Pichler: „In gerechte Arbeitswelt investieren statt kaputtsparen!“

Auch 2011 entwickelte sich der Arbeitsmarkt positiv. Es waren 238 Menschen weniger ohne Arbeit als 2010, die Beschäftigung stieg um 1,3 Prozent. Trotzdem: Immer noch sind deutlich mehr Menschen ohne Job als vor der Krise. Und über zehn Prozent der Arbeitslosen sind aus gesundheitlichen Gründen kaum vermittelbar. Daher gilt auch heuer: Sinnvoll investieren statt Schulden bremsen und so die Konjunktur abwürgen. AK-Präsident Siegfried Pichler: „Wer zum Beispiel aktive Arbeitsmarktpolitik und alternsgerechtes Arbeiten fördert, spart langfristig und nachhaltig – im Gesundheitssystem und auch bei den Pensionen.“

Die Beschäftigungsbilanz fällt auch 2011 positiv aus: Mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr liegt Salzburg aber nur knapp besser als der Österreich-Schnitt (minus 1,6 Prozent) – und bleibt immer noch weit hinter den Bestwerten vor der Krise zurück. 2011 waren in Salzburg im Schnitt 11.242 Menschen arbeitslos. „Auch wenn es 238 Arbeitslose weniger gibt, ein Grund zur Freude ist das noch lange nicht“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. „Die Werte von 2008 sind noch nicht erreicht. Damals waren 9.759 Menschen im Land arbeitslos.“

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Zahl der Schulungsteilnehmer sank erstmals seit 2008 wieder

Immerhin ging 2011 erstmals seit 2008 die Zahl der Schulungsteilnehmer um 169 Personen zurück (minus 5,6 Prozent). Trotzdem: Es sind immer noch 2.872 Personen. Fast 50 Prozent mehr als vor der Finanz- und Wirtschaftskrise (2008: 1.941). AK-Präsident Pichler: „Rechnet man die Schulungsteilnehmer in die durchschnittliche Arbeitslosenquote hinein, dann liegt diese 2011 bei 5,6 statt 4,5 Prozent. Es gibt also noch viel zu tun!“ Zurück ging im Jahresschnitt übrigens ausschließlich die Zahl der männlichen Schulungsteilnehmer (-176), die sich von der Krise Schritt für Schritt erholen. Die Zahl der Frauen in Schulungen ist mit plus sieben sogar leicht gestiegen. Besonders stark sank die Zahl der Schulungen gegen Ende des Jahres 2011 mit dem Auslaufen vieler Fördermittel. Im Dezember befanden sich 18 Prozent weniger in Schulungen als im gleichen Monat des Vorjahres.

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Gute Beschäftigungsentwicklung im Jahr 2011

Auch die Beschäftigung entwickelte sich im Vergleich zu 2010 mit plus 1,6 Prozent gut. Das sind immerhin 3.721 Arbeitsplätze mehr. Das Niveau vor der Krise wurde bereits im vergangenen Jahr wieder erreicht. Allerdings: Bei den Männern konnten lediglich die Arbeitsplatzverluste wieder gutgemacht werden. Und das Plus bei den Frauen dürfte fast ausschließlich in den Teilzeitbereich fallen. Ohne die durch schamlose Zockerei verursachte Wirtschafts- und Finanzbaisse gäbe es heute jedenfalls rund 2.500 Arbeitsplätze mehr in Salzburg, errechneten die AK-Experten.

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Zahl der Leiharbeiter erreicht Allzeithoch

Nicht zuletzt basierte die Beschäftigungszunahme auch 2011 zu einem guten Teil auf einer wachsenden Zahl von Leasing-Arbeitskräften. Mit plus 250 Personen wuchs dieser Bereich 2011 um 6,4 Prozent. 2010 waren es zwar noch 25 Prozent. Dennoch erreicht die Leiharbeitsbranche dadurch 2011 ein neues Allzeithoch in Salzburg: 4.182 Personen. Damit nahm Leiharbeit seit 2008 um 10,3 Prozent zu. Die Gesamtbeschäftigung nur um 1,6 Prozent. „Das sind und bleiben unsichere und wenig stabile Arbeitsplätze, die bei den Beschäftigten nicht immer Zuversicht hervorrufen. Unternehmen gewinnen loyale und hochmotivierte Mitarbeiter, wenn sie übernehmen statt nur leasen“, so Siegfried Pichler. Neben Leiharbeit haben seit der Krise auch geringfügige Beschäftigungen überdurchschnittlich zugenommen. 2011 sind 464 Personen (1,9 Prozent) mehr geringfügig angestellt als 2010.

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Dynamische Entwicklung in mehreren Branchen

Insgesamt haben sich, was die Beschäftigung betrifft, mehrere Wirtschaftsbereiche im Land positiv entwickelt. In Industrie und Gewerbe wurden 756 neue Arbeitsplätze geschaffen. Wachstum: 2,2 Prozent. „Das freut mich deshalb, weil viele gut bezahlte Arbeitsplätze in diesem Bereich liegen. Aber wir dürfen nicht vergessen: Der Bereich hat immer noch 1.252 Arbeitsplätze oder 3,5 Prozent weniger als vor der Krise“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. Auch der Handel legte mit 696 neuen Stellen (plus 1,7 Prozent) zu. Im Gesundheits- und Sozialwesen wurden 347 Stellen geschaffen (plus 2,6 Prozent). Bei den wirtschaftlichen Dienstleistungen 659 (plus 5,7 Prozent). Den größten prozentuellen Zuwachs hat der Bereich Nachrichtenwesen: 9,5 Prozent oder 303 Stellen. Leichte Rückgänge gab es lediglich im Verkehr (minus 34 Stellen oder 0,2 Prozent), in der Bauwirtschaft (minus 62 oder 0,4 Prozent) und bei den sonstigen Dienstleistungen (minus 34 Stellen oder 0,6 Prozent).

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Aktive Arbeitsmarktpolitik half gegen die Krise

Vor einem Jahr hat die AK gemahnt, dass gerade jetzt kurz- und mittelfristige Investitionen wichtig sind. Denn auf 100 Millionen kommen bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze. Und auch von Maßnahmen wie dem gemeinnützigen Wohnbau profitieren letztlich alle. Die überwiegend positive und in einigen Bereichen zumindest stabile Entwicklung zeigt, wie wichtig derartige Initiativen gerade in schwierigen Zeiten sind. Natürlich wären in manchen Bereichen noch mehr Investitionen sinnvoll gewesen. „2009 und 2010 ist viel wirtschaftlich Wichtiges und Richtiges getan worden. Auch und gerade deshalb darf jetzt nicht einfach gnadenlos gespart werden. Sonst drosselt die so genannte Schuldenbremse auch das Wirtschaftswachstum – und das wäre brandgefährlich“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. Jetzt, wo die Situation in mehreren Ländern wieder auf der Kippe steht und diverse Rettungspakete die Konjunktur in Hinkunft zusätzlich belasten, müsse mit Umsicht gehandelt werden. Nur die richtige Balance zwischen sanftem Schuldenabbau und Investitionen kann dafür sorgen, dass das Boot nicht in eine Richtung kippt.

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Neuerliche Konjunkturschwäche deutet sich an

Denn auch in Österreich verspricht der Arbeitsmarkt aktuell wenig Gutes: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind seit Mitte 2011 deutlich schlechter geworden. Das ist in einzelnen Bereichen auch in Salzburg zu spüren. „Im Eisenwerk Sulzau sind schon 200 Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen. Auch ein Industriebetrieb im nördlichen Flachgau hat bereits personelle Einschnitte angekündigt. Ich kann den Unternehmern nur einmal mehr nahe legen, bei Auftragsmangel vor allem auf Kurzarbeit zurückzugreifen. Im sozialen und wirtschaftlichen Interesse der Arbeitnehmer. Aber auch zur Sicherung ihres eigenen mittelfristigen Fachkräftebedarfs!“, so Siegfried Pichler.

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11,7 Prozent der Arbeitslosen haben Probleme mit Gesundheit

Ein unterschätztes Problem stellen für Siegfried Pichler auch die Auswirkungen der gesundheitlichen Situation auf die Beschäftigung beziehungsweise Arbeitssuche dar. Das AMS bestätigte jüngst, dass die Vermittlungstätigkeit unter immer mehr Arbeitskräften mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen leide. Deren Zahl ist im Jahresdurchschnitt von 10,2 Prozent 2010 auf 11,7 Prozent aller Arbeitslosen 2011 angestiegen. Im Dezember des Vorjahres waren es gar 1.700 Personen oder 15 Prozent aller Arbeitslosen im Bundesland. Die Häufigsten Probleme sind psychische Störungen und Beeinträchtigungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Die höchste Zahl dieser beeinträchtigten Personen, 121 an der Zahl, findet sich in der Arbeitskräfteüberlassung. „Das zeigt, dass diese Leute, die noch arbeiten wollen, nach wie vor viel zu oft abgeschoben werden“, so AK-Präsident Pichler. Aber auch in relativ sicheren Bereichen wie im Sozialwesen (ohne Heime) und dem öffentlichen Dienst finden sich relativ gesehen viele gesundheitlich angeschlagene unter den Arbeitslosen (31,8 beziehungsweise 28,3 Prozent aller Personen ohne Arbeit). Vermutlich, weil in diesen eher sicheren Bereichen im Normalfall weniger gesunde Personen ihre Arbeit verlieren. Die Zahlen machen aber auch klar, dass gesundheitlich beeinträchtigte Arbeitnehmer auch hier von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

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Ältere nicht abschieben: Alternsgerecht beschäftigen

Davon betroffen sind wiederum vorwiegend Ältere Arbeitnehmer. Siegfried Pichler: „Allein in der Gruppe der Arbeitnehmer über 50 waren im Dezember 2011 acht Prozent mehr arbeitslos als im Jahr davor“. Analysiert man dagegen die Beschäftigung nach Alter, zeigt sich eine interessante Entwicklung. Denn zwischen 50 und 60 Jahren waren im Durchschnitt des vergangenen Jahres 2.232 oder 5,3 Prozent mehr Personen in Arbeit als noch 2010. Diese Altersgruppe bleibt also tendenziell länger im Job, gleichzeitig stieg aber deren Arbeitslosigkeit entgegen dem Trend um 1,9 Prozent beziehungsweise +44 Personen. „Das hat mit Sicherheit auch damit zu tun, dass es ein starkes politisches und wirtschaftliches Interesse gibt, die Menschen länger in Arbeit zu halten“, sagt AK-Präsident Pichler. Die Gretchenfrage ist aber, ob auch die Rahmenbedingungen für alternsgerechtes Arbeiten passen. „Dass die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe steigt und das AMS zunehmend Vermittlungsprobleme wegen gesundheitlichen Beeinträchtigungen hat legt den Schluss nahe, dass viele zwar zu gesund für die Pension, aber für viele Arbeitgeber zu krank zum Arbeiten sind. Es braucht daher gerade aber nicht ausschließlich mit Blick auf die Gesundheit auch eine spezielle Arbeitsplatzgestaltung. “, so Pichler weiter.

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Pichler: „Rechtsanspruch ausbauen und bessere Kontrolle“

Es kann nicht das Ziel sein, dass die Menschen als körperliche oder seelische Wracks in Pension gehen oder – wenn sie noch in Arbeit sind – den Anforderungen nicht mehr Herr werden können. Denn Stressresistenz und Widerstandsfähigkeit sinken im Alter. Dafür haben Arbeitnehmer jenseits der 50 in der Regel jahrzehntelange Erfahrung und ausgeprägte Sozialkompetenzen. Siegfried Pichler: „Es braucht deshalb neben den wiederholten Forderungen nach späteren Pensionsantritten auch passende Werkzeuge um die Arbeitnehmer, vor allem aber die Unternehmen darauf einzustimmen.“ Dabei geht es um Gesundheit, aber auch um Arbeitsbedingungen, die individuellen Ressourcen und Fähigkeiten von Mitarbeitern und letztendlich um Wertschätzung. Es muss aber auch den gesetzlichen Rahmen dafür geben: „Prävention und Gesundheitsförderung in den Betrieben gehören klar und umfassend geregelt. Gleichzeitig muss die Vorbeugung berufsbedingter Erkrankungen eine Pflichtaufgabe der AUVA werden. Auch Betriebsräte sollten ein Auge auf den Umgang mit dem Alter in einem Betrieb haben. Sie müssen deshalb in diesem Bereich mitentscheiden können. Führungskräfteschulungen, mehr medizinische Fachkräfte, Anspruch auf Rehabilitation, ein besserer Zugang zur Invaliditätspension, mehr Weiterbildung und nicht zuletzt, sozusagen als große Klammer, der Rechtsanspruch auf einen altersgerechten Arbeitsplatz gehören weiter ausgebaut und besser kontrolliert“, so Siegfried Pichler.

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Sinnvolles Investieren ist langfristiges, nachhaltiges Sparen

Im Endeffekt ist das eine Win-win Situation für alle. Produktivität und Motivation steigen. Denn ältere Arbeitnehmer sind ein Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig wird das soziale System in Punkto Pensions- aber auch Gesundheitskosten entlastet. „Es klingt jetzt, wo die potenziell konjunkturschädliche Schuldenbremse in aller Munde ist, wie ein Widerspruch, ist aber keiner: Wer sinnvoll investiert spart langfristig und nachhaltig. Gerade im EU-Jahr des Aktiven Alterns sollte das uns allen ein Anliegen sein!“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler.

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