Das Arbeitsklima wird besser, aber die Gerechtigkeit bleibt auf der Strecke

Der Arbeitsklima-Index der AK Salzburg steigt zum ersten Mal seit 2007 wieder. Den damaligen Spitzenwert von 120 Punkten erreicht er aber bei weitem nicht. 2010 sind es immerhin 114 Indexpunkte. Das ist deutlich mehr als der Österreichische Durchschnitt. „Es geht bergauf, aber die Unsicherheit nach der Krise ist noch nicht ganz verschwunden“, sagt AK Präsident Siegfried Pichler. Außerdem klafft eine große Gerechtigkeitslücke auf: Bei fast allen bessert sich die Stimmung. Aber die Arbeiterinnen und Arbeiter sind so unzufrieden wie nie zuvor. Pichler: „Es braucht mehr Fairness und einen gesellschaftlichen Ausgleich.“

Seit 1997 erhebt die AK mit dem Arbeitsklima-Index die Arbeitszufriedenheit. Der Index ist ein Stimmungsbarometer und zeigt, wo die Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Schuh drückt. Im Gefolge der Turbulenzen am Finanzmarkt, die schließlich auch die Realwirtschaft in Mitleidenschaft zogen, sank die Stimmung vom 2007 erreichten Spitzenwert von 120 Punkten gravierend. Noch sind die Folgen der Wirtschaftskrise nicht ganz überstanden. Trotzdem ist die Laune der Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 2010 erstmals wieder besser als 2008 und 2009.

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Jobs und wirtschaftliche Zukunft gelten wieder als sicherer

Verantwortlich dafür sind vor allem positivere persönliche Erwartungen an die eigenen Arbeitsplatz- und Karrierechancen, aber auch größerer Optimismus hinsichtlich der wirtschaftlichen Zukunft Österreichs. 60 Prozent sehen diese wieder sehr oder eher optimistisch. 2007 waren es jedoch 83 Prozent (2009: 55 Prozent). Auch das Überleben des Betriebs und die Arbeitsplätze werden wieder sicherer eingestuft. Und schließlich fühlen sich nur mehr 37 Prozent stark oder eher stark durch Stress und Zeitdruck belastet.

2009 waren es noch 41 Prozent. Mit 114 Punkten bleibt die Stimmung insgesamt aber nach wie vor deutlich hinter den Top-Werten des Jahres 2007 zurück. Führungsstil und betriebliche Sozialleistungen werden sogar so schlecht bewertet wie nie zuvor. Immerhin: Im Österreich-Vergleich ist Salzburg Top und rangiert mit sieben Indexpunkten Vorsprung deutlich über dem Bundes-Schnitt vom November 2010 (107 Punkte).

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Nicht jede Branche kann ein Stimmungsplus für sich verbuchen

Diese im Großen und Ganzen positive Entwicklung trifft aber nicht auf alle Branchen zu. Während die Zufriedenheit im Bauwesen sowie im Verkehrs-, Transport und im Nachrichtenbereich stagnierte, sank sie im Fremdenverkehr sogar noch weiter. Deshalb wird derzeit auch eine gesonderte Branchenbefragung im Tourismus durchgeführt. Die in den genannten Bereichen Beschäftigten beklagen vor allem den geringen gesellschaftlichen Status ihrer Tätigkeit, das Image ihres Betriebs und den Führungsstil.

Auch das Einkommen und die Zeiteinteilung werden negativer als in den meisten anderen Bereichen bewertet. Im Bauwesen ist vor allem die hohe physische und psychische Belastung für die schlechte Stimmung verantwortlich. Bei Verkehr, Transport und Nachrichten sind es das Image des Betriebs, der Führungsstil und eine wenig optimistische Einschätzung der Arbeitsmarktchancen. Und: Noch immer sieht insgesamt jeder dritte Beschäftigte die Entwicklung in den nächsten fünf Jahren eher negativ.

Dagegen haben sich das Unterrichtswesen, die öffentliche Verwaltung und der Gesundheitsbereich überdurchschnittlich erholt: Sie erreichen wieder die sehr guten Werte des Jahres 2007. Maßgeblicher Grund ist die hohe Arbeitsplatzsicherheit in diesen Sektoren. Aber auch Führung, Image des Betriebs und betriebliche Sozialleistungen werden positiv bewertet. Außerdem sind die Arbeitnehmer in diesem Bereich überwiegend als Angestellte und öffentlich Bedienstete tätig.

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Zufriedenheit der Arbeiter erreicht historischen Tiefpunkt

Ihnen gegenüber stehen die Arbeiterinnen und Arbeiter. Und dazwischen liegt eine große Kluft. Denn die Stimmung der Arbeiterinnen und Arbeiter sinkt entgegen dem allgemeinen Arbeitsklima-Index, der für Angestellte und öffentlich Bedienstete um sieben Punkte gestiegen ist, kontinuierlich.

Arbeiterinnen und Arbeiter waren 2010 so unzufrieden wie nie zuvor seit Erhebungsbeginn in Salzburg. Ihr Index verschlechterte sich von 2009 auf 2010 um fünf Punkte (von 104 auf 99). Damit beträgt der Abstand zu den Angestellten 20 Punkte und zu den öffentlich Bediensteten sogar 24 Punkte. Hilfsarbeiter liegen sogar noch 4 Punkte darunter.

Arbeiter fühlen sich in allen Bereichen stärker belastet und sind entsprechend unzufriedener als die anderen Angestellten. Und sie waren am stärksten von der Krise betroffen: Seit August 2008 wurden in den Salzburger Betrieben, in denen Kurzarbeit geleistet wurde 573 Beschäftigte abgebaut. Davon waren 473 Arbeiter.

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Die Gerechtigkeitslücke wird immer größer

„Der Spalt zwischen Arbeitern und den anderen Berufsgruppen wird immer größer. Unsere Gesellschaft hat also ein doppeltes Gerechtigkeitsproblem. Nicht nur, dass bei Einkommen aus Vermögen auf der einen und Erwerbsarbeit auf der anderen Seite mit zweierlei Maß gemessen wird. Selbst in der Arbeitnehmerschaft nehmen die bestehenden Ungerechtigkeiten zu“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler.

Im Land Salzburg fallen 94.570 Personen in die Gruppe der Arbeiter. Sie verdienten 2009 im Schnitt 1.649 Euro brutto (14 Mal im Jahr, Daten vom Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger). Das sind 20,6 Prozent weniger als die Angestellten. Und sie sind in allen Bereichen des Arbeitsklima-Index unzufriedener als die anderen Gruppen. „Im Detail liegt das zum Beispiel an wenig optimistischen persönlichen Zukunftserwartungen, hoher körperlicher Belastung sowie fehlenden Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt die für den Arbeitsklima-Index zuständige Expertin Ines Grössenberger.

„Und sie sehen kaum Chancen, bei Arbeitsplatzverlust wieder eine angemessene Beschäftigung zu finden. Dabei beurteilt jeder vierte Arbeiter seinen Arbeitsplatz als sehr oder ziemlich unsicher. „Bei den Angestellten sehen das nur sieben Prozent so. Dazu sind Arbeiter und Beschäftigte mit niedrigem Bildungsniveau deutlich pessimistischer bei der Einschätzung der ökonomischen Entwicklung ihres Betriebes als die anderen Arbeitnehmer in Salzburg“, so Grössenberger weiter.

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Auch bei den Angestellten große Zufriedenheitsunterschiede

Aber auch bei den Angestellten sowie den öffentlichen Bediensteten bestehen zwischen einzelnen Gruppen deutliche Unterschiede, etwa zwischen Vertragsbediensteten und Beamten oder zwischen Angestellten im Handel und jenen in der Industrie. Generell gibt es eine Kluft zwischen einfachen und qualifizierten Angestellten: Erstere sind mit beinahe allen Aspekten ihres (Arbeits-) Lebens unzufriedener.

Sie erreichen einen Indexwert von 109 Punkten. Das ist zwar immer noch deutlich besser als der Wert der Arbeiter, liegt aber 13 Punkte hinter dem der qualifizierten Angestellten. Diese erreichen 122 Zufriedenheitspunkte. Neben niedrigerer Berufs- und Lebenszufriedenheit sowie mit der sozialen Position als Arbeitnehmer in der Gesellschaft macht sich auch diese Kluft vor allem beim Einkommen bemerkbar. Jetzt sind Solidarität und mehr Fairness gefragt!

Der Arbeitsklima-Index zeigt, dass es neben einer dringend notwendigen großen Steuerreform, die endlich alle Einkommen aus Arbeit entlastet noch weitere Maßnahmen für mehr Gerechtigkeit innerhalb der Gruppe der Beschäftigten braucht“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. „Zum Beispiel höhere Einstiegseinkommen und niedrigere Einganssteuersätze. Das wäre der schnellste und effektivste Weg um zumindest die Kluft beim Entgelt abzumildern“, so Pichler weiter.

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Wer unglücklich arbeitet, der lebt auch unglücklich

Tragisch ist die Situation der Unzufriedenen am Arbeitsmarkt auch deshalb, weil Arbeits- und Lebenszufriedenheit eng zusammenhängen. Auch das zeigt der Arbeitsklima-Index: 54 beziehungsweise 59 Prozent der Angestellten und öffentlich Bediensteten sind insgesamt sehr zufrieden mit ihrem Leben. Bei den Arbeitern sehen das nur halb so viele so: 29 Prozent. Diese Werte spiegeln sich bei der Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit wider: 54 Prozent der Angestellten und 64 Prozent der öffentlich Bediensteten sind zufrieden.

Aber nur 28 Prozent der Arbeiter. Neben der besonders ausgeprägten Trennlinie zwischen Arbeitern und Angestellten gibt es aber auch relativ starke Unterschiede zwischen Alt und Jung. Junge sind meistens zufriedener, weil ältere Arbeitnehmer bei Jobverlust weniger Chancen für sich sehen, einen neuen zu finden. Auch eine höhere Bildung sorgt für mehr Zufriedenheit.

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Immer weniger Beschäftigten reicht das Einkommen zum Leben

Dass immer weniger der im Arbeitsklima-Index Befragten angeben, mit ihrem Einkommen voll und ganz leben zu können, macht die Situation nicht besser. Die Zahl derer, die mit ihrem Gehalt zufrieden sind, ist zwar von 56 Prozent auf 62 Prozent leicht gestiegen, aber auch hier bilden die Arbeiterinnen und Arbeiter das tragische Schlusslicht: Nur neun Prozent sind sehr zufrieden mit dem Einkommen, aber 21 Prozent der Angestellten und 44 Prozent der öffentlich Bediensteten. Dementsprechend geben nur vier Prozent der Arbeiter an, sehr gut von ihrem Einkommen leben zu können. Bei Angestellten und öffentlich Bediensteten sind es 15 und 17 Prozent.

Für fast jeden zweiten Arbeiter (47 Prozent) reicht das Einkommen gerade so. Bei den Hilfsarbeitern reicht es für 16 Prozent überhaupt nicht zum Leben. Dieser Trend setzt sich übrigens bis zur Einschätzung einer ausreichenden Altersversorgung fort. Zwar sind sich insgesamt nur 38 Prozent aller Beschäftigten sicher, dass ihre Altersversorgung ihnen ein gutes Leben ermöglichen wird. Aber jeder fünfte Arbeiter geht davon aus, dass sie überhaupt nicht reicht. Außerdem sind Frauen hier wegen ihrer weitaus niedrigeren Einkommen deutlich skeptischer als Männer.

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Fairness in den Betrieben wichtig

„Ich freue mich, dass das Land Salzburg die Krise insgesamt so gut meistern konnte“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. Vor allem der im Österreich-Vergleich überdurchschnittliche Zufriedenheitswert ist ein kräftiges Lebenszeichen der heimischen Wirtschaft. „Natürlich spüren das auch die Beschäftigten und sind dementsprechend insgesamt zuversichtlicher“, so Pichler weiter. „Aber wir müssen auf die wachsende Kluft zwischen verschiedenen Gruppen innerhalb der Arbeitnehmerschaft ein verstärktes Augenmerk legen.

Denn diese Ungerechtigkeit ist für mich unerträglich. Niemand, der hart arbeitet, hat das verdient.“ Laut dem AK-Präsidenten gehört das Problem an mehreren Fronten bekämpft: „Wir werden als AK im Arbeitnehmerschutz noch stärker darauf schauen, dass die Arbeitsbedingungen und die Gesundheitsförderung im Betrieb insbesondere für Arbeiter passen“, sagt Siegfried Pichler. Letztendlich sind auch die Unternehmen gefragt: „Ich appelliere an alle Führungskräfte und Firmen, die Probleme und Sorgen ihrer Arbeitnehmer ernst zu nehmen. Gerade eine sorgsamere und für die Probleme der Mitarbeiter offene Führungskultur kann viele Probleme lösen.

Außerdem sollten vor allem den wenig Qualifizierten Bildungs- und Entwicklungschancen angeboten oder zumindest aufgezeigt werden. Wer keine Perspektive hat, wird immer unzufriedener. Und das liegt in niemandes Interesse. Erst der soziale Frieden und ein fairer Ausgleich haben die heutige Wirtschaftsleistung Österreichs ermöglicht. Achten wir darauf!“, so der AK-Präsident.

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