AK erhob Arbeitsklima-Index für Salzburger Kulturbeschäftigte

Mit dem jüngsten Arbeitsklima-Index richteten die Experten der AK Salzburg den Scheinwerfer einmal darauf, was hinter dem Vorhang geschieht: In Kooperation mit dem Dachverband Salzburger Kulturstätten wurde – erstmals in Österreich – die Stimmung der im Kulturbereich Beschäftigten erhoben. AK-Direktor Gerhard Schmidt: „Uns war wichtig, einmal die Leistung, Zufriedenheit und Ansprüche derer sichtbar machen, die hinter den Kulissen arbeiten und erheblich zum Funktionieren von Kultur beitragen: von der Haustechnik über den Reinigungsdienst, den Kartenverkauf, die Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu Schauspiel und künstlerischer und organisatorischer Leitung.“

Der Arbeitsklima-Index ist ein Barometer, das einen aufschlussreichen Einblick für Entscheidungsträger, Medien und Interessenvertreter liefert. Bis dato erhob die AK Salzburg zahlreiche branchenspezifische Indizes (Lehrlinge, Banken und Versicherungen, Bauwirtschaft etc.), hat aber nun ein völlig neues Terrain beschritten: Zur Lebens- und Arbeitssituation von Künstlerinnen und Künstler gibt es einige wenige Untersuchungen, aber noch nie wurde die Arbeitszufriedenheit von den unselbständig Beschäftigten im Kulturbereich untersucht.

Dazu ging die AK eine bisher einzigartige Kooperation mit dem dem Dachverband Salzburger Kulturstätten, der Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport und freie Berufe, dem Zentrum für Zukunftsstudien und Betriebsräten ein. AK-Direktor Schmidt: „Der Kulturbereich ist nicht zuletzt ein erheblicher Wirtschaftsfaktor, an dem verdient wird. Deshalb müssen wir auch auf das Wohl jener schauen, die das durch ihre Arbeit erst ermöglichen. Der Arbeitsklimaindex Kulturbetriebe zeigt deutlich, womit die Beschäftigten zufrieden sind, aber auch, wo die Handlungsfelder für Verbesserungen aus Sicht der Beschäftigten liegen.“

Ähnlich KMSfB-Landessekretär Gerhard Zuckerstätter: „Hier zeigt sich wieder einmal, wie wichtig es ist, die Menschen zu fragen und wir werden sicher auf diese Studie bauen. Es geht um die Wertigkeit der Menschen und dabei vor allem darum, dass die Einkommen auch lebbar sind, dass die Ausbildung innerhalb der Unternehmen gerade auch im technischen Bereich funktioniert und dass ausreichend in den Arbeitnehmerschutz investiert wird.“

zum Seitenanfang

Dachverband: Jetzt Diskussion in Gang setzen

Tomas Friedmann, der Vorsitzende des Dachverband Salzburg Kulturstätten, betont seinerseits: „Erstmals liegt statistisches Material über Kulturarbeiter und Kulturarbeiterinnen vor – Neuland auch für uns als Dachverband von 80 freien Kulturstätten in Stadt und Land.

Da und dort gab es Skepsis und Ängste, gleichzeitig viel Zustimmung und rege Teilnahme. Selbst wenn mit dem Instrument Arbeitsklimaindex nur unselbständig Beschäftigte – und nicht jene in ehrenamtlichen und selbständigen Tätigkeiten – erfasst werden, so lassen sich Trends ablesen, gibt es Bestätigendes wie Überraschendes, werden Fragen beantwortet und tauchen neue auf. Ziel des Dachverband Salzburger Kulturstätten ist eine Diskussion über die Situation in Kulturbetrieben, die soziale Systeme sind, mit auszulösen. Dadurch soll die Rolle von auch gesellschaftlich, bildungspolitisch und wirtschaftlich wichtigen Kultur-Unternehmen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gestärkt werden. Zugleich hoffen und wünschen wir, dass dieser erste Kultur-Arbeitsklima-Index Vorbild und Impuls für andere Bundesländer in Österreich ist!”

zum Seitenanfang

Studienproblem: Weites Feld Kultur

Die AK Salzburg entwickelte in Absprache mit den Projektpartnern ein Forschungsdesign, das die für den Kulturbetrieb relevanten Fragestellungen beinhaltet. Die Eingabe der Daten aus den Fragebögen sowie die statistische Berechnung der Arbeitszufriedenheit erfolgte durch IFES, ausgewertet und analysiert wurde wieder durch das Zentrum für Zukunftsstudien der Fachhochschule Salzburg Forschungsgesellschaft (ZfZ) und der Arbeiterkammer Salzburg. Dabei sei es aber eine Herausforderung gewesen, Kulturbeschäftigte überhaupt zu erfassen, sagt die Studienautorin, AK Bildungs- und Kulturreferentin Hilla Lindhuber, und erklärt: „Es gibt hier keine klar definierte eigene Branche und der Begriff Kultur beziehungsweise Kulturbetrieb ist ein weites Feld. Auch zwischen Kultur, Eventkultur und Kommerzialisierung von Kunst verlaufen die Grenzen fließend. Deshalb war das Eingrenzen der untersuchten Betriebe ein wichtiger Faktor. Denn zeitgenössische Kulturproduktion und -vermittlung umfasst ja nicht ausschließlich Kulturinitiativen, sondern auch Betriebe wie Festspiele, Landestheater und Museum der Moderne.“

Daher gab es für den ‚Arbeitsklimaindex Kulturbetriebe“ in Stadt und Land Salzburg genau festgelegte Kriterien: vermittelnde oder produzierende Tätigkeit im Bereich der zeitgenössischen Kulturarbeit, Gemeinnützigkeit und Erhalt öffentlicher Förderungen – unabhängig von der Trägerschaft der Organisationen. Der Datensatz umfasste schließlich Kulturinitiativen der freien Szene (sofern sie unselbständige Beschäftigte aufweisen) ebenso wie die großen Player im Kulturbereich. Dennoch könne die Studie, so Hilla Lindhuber, „keine Gesamtschau zur Beschäftigungssituation im Kulturbereich geben, wird doch ein guter Teil der Arbeit von selbständigen Künstlerinnen und Künstlern, auf Honorar- und Werkvertragsbasis oder ehrenamtlich geleistet.“ Zur Untersuchung dieser Arbeitsformen ist das Instrument Arbeitsklimaindex mit seinen an den Rahmenbedingungen unselbständiger Arbeit orientierten Fragestellungen nicht geeignet und war daher von vornherein nicht Gegenstand der Untersuchung.

zum Seitenanfang

Zusammenfassung der Ergebnisse - 96 Indexpunkte insgesamt

Forschungsgegenstand waren also unselbständig Beschäftigte in Kulturbetrieben in Stadt und Land Salzburg: Vollzeit-, Teilzeit- sowie geringfügig Beschäftigte und freie Dienstnehmer – tätig in (kleinen) Kulturinitiativen, Theatern, Museen, Mehrspartenhäusern, etc. Die Unterschiedlichkeit dieser Gruppe spiegelt sich weitgehend auch in den Ergebnissen: einige überraschen im Durchschnitt betrachtet, werden aber plausibler, wenn man einen Blick auf Bildungsniveau, Tätigkeit, Betriebsgröße, etc. wirft. Insgesamt jedoch konnten die Bereiche, in denen große Zufriedenheit herrscht, aber auch die Defizite in den Arbeitsverhältnissen gut identifiziert werden (1.896 ausgesandte Fragebögen, Rücklauf-Quote fast 24%).
Insgesamt liegt der Arbeitsklimaindex der unselbständig Beschäftigten in Kulturbetrieben bei 96 Indexpunkten und damit im Salzburger Mittelfeld.

zum Seitenanfang

Arbeiter/Arbeiterinnen viel unzufriedener als Angestellte

Große Unterschiede im tätigkeitsbezogenen Wohlbefinden gibt es zwischen ArbeiterInnen und Angestellten sowie zwischen Männer und Frauen: ArbeiterInnen erreichen einen Wert von 93 Punkten, Angestellte 97 Indexpunkten weitaus. Das lässt sich im Wesentlichen auf das höhere Ausmaß an physischen Belastungen sowie einem niedrigerem Einkommensniveau und schlechteren Zukunftsaussichten in Form von Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten zurückführen.

zum Seitenanfang

Frauen zufriedener als Männer

Frauen sind mit 98 Indexpunkten zufriedener als Männer (94 Indexpunkte). Nach Sparten sind Beschäftigte in Kulturinitiativen am zufriedensten (101 Indexpunkte). Wenig zufrieden sind Beschäftigte im Bereich darstellende Kunst (91 Indexpunkte).

zum Seitenanfang

Resümee in der Lebensmitte spürbar

Interessant ist ein Blick auf die Indexwerte nach Alter: In der Gruppe der 36 bis 45-Jährigen bricht der Index auf 93 Indexpunkte ein. Hält man sich die Motive für die Arbeit im Kulturbereich und die hohe Motivation zu beruflicher Veränderung gepaart mit schlechten Aufstiegschancen vor Augen, so ist dies nicht verwunderlich. In der Mitte des (Berufs-)lebens wird offenbar Resümee gezogen: Waren früher das Interesse an Kunst und Kultur, selbst bestimmtes Arbeiten etc. genügend Bedürfnis befriedigend und hoch motivierend, treten nun andere Aspekte in den Vordergrund: Wie sieht es um die Abdeckung der monatlichen Fixkosten aus? Wie lassen sich Familie und Job vereinbaren? Wie steht es um die Karrierechancen?

zum Seitenanfang

Interesse an Kunst und Kultur

Insgesamt ist das Interesse an Kunst und Kultur das Hauptansporn für die Beschäftigung im Kulturbetrieb: 72,2 Prozent der Antworten nennen dieses Motiv, gefolgt von der Möglichkeit, selbst bestimmt zu arbeiten (45,6 Prozent). Für 40 Prozent ist die hohe Eigenverantwortlichkeit wichtig. 34,8 Prozent sehen in ihrer Arbeit einen Beitrag zur positiven Veränderung der Gesellschaft. Für jede/n 5. (21,6 Prozent sind flache Hierarchien und Teamarbeit wichtig. 14,4 Prozent nennen andere Gründe für ihre Beschäftigung im Kulturbereich, wie kreatives und abwechslungsreiches Arbeiten, interessante internationale Kooperationspartner oder das Hobby zum Beruf machen. Die Identifikation mit dem Betrieb drückt sich auch darin aus, dass der Großteil (72,3 Prozent) wieder eine Tätigkeit im selben Betrieb anstreben würde, wenn man sich noch einmal entscheiden müsste.

zum Seitenanfang

Wenig Bestimmung möglich

Der Wunsch nach flachen Hierarchien und Teamarbeit dürfte sich in der Praxis allerdings nicht so einlösen lassen, wie von den Beschäftigten gewünscht: Die Zufriedenheit mit Führungsstil und den Mitbestimmungsmöglichkeiten im Betrieb sind im Salzburgvergleich unterdurchschnittlich:
Jede/r Vierte ist wenig bis gar nicht zufrieden mit den Mitbestimmungsmöglichkeiten sowie dem Führungsstil im Betrieb.

zum Seitenanfang

Viel Flexibilität notwenig

Gleichzeitig wird von den Beschäftigten eine große Flexibilität hinsichtlich ihres Arbeitseinsatzes erwartet: Mehr als ein Drittel (34,5 Prozent) gibt an, dass die Einteilung der Arbeitszeiten meist sehr kurzfristig passiert, vor allem im Bereich der darstellenden Kunst. Der Anteil an Feiertags-, Wochenend- und Abendarbeit ist erwartungsgemäß im Kulturbereich höher als im Salzburgschnitt. 46,7 Prozent haben unregelmäßige Arbeitszeiten. All dies drückt auf die Stimmung der Beschäftigten: Die Zufriedenheit ist deutlich unterdurchschnittlich.

zum Seitenanfang

Familie und Beruf schwer vereinbar

Große Probleme gibt es aufgrund der flexiblen Arbeitszeiten mit der Vereinbarkeit von Beruf und familiären Verpflichtungen. Nur ein Viertel kann Beruf und Familie gut vereinbaren. Der Anteil jener, die eine schlechte Work-Life-Balance angeben, ist in Kulturbetrieben beinahe dreimal so hoch wie im Salzburgschnitt.

zum Seitenanfang

Sorge um den Arbeitsplatz

Sorge macht auch die Sicherheit um den eigenen Arbeitsplatz: Zwar hält eine deutliche Mehrheit von 83,2 Prozent ihren Arbeitsplatz für relativ sicher.
Im Salzburgvergleich sieht man aber, dass der Anteil jener, die ihren Arbeitsplatz für sehr sicher halten, deutlich geringer ist.
Auch die Arbeitsmarktchancen werden deutlich pessimistischer eingeschätzt.

zum Seitenanfang

Unzufrieden mit Weiterbildung und Aufstiegschancen

Auffällig sind die großen Veränderungswünsche der Beschäftigten: 19 Prozent überlegen den vollständigen Wechsel des Berufes, 17,8 Prozent den Wechsel in einen anderen Betrieb. 13,3 Prozent sollen innerhalb des Unternehmens in einen anderen Tätigkeitsbereich wechseln. 27,7 Prozent streben auf längere Sicht einen Wechsel in eine höhere Position an. Dazu im Widerspruch stehen allerdings aus Sicht der Beschäftigten die realen Karrieremöglichkeiten. Die Zufriedenheit mit den Weiterbildungs- sowie Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten bilden die Schlusslichter im Zufriedenheitsranking und liegen deutlich unter dem Salzburgschnitt.

  • Drucken Weiterleiten | Mehr

Anfrage zum Artikel

*
*
*
*
*
*
*
*
*

1 + 5 =
*

Anfrage zum Artikel



Danke - Ihre Anfrage wurde weitergeleitet.