Reallohnverlust: 1,4 Prozent weniger im Börsel als 2009
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2010 hinterlässt die Krise ihre Spuren bei den Einkommen der Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Die inflationsbereinigten Netto-Einkommen – also das tatsächlich verfügbare Geld – sind um 1,4 Prozent gesunken. Die nördlichen Bezirke leiden erstmals mehr als der Süden. „2009 wurden die Auswirkungen der Krise noch durch die Effekte der Steuerreform und eine ungewöhnlich niedrige Inflation noch abgefedert, 2010 zeigen sie sich deutlicher“, analysiert AK-Präsident Siegfried Pichler.
- Bezirke: Krise trifft Norden härter
- Teilzeitbereinigte Einkommen
- Geschlechter-Schere
- Längerfristiger Vergleich
- Noch einige Zahlen:
- Berechnungsbasis
Das monatliche Bruttoeinkommen der Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beträgt 2010 (14 x) 1.894 Euro. Das ist gegenüber 2009 ein minimales Plus von 0,8 Prozent. Die Inflationsrate von 1,9 Prozent beschert damit aber den Beschäftigten einen Reallohnverlust von 1,1 Prozent brutto. „Wobei die Inflationsrate von 1,9 Prozent weit niedriger war als das, was die Menschen täglich erleben“, betont Pichler. „Der Miniwarenkorb der Statistik Austria, der einem Wocheneinkauf entspricht, ist von 2009 auf 2010 um 3,4 Prozent teurer geworden, die Kosten für Energie sind um 3,2 Prozent gestiegen.“ Der Tariflohnindex, also die Einkommenszuwächse durch Kollektivverträge für diesen Zeitraum betrug 3,4 %. „Die guten Lohnabschlüsse der Gewerkschaften können die erlebte Inflation von jetzt mittlerweile 7 bis 8 Prozent nicht wettmachen“, so Pichler.
Das Nettoeinkommen beträgt 1.332 Euro; das sind um 0,4 Prozent mehr als 2009 und inflationsbereinigt bedeutet das ein Minus von 1,4 Prozent in den Geldbörseln der Salzburger Beschäftigten. Die Salzburger Einkommen bleiben damit auf dem vorletzten Platz unter den Bundesländern.
„Der Vergleich zu 2009 fällt deswegen ungünstig aus, weil in jenem Jahr die Auswirkungen der Steuerreform sowie eine außergewöhnlich geringe Inflation den Einkommen der Beschäftigten noch zugute gekommen sind“, erläutert der AK Einkommensexperte Florian Preisig. „Und die Abfertigungen jener Leute, die Opfer der Krise wurden und ihren Job verloren haben, sind auch in die Statistik eingeflossen und haben zahlenmäßig die Folgen der Krise gedämpft.“
Bezirke: Krise trifft Norden härter
Weil sie vergleichsweise wenig Arbeitsplätze in Industrie und Produktion aufweisen, sind ausnahmsweise die Bezirke Innergebirg im Krisenjahr 2010 relativ gut ausgestiegen. Am besten hat sich die Einkommenssituation im Pinzgau entwickelt (brutto plus 2,6 Prozent, netto inflationsbereinigt plus 0,4 Prozent); gefolgt vom Lungau (brutto plus 2,2 Prozent, netto inflationsbereinigt 0,0 Prozent) und vom Pongau (brutto plus 1,9 Prozent, netto inflationsbereinigt minus 0,2 Prozent).
Die nördlichen Bezirke müssen reale Lohnverluste verzeichnen, am stärksten der Tennengau mit einem Minus von 5 Prozent (netto inflationsbereinigt), Flachgau und Stadt Salzburg mit minus 1,4 Prozent.
Bei den konkreten Einkommen bleibt aber die Zweiteilung zwischen Nord und Süd. So beträgt 2010 das durchschnittliche Netto-Einkommen im Flachgau 1.456 Euro, in der Stadt Salzburg 1.422 Euro, im Tennengau 1.380 Euro, im Lungau 1.213 Euro, im Pongau 1.178 Euro und im Pinzgau 1.150 Euro. Der Landesschnitt beträgt 1.322 Euro.
Teilzeitbereinigte Einkommen
Die Analyse der Einkommen auf Basis der Lohnsteuer hat den Vorteil, dass Teilzeit- und Saisonarbeitskräfte herausgerechnet werden können, was zu einer Betrachtung der ganzjährig und vollzeitig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führt. Diese ergibt folgendes Bild:
Das durchschnittliche Bruttoeinkommen (14 x) beträgt 2.814 Euro, netto sind es 1.922 Euro. Das ist der siebte Platz unter den Bundesländern (Spitze: Wien mit 2.138 Euro netto, Schlusslicht ist Tirol mit 1.874 Euro).
Nach Bezirken führt die Stadt Salzburg und der Flachgau mit netto 2.029 bzw. 2.000 Euro, der Tennengau liegt mit netto 1.927 Euro so gut wie auf dem Landesschnitt von netto 1.922 Euro. Darunter liegt der Lungau mit netto 1.786 Euro, der Pongau mit netto 1.767 Euro und am Schluss der Pinzgau mit 1.761 Euro.
Geschlechter-Schere
Die ganzjährig vollzeitig beschäftigten Frauen verdienen 2010 um 22,5 Prozent weniger als die Männer, in konkreten Zahlen 1.617 Euro netto gegenüber 2.088 Euro. Im Jahr davor waren es 26,6, Prozent. „Das ist jetzt kein Anlass zum Jubeln“, meint Pichler. Der Grund dürfte sein, dass in der Krise weniger Frauen als Männer ihren Job verloren haben, und dass die Fraueneinkommen stärker gewachsen sind.“ Die Fraueneinkommen haben gegenüber 2009 um 1,0 Prozent netto zugenommen, jene der Männer nur um 0,1 Prozent.
Nimmt man alle Lohnsteuerzahlerinnen und –zahler, also inklusive Saison- und Teilzeitbeschäftigte, beträgt der Einkommensnachteil 35,1 Prozent (2009: 36,5 Prozent). Netto sind das 1.042 Euro für Frauen und 1.605 Euro für Männer.
Längerfristiger Vergleich
Trotz der schwachen Dynamik im Jahr 2010 ergibt sich im Vergleich von 2005 auf 2010 netto und inflationsbereinigt ein Plus von 2 Prozent. Dazu beigetragen hat die Steuerreform sowie die ungewöhnlich niedrige Inflation von nur 0,5 Prozent im Jahr 2009.
Im Vergleich der letzten zehn Jahre hingegen ergibt sich ein Reallohnverlust von 1,9 Prozent; von 1995 bis 2010 ergibt sich sogar ein Reallohnverlust von 2,5 Prozent netto.
„Wir werden ärmer“, stellt Pichler fest, „und es zeigt sich wieder, dass jene für die Krise zahlen, die am allerwenigsten dafür können, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.“
Wenig Grund für Optimismus sieht er auch für die Ergebnisse der Analyse der Einkommen 2011. „Wir haben noch keine Einkommensdaten vorliegen, aber wir wissen, dass im Vorjahr die Inflationsrate 3,3 Prozent betragen hat. Wenn man davon ausgeht, dass die Einkommenszuwächse 2011 kaum deutlicher sein werden als 2010, wird das Ergebnis ein noch spürbarerer Reallohnverlust sein!“
- Das durchschnittliche Bruttoeinkommen in Niederösterreich liegt im Jahr um 3.700 Euro über jenem in Salzburg.
- Das durchschnittliche Bruttoeinkommen im Flachgau liegt im Jahr um 6.804 Euro über jenem im Pinzgau.
- Die Hälfte der Frauen und ein Drittel der Männer verdient weniger als 1.000 Euro netto; insgesamt sind es 40 Prozent der Beschäftigten oder rund 106.500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
- 47,3 Prozent der Beschäftigten verdienen weniger als 1.500 Euro brutto, das sind rund 125.500 Personen.
- Knapp 9 Prozent verdienen über der Höchstbemessungsgrundlage (57.540 Euro brutto); das sind 18.417 Männer und 4.998 Frauen.
- Mehr als ein Viertel (27,9 Prozent) arbeitet Teilzeit; davon sind fast die Hälfte (45,5 Prozent) Frauen.
- 2010 haben die unselbständig Erwerbstätigen in Salzburg um mehr als 23 Millionen Euro mehr Lohnsteuer bezahlt als im Jahr davor, das sind 2,4 Prozent. Die Bruttolohnsumme ist um 1,9 Prozent oder 131 Millionen Euro gestiegen.
Berechnungsbasis
Die Lohnsteuerstatistik für Salzburg (basierend auf den Daten der Statistik Austria) erfasst 2010 insgesamt 265.527 Beschäftigungsverhältnisse, vom Lehrling bis zum Beamten, von Praktikanten bis zu den geringfügig Beschäftigten. Im Gegensatz zur Analyse der Medianeinkommen (50 Prozent verdienen mehr, 50 verdienen weniger) sind auch Einkommen über der Höchstbemessungsgrundlage erfasst, und eine Berechnung mit und ohne Teilzeit ist möglich.
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