Das Dienstzeugnis: Türöffner oder Hemmschuh bei der Jobsuche?
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Wer macht das Rennen um den freien Arbeitsplatz? Nicht selten hängt das von den Dienstzeugnissen der Bewerber ab. „ Das Gesetz erachtet Eintragungen und Anmerkungen in Arbeitszeugnissen, durch die dem Arbeitnehmer die Erlangung einer neuen Stelle erschwert wird, als unzulässig “, erklärt AK-Experte Rene Mussakhanian. Deshalb stößt man in der Praxis kaum auf unverhüllt negative Formulierungen wie: „Wir können den Arbeiternehmer nicht empfehlen“ oder „Wenn es ihre Gesundheit zuließ, arbeitete sie als ... “.
Häufiger und schwerer zu identifizieren sind dagegen Negativ-Botschaften, die sich hinter vermeintlich positiven Formulierungen verstecken. Mitunter sind diese Geheimcodes nur für das geübte Auge zu entschlüsseln“, erklärt Rene Mussakhanian. Im Zweifelsfall sollten Arbeitnehmer ihre Dienstzeugnisse durch die AK überprüfen lassen. Findet sich eine negative Formulierung darin, kann man jederzeit vom Recht Gebrauch machen, ein korrekt ausgestelltes Dienstzeugnis zu verlangen – je nach Kollektivvertragsregelung auch bis zu 30 Jahre rückwirkend! Die Arbeiterkammer bietet eine Vorlage für ein qualifiziertes (die Arbeitstätigkeit wird beurteilt) Dienstzeugnis. Ein einfaches Dienstzeugnis enthält im Gegensatz zum qualifizierten keinerlei Beurteilungen, sondern lediglich die Angabe über die Dauer und Art der Tätigkeit.
Tipp
Als Beispiel für Geheimcodes haben wir einige Formulierungen aus Arbeitszeugnissen für Sie zusammengefasst:
+ Schulnote 1 = Superlativ, wo immer möglich
Ein uneingeschränkt positives Zeugnis spart nicht mit Superlativen: Mitarbeiter, die laut Dienstzeugnis zum Beispiel „stets zur vollsten Zufriedenheit“ gearbeitet haben, sind vom ehemaligen Dienstgeber mit der Note 1 bedacht worden.
+ „Frau M. hat sich stets bemüht“
Klartext: Bemüht hat sie sich ja, aber das Ergebnis ist fraglich.
+ „Beim Projekt XY hat sich Herr S. mit ganzer Kraft eingesetzt…“
Klartext: Herr S. hat sich nur bei dem einen Projekt ins Zeug gelegt.
+ „Frau L. hat sich im Rahmen ihrer Fähigkeiten eingesetzt ...“
Klartext: Der Rahmen war derartig eng, dass nur für wenige Fähigkeiten Platz war.
+ „Herr B. hat sich stets als integrative, kommunikationsstarke Persönlichkeit ins Team eingebracht“
Klartext: Vor lauter Plaudern ist er kaum mehr zum Arbeiten gekommen.
+ „Frau A. verfügte über Fachwissen und zeigte großes Selbstvertrauen“
Klartext: Große Klappe, wenig dahinter.
+ „Herr R. hat die übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß erledigt“
Klartext: Ordnungsgemäß schon, aber sonst zeigte er nur wenig Eigeninitiative.
+ „Frau P. war stets mit Interesse und Begeisterung bei der Sache“
Klartext: Euphorie allein ist kein Erfolgsgarant.
+ „Herr Z. trug durch seine Geselligkeit zum guten Betriebsklima bei“
Klartext: Er tratscht viel.
+ „Frau K. setzte sich insbesondere für die Belange der Belegschaft ein“
Klartext: Eine Mitarbeiterin, die sich nicht alles gefallen lässt.
Die AK bietet zahlreiche Broschüren zu ihren Beratungsbereichen zum kostenlosen Download an.
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