Arbeitnehmer rehabilitieren statt in Armut und Pension schicken

50 % aller Erkrankungen sind berufsbedingt – und es wird schlimmer. Lange Krankheit gefährdet den Arbeitsplatz und kann in die Armut führen.

Die Gastexperten waren sich bei der Tagung „Arbeitsfähigkeit erhalten – Invalidität verhindern“ einig: Gerade die Schwachen brauchen mehr Unterstützung. Und: Die Zusammenarbeit im Bereich der Rehabilitation muss verbessert werden. „Als Arbeiterkammer begrüßen wir Signale für mehr Kooperation. Jetzt ist es Zeit, dass diesen positiven Ansagen konkrete Projekte folgen“, sagte AK-Vizepräsidentin Monika Schmittner.

Die Arbeitswelt steht vor gewaltigen Herausforderungen. Immer mehr älteren Menschen folgen immer weniger junge Arbeitnehmer. „Aus der Alterspyramide wird ein Altersschwammerl“, so Statistiker Thomas Fent. Was das bedeutet? Jede Arbeitskraft – ganz gleich ob jung oder alt – wird wertvoller. Dem müssen vor allem die Arbeitgeber Rechnung tragen.

„Es braucht langfristige Personalstrategien und Generationenmanagement in den Betrieben. Wer nur auf kurzfristige Gewinne abzielt, der torpediert unsere Zukunft“, so AK-Vizepräsidentin Monika Schmittner. „Um fit zu bleiben müssen wir Arbeit nicht nur altersgerecht gestalten. Wir müssen gesundheitlich angeschlagenen Arbeitnehmern Chancen bieten!“

Ungelernte Arbeitnehmer sind besonders betroffen

Die Arbeitnehmer sind dabei gleich mehrfach betroffen: Bei einem Drittel aller Pensionen handelt es sich um Invaliditätspensionen, im Job haben schon jetzt 13 Prozent erhebliche gesundheitliche Beschwerden. Die angebliche „Flucht“ in die Frühpension ist in Wahrheit eine Flucht in die Armut. Denn dann müssen rund 79 Prozent einer Normalpension zum Leben reichen. Derzeit sind das bei unselbständigen Männern im Schnitt 1064 Euro, bei Frauen nur 633. Außerdem sterben von Invalidität Betroffene um 7 (Frauen) bis zehn Jahre (Männer) früher.

Die Erhaltung der Arbeitskraft liegt also in aller Interesse. Aber Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation konnten bisher nur ca. 3 % der Frauen und 5,5 % der Männer für sich in Anspruch nehmen.

Am schlimmsten trifft es angelernte Arbeitnehmer: Sie genießen bis zum Alter von 57 Jahren keinen Berufsschutz. Ihnen wird in Folge bescheinigt, ja auch als Museumswärter arbeiten zu können. So viele Museumswärterposten gibt es aber gar nicht. Eine berufliche Rehabilitation, wie zum Beispiel eine Umschulung, wird ihnen nicht angeboten. So verlieren sie Einkommen und bekommen später in den meisten Fällen eine geringere Pension.

Arbeitnehmer sind allein im Zuständigkeitsdschungel

Komplett verschiedene Bewertungssysteme für den Grad der Invalidität machen es auch nicht leichter. Volle Berufsunfähigkeit bei der AUVA heißt zum Beispiel nicht, dass die Pensionsversicherung das auch so sieht. Betroffene Arbeitnehmer müssen damit rechnen, dass die Invaliditätspension wesentlich geringer ausfällt als gedacht. Moderatorin Karin Beer von der Arbeiterkammer absolvierte im Rahmen des abschließenden Podiumsgesprächs einen simulierten Kreuzgang durch die Institutionen.

GKK, AUVA, PVA und die anderen Stellen erkennen die Notwendigkeit besserer Zusammenarbeit an und sind offen für Gespräche – aber natürlich darf keine Qualitätsminderung in der Beratung oder bei den Kernkompetenzen eintreten. „Wir begrüßen die Aufgeschlossenheit gegenüber einem koordinierten Vorgehen.

Was es aber wirklich braucht ist eine einzige Anlaufstelle für Betroffene und Arbeitgeber. Wir werden als AK unseren Teil beitragen und entsprechende Bemühungen unterstützen“, so Monika Schmittner. „Alle involvierten Behörden handeln einzeln hervorragend. Aber Arbeitnehmer werden oft im Kreis geschickt. Natürlich muss auch der Gesetzgeber handeln und die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessern. Es gilt, die Menschen in den Mittelpunkt einer schnellen, unbürokratischen Lösung zu stellen.“

10 mal Invalidität verhindern rechtfertigt Maßnahmen für 10.000

Dazu gehört wirksame Prävention bei rechtzeitiger Rehabilition. Der Lebensstandard betroffener Arbeitnehmer soll sich nicht verschlechtern.

Gernot Mitter von der AK Wien präsentierte Modellprojekte, die auch in Salzburg übernommen werden könnten: WorkFit und der Service Arbeit und Gesundheit (SAG) beinhalten zum Beispiel die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und laufende individuelle Betreuung zu Versetzungsmöglichkeiten und Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Letztendlich kann damit auch die Einbindung gesundheitlich angeschlagener Arbeitnehmer im Betrieb und in den Arbeitsmarkt im Allgemeinen verbessert werden. Die Kosten sind dabei übrigens kein Problem: Eine Maßnahme für 10.000 Arbeitnehmer rechnet sich schon, wenn nur bei 10 davon Invalidität verhindert wird.

Referenten der Tagung

  • Dr. Thomas Fent, Statistiker mit Lehraufträgen an verschiedenen Hochschulen. Schwerpunkt: ökonomische Auswirkungen des Alterns, Demographie und Personalmanagement

  • Dr. Walter Pöltner, Sektionschef im Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Leiter der Arbeitsgruppe zur Neuordnung der Invaliditätspension

  • Dr. Gernot Mitter, Abteilung Arbeitsmarkt und Integration der Arbeiterkammer Wien.
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