Schlechte Gesundheitsbedingungen, wenig Weiterbildungsmöglichkeiten

Wenig Positives ergibt der Arbeitsklima von AK und ÖGB für das Bau- und Baunebengewerbe. Mit 97 Indexpunkten liegt man unter dem Salzburgschnitt von 112. „Rund 24 Prozent der Arbeitnehmer sind mit ihren Weiterbildungsmöglichkeiten unzufrieden, ebenso viele mit der Mitbestimmung im Betrieb“, sagt AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Siegfried Pichler, „noch erschreckender ist, dass ein Fünftel der Befragten angibt, aufgrund der Arbeitsbedingungen schlecht bei Gesundheit zu sein.“ Der Auftrag an AK und ÖGB ist für Pichler somit mehr als eindeutig: Gesundheit am Arbeitsplatz und betriebliche Aus- und Weiterbildung noch stärker einzufordern.

Der Arbeitsklimaindex des Bau- und Baunebengewerbes liegt bei 97 Indexpunkten. Große Unterschiede gibt es vor allem hinsichtlich der beruflichen Stellung: Angestellte erreichen 102 Indexpunkte, Arbeiter sind unterdurchschnittlich zufrieden mit 94 Indexpunkten. Die Gründe für die hohe Unzufriedenheit unter den Arbeitern liegen hauptsächlich in den schlechten Gesundheitsbedingungen und der großen Unfall- und Verletzungsgefahr, der Arbeiter bei der täglichen Arbeit ausgesetzt sind.

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Indexentwicklung allgemein rückläufig

Das Wohlbefinden der Salzburger Arbeitnehmer ging im Jahr 2008 stark zurück: Die Zufriedenheit war insgesamt so rückläufig, dass sie sich auf den Wert von 2006 zurückentwickelt. „Das, was 2007 aufgeholt wurde, ist durch die Krisenstimmung zunichte gemacht worden“, erklärt AK-Präsident Siegfried Pichler.
In den bisher durchgeführten drei Befragungswellen 2009 ging der Index weiter zurück: Er liegt derzeit bei 112 Indexpunkten.

Der Dämpfer, den das Wohlbefinden der Beschäftigten erlitten hat, hat 2008 erstaunlicherweise noch nicht den Bereich der persönlichen Erwartungen in die Zukunft betroffen: „Hinsichtlich ihrer eigenen Karriere- und Arbeitsmarktchancen waren Salzburgs Beschäftigte auch in Anbetracht der Krise durchwegs zuversichtlich. Die bisher durchgeführten Befragungen 2009 zeigen aber, dass es in diesen Bereichen nun zu deutlichen Rückgängen kommt“, so Pichler weiter.

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Erstmals Arbeitsklima-Index Baugewerbe

Zum ersten Mal haben Arbeiterkammer und Gewerkschaft den Arbeitsklima-Index eigens für Beschäftigte des Bau- und Baunebengewerbes im Bundesland Salzburg erhoben. Im Vorjahr waren atypisch Beschäftigte und freie Dienstnehmer bereits Thema einer eigenen Untersuchung. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Empirische Sozialforschung (IFES) wurden AK-Mitglieder, die Beschäftigte des Bau- und Baunebengewerbes sind, im Mai 2009 mittels mehrsprachigem, schriftlichem Fragebogen anonym befragt. Fast 2.000 haben geantwortet.

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Was ist der Arbeitsklima-Index?

Der Arbeitsklima-Index ist ein Stimmungsbarometer, mit dem man das gegenwärtige Arbeitsklima und das Wohlbefinden der Salzburger Arbeitnehmer messen und Trends in der Arbeitswelt erkennen kann. Er wurde von der AK Oberösterreich, IFES und dem Institute for Social Research and Analysis (SORA) entwickelt und wird seit 1997 regelmäßig erhoben. Doch nicht nur die Stimmung unter allen Salzburger Beschäftigten (112 Indexpunkte bei anderer Erhebungsmethode!) wird jährlich von der AK erhoben, auch einzelne Branchen werden untersucht. 2006 wurden die Gesundheitsberufe (91 Indexpunkte) sowie Post- und Telekom (83) evaluiert.

2007 waren es die Leiharbeitnehmer und Leiharbeiterinnen (84), im Frühjahr 2008 die Beschäftigten von Banken und Versicherungen (103), im Frühsommer letzten Jahres die Lehrlinge (105) und im Herbst 2008 die atypisch Beschäftigten (103), also freie Dienstnehmer und geringfügig Beschäftigte.

Momentan wird gerade die vierte Befragungswelle für den allgemeinen Arbeitsklima-Index der Salzburger Beschäftigten durchgeführt (die Ergebnisse werden Anfang des kommenden Jahres präsentiert). Außerdem wird gerade – in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) – die Arbeitsklima-Indexbefragung der Beschäftigten im Einzelhandel vorbereitet.

zum Seitenanfang Schlaglichter aus dem Index

  • Mit zunehmendem Alter nimmt die Zufriedenheit ab; bei den 50 bis 59-Jährigen ergibt der Index nur noch 92 Punkte

  • die Zufriedenheit sinkt mit zunehmender Beschäftigungsdauer

  • am zufriedensten sind die Befragten mit der Beziehungen zu den Kollegen sowie dem Ansehen des Unternehmens

  • weit abgeschlagen sind die Werte bei Mitbestimmungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Unternehmen sowie Aufstiegs- und Entwicklungschancen

  • 22 Prozent, bei den Angestellten sogar 26 Prozent sind mit dem Führungsstil der Vorgesetzten unzufrieden (im Salzburgvergleich nur 7 Prozent)

  • jeder Zweite ist stark oder eher stark durch Zeitdruck belastet

  • jeder vierte Arbeiter hatte innerhalb der vergangen 3 Jahre einen längeren Krankenstand, bzw. einen Arbeitsunfall.

  • jeder fünfte Beschäftigte bewertet seinen derzeitigen Gesundheitszustand als eher oder sehr schlecht
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An Weiterbildung führt kein Weg vorbei

Einig sind sich Arbeiterkammer und Gewerkschaft, dass berufliche Aus- und Weiterbildung derzeit so wichtig ist wie noch nie. Die Unzufriedenheit der Befragten mit den betrieblichen Weiterbildungsmöglichkeiten ist für den AK-Präsidenten ein Alarmsignal. „Auch wenn die Lage am Arbeitsmarkt momentan alles andere als rosig ist, die schwierige wirtschaftliche Lage ist eine Chance für die Beschäftigten – aber auch für Betriebe – gezielt in berufliche Weiterbildung zu investieren, um für den kommenden Aufschwung gerüstet zu sein“, appelliert Pichler an die Unternehmen ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ein Mehr an Bildung zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist das Motto „Weiterbildung jetzt“ ein wichtiges Mittel, um einem möglichen zukünftigen Facharbeitermangel einen Riegel vorzuschieben.

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Gesundheit am Arbeitsplatz darf kein Fremdwort sein

Die Ergebnisse aus dem Index in Sachen Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz bestätigen für Othmar Danninger, Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Bau-Holz, die bisherigen Erfahrungen im Kontakt mit den Arbeitnehmern: „Der Index bestätigt das, was wir seit Jahren kritisieren“, so Danninger, „unsere Verbesserungsvorschläge liegen am Tisch, es ist hoch an der Zeit, endlich mehr für die Sicherheit und Gesundheit der Kollegen zu unternehmen!“ So fordert die Gewerkschaft unter anderem:

  • Verpflichtende Ergonomieschulungen in allen Baubetrieben nach dem Vorbild der AUVA-Aktion BAUfit

  • Regelmäßige Krankenstandsanalysen und Gesundheitschecks in allen Baubetrieben

  • Überstundenverbot für Arbeitnehmer über 50 Jahre

  • Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 30 Stunden ab 55 Jahren

  • Regelmäßige Maßnahmen zu Festigung (Anspruch Kuraufenthalte) der Gesundheit ab 50 Jahren

  • Schaffung von geeigneten Rahmenbedingungen für gesundheitsfördernde Ernährungsbedingungen in den Betrieben und Baustellen

  • Betriebliches Eingliederungsmanagement (Umschulungsmaßnahmen im aufrechten Dienstverhältnis) für gesundheitlich gefährdete Arbeitnehmer

„Ärgerlich in diesem Zusammenhang ist auch die personelle Ausdünnung des Arbeitsinspektorats“, kritisiert AK-Präsident Pichler, „wenn die Baufirmen hinsichtlich der Sicherheitsstandards nicht ausreichend kontrolliert werden können, wird sich da nicht viel ändern – wo kein Kläger da kein Richter.“

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AK und ÖGB fordern Reform der Pensionsregelung

Arbeiterkammer und Gewerkschaft fordern eindringlich eine Reform der Regelungen von Invaliditäts- und Schwerarbeiterpension. Die Index-Ergebnisse unterstreichen den Handlungsbedarf: Je älter die Befragten, desto unzufriedener. 45 Prozent der Beschäftigten im Bau- und Baunebengewerbe gehen davon aus, dass sie nicht vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter in Pension gehen werden. Wie wichtig den Beschäftigten das Thema Pensionsantritt ist, kommt in zahlreichen schriftlichen Anmerkungen und Vorschlägen am Fragebogen deutlich zum Ausdruck. 12 Prozent der Befragten kritisieren das hohe Pensionseintrittsalter (Männer mit 65 Jahren, Frauen mit 60 Jahren) und fordern die Berücksichtigung der schweren körperlichen Tätigkeit im Baugewerbe, wenn es um die Pensionszeiten geht. Hintergrund: Bauarbeiter kommen in der Regel nicht in den Genuss der so genannten Hacklerregelung, weil sie die 45 Jahre Beitragszeit – zumeist bedingt durch Arbeitslosigkeit, Saisonunterbrechung, Invalidität - nicht zusammenbringen. Es geht also darum, die Regelungen der Schwerarbeitspension und die Invaliditätspension so zu reformieren, dass diese schwer arbeitenden Gruppen pensionsrechtlich besser gestellt werden.
Derzeit verhandelt die Arbeitnehmerinteressenvertretung in Wien über diese Themen. Konkret sollen bei der Invaliditätspension die Zahl der Zurechnungsmonate erhöht werden. Bei der Schwerarbeiterpension soll die Zahl der Anspruchsberechtigten, speziell im Baugewerbe, gesteigert werden. Gleichzeitig sollen bei beiden Regelungen die Abschläge verringert werden.

„Einem der reichsten Länder der Welt muss es nicht nur möglich, sondern auch wert sein, Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben und körperlich ausgerackert sind, eine menschenwürdige Pensionsregelung anzubieten“, sind sich Pichler und Danninger einig, „dazu gehört ein verbesserter Zugang und geringere Abschläge bei Invaliditäts- und Schwerarbeitspension. Menschen, die lange hart gearbeitet haben, dürfen nicht bestraft werden!“ Außerdem müssen für den AK-Präsidenten und ÖGB-Landesvorsitzenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, wonach die Arbeitnehmer auch länger gesund bleiben, Stichwort alternsgerechtes Arbeiten.

Ähnlich die Forderungen von Othmar Danninger, die Gewerkschaft Bau-Holz spricht sich darüber hinaus für eine eigene Branchenpensionsregelung für Bauarbeiter aus. Dabei sollen unter anderem Schwerarbeitsmonate, die vor dem 40. Lebensjahr geleistet wurden, berücksichtigt werden sowie eine Regelung zur vorzeitigen Schwerarbeitspension enthalten sein.

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