht worden. Inzwischen zeigt sich in den vierteljährlichen nachfolgenden Befragungen zwar vorsichtiger Optimismus, aber die Einschätzung der Salzburger zur wirtschaftlichen Zukunft Österreichs bleibt deutlich skeptisch.
Was allerdings den Bereich der persönlichen Erwartungen in die Zukunft (Karriere- und Arbeitsmarktchancen) betrifft, so waren die Beschäftigten 2008 trotz des allgemeinen Dämpfers noch durchwegs zuversichtlich. Die ersten Befragungen 2009 zeigen aber, dass es nun auch in diesen Bereichen zu deutlichen Rückgängen kommt.
Im Fokus der vorliegenden Analyse)* steht unter anderem die Arbeitszufriedenheit älterer Beschäftigter, da die demographischen Entwicklung dazu führt, dass immer mehr Ältere immer weniger Jüngeren gegenüber stehen. Ab 2013 wird die Altersgruppe 45plus die größte Erwerbsgruppe sein.
AK ist für die Menschen da
AK-Präsident Siegfried Pichler: „Diese demographische und gesellschaftliche Entwicklung ist auch der Grund, weshalb sich die AK Salzburg seit Jahren intensiv mit dem Thema Alternsgerechtes Arbeiten beschäftigt. Mit Studien, Info-Material, Beratungen, Veranstaltungen, auch in Zusammenarbeit mit maßgeblichen Experten und Institutionen, und vielem mehr, ist die AK um den gesellschaftlichen Fortschritt zum Wohle der Arbeitnehmer bemüht. Dabei ist lebenslanges Lernen die Basis für eine positive Zukunft und ein weiterer Eckpfeiler des AK-Engagements.
Wie die aktuelle Arbeitsklimaindex-Analyse zeigt, ist auch hier noch viel zu tun!“ Das Berufsförderungsinstitut der AK Salzburg, so Pichler, gehe jedenfalls auch in diesem Bereich mit gutem Beispiel voran: Mit moderner, an den Notwendigkeiten orientierter Weiterbildung, was sich auch im neuen Herbstprogramm niederschlage.
Überblick: Arbeitsklimaindex nach Altersgruppen
Der Durchschnitt der Salzburger Beschäftigten liegt 2008 bei 115 Indexpunkten:
- sehr hoch ist der Arbeitsklimaindex mit 118 Punkten bei den Beschäftigten zwischen 30 und 39 Jahren
- überdurchschnittlich zufrieden sind Beschäftigte bis 29 Jahre (116)
- unterdurchschnittlich zufrieden sind die 40- bis 49-Jährigen (113)
- sehr niedrig ist der Arbeitsklimaindex bei der Gruppe 50plus (111)
Die Unterschiede zwischen den Altersgruppen werden im längeren Vergleich bestätigt: Ältere Beschäftigte ab 45 Jahren sind deutlich weniger zufrieden in ihrem tätigkeitsbezogenen Wohlbefinden als jüngere.
Dennoch zeigt sich der stärkste Rückgang der Zufriedenheit bei den jüngeren Beschäftigten (bis 29 Jahre), da sie 2006 und 2007 überdurchschnittlich hohe Zufriedenheitswerte aufwiesen. Jüngere Beschäftigte waren in diesen Jahren außerordentlich zufrieden mit ihren Karrierechancen. 2008 schätzen sie diese aber deutlich schlechter ein als in den Vorjahren (aber immer noch deutlich besser als ältere Personen).
Kein Auskommen mit dem Einkommen
Neben den gedämpften Erwartungen an die wirtschaftliche Zukunft Österreichs in Anbetracht der Finanzkrise machte den Arbeitnehmern 2008 vor allem die Teuerung zu schaffen – und zwar quer durch alle Altersgruppen. Zwar sind die Löhne und Gehälter dank guter Verhandlungen gestiegen, die Zufriedenheit mit dem Einkommen sinkt aber 2008 drastisch ab und erreicht im Durchschnitt den schlechtesten Wert seit Erhebungsbeginn.
AK-Präsident Siegfried Pichler betont: „Diese Entwicklung überrascht überhaupt nicht und wir in der AK werden nicht müde, die Teuerung und eine ungerechte Steuerpolitik weiter anzuprangern und zu bekämpfen. Dass die Menschen schlechter verdienen, liegt allerdings auch daran, dass immer mehr Arbeitgeber ihre Mitarbeiter zu immer nachteiligeren Bedingungen einstellen. Mittlerweile unterbricht zum Beispiel jeder dritte AN mindestens einmal pro Jahr seinen Job. Leider wird dabei oft genug das Krisenargument nur vorgeschoben.“
- Am zufriedensten sind die 30- bis 45-Jährigen: Fast jede/jeder 5. gibt an, mit dem Einkommen sehr zufrieden zu sein.
- Jüngere Beschäftigte unter 29 Jahren verdienen im Durchschnitt um € 670,- netto pro Monat weniger als die älteren über 45 Jahre.
- Dementsprechend unzufrieden sind die Jüngeren: Jeder 3. ist mit dem Einkommen unzufrieden, das sind fast dreimal mehr als bei Personen in anderen Lebensphasen.
- Entsprechend den niedrigeren Einkommen in jungen Jahren ist der Anteil jener, die mit ihrem Einkommen nicht über die Runden kommen, in dieser Altersgruppe am höchsten: Für 8% der Männer bis 29 Jahre und für 10% der Frauen bis 29 Jahre reicht das Einkommen nicht aus.
- Während bei Männern dieser Anteil mit zunehmendem Alter zurückgeht, bleibt er bei den Frauen konstant bei rund 10%.
Sorge um die Pension
„Große Skepsis“, so AK-Expertin Hilla Lindhuber, „gibt es bei jüngeren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bezüglich ihrer Pensionen: Niemand unter den unter 29-Jährigen geht davon aus, einmal sehr gut von der Altersvorsorge leben zu können. Im Gegenteil – jede/jeder Dritte ist der Ansicht, dass sie nicht ausreichen wird.“ AK-Präsident Siegfried Pichler dazu: „Die Politik muss mit konkreten Maßnahmen gegensteuern, um das verloren gegangene Vertrauen wiederherzustellen.“
zum SeitenanfangKarrierechancen und Weiterbildung: Schlechte Karten für 45+
Problematisch sind für über 45-Jährige fehlende Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie schlechte Arbeitsplatzchancen:
- Je älter die Beschäftigten, umso schlechter schätzen sie ihre Arbeitsmarktchancen ein: 62% der über 45-Jährigen gehen davon aus, dass eine Arbeitsplatzsuche schwierig würde. Das sind drei mal so viel wie bei den unter 30-Jährigen.
- Je jünger die Beschäftigten, umso zufriedener sind sie mit ihren Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten: 43% der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis 25 Jahre sind mit ihren Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten sehr zufrieden, aber nur 29% der Personen über 46 Jahren.
- In dieser Altersgruppe ist auch der Anteil jener am höchsten, die mit ihren Karrieremöglichkeiten nicht zufrieden sind: Fast jede/jeder 4. sieht für sich keine Aufstiegs- und Entwicklungschancen mehr.
- Bei den jüngeren Beschäftigten gibt es starke Unterschiede nach Geschlecht: In der Altersgruppe bis 25 Jahre ist zwar jeder zweite Mann sehr zufrieden(51%), aber nur jede dritte Frau (33%).
- Ähnlich ist die Situation hinsichtlich der Zufriedenheit mit den Weiterbildungsmöglichkeiten: Überdurchschnittlich zufrieden sind junge Männer, unterdurchschnittlich junge Frauen sowie ältere Beschäftigte beiderlei Geschlechts.
- Dementsprechend sehen Personen ab 45 Jahren auch kaum mehr die Chance auf eine berufliche Veränderung: 90% geben an, dass sie in Zukunft in derselben Position und Tätigkeit bleiben wollen/werden, entweder weil man die gewünschte berufliche Position bereits erreicht hat oder keine Karrierechancen mehr für sich sieht.
Gute Arbeitszeitregelungen wirken sich im Alter positiv aus
Es gibt aber auch Faktoren, die die arbeitsbezogene Zufriedenheit und Lebensqualität im Alter steigern: Dazu gehören Arbeitszeitregelung und Vereinbarkeit von Berufstätigkeit mit privaten Interessen und familiären Verpflichtungen. Ebenso steigt die Zufriedenheit mit der gesellschaftlichen Position und die Belastung durch verschiedene Stressarten am Arbeitsplatz – mit Ausnahme der seelisch belastenden Arbeit – geht mit zunehmendem Alter zurück.
)*Die Datenbasis der IFES-Befragung für diese Schwerpunktauswertung nach Altersgruppen bilden 418 Befragungen, die im Jahr 2008 durchgeführt wurden. Neben den klassischen soziodemographischen Fragen (Alter, Beruf, Ausbildung, beruflicher und familiärer Status, etc.) wurden 25 Fragen zum Arbeitsleben und den mit dem Arbeitsleben zusammenhängenden Rahmenbedingungen gestellt.
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