Frauengehälter endlich auf Männerniveau bringen

Gerechte Gehälter werden nicht auf Basis von Freiwilligkeit und gutem Willen geschaffen: AK fordert Gleichstellungsberichte von Betrieben

Heuer war der Equal Pay Day Ende September. Seitdem arbeiten Frauen in Österreich quasi gratis. Damit bleibt der Einkommensnachteil der Frauen in den vergangenen Jahren hoch. Männer verdienen im Bundesland durchschnittlich 21.320 Euro pro Jahr. Frauen knapp 8.000 Euro weniger. Auch beim teilzeitbereinigten Einkommen, also Vollzeit und netto, setzt sich dieser Unterschied fort: Männer 27.199 Euro, Frauen 20.433 Euro. Damit bleiben der weiblichen Hälfte der Bevölkerung nur 75,1%eines Männereinkommens.

Niedrige Einkommen erhöhen Armutsgefahr

Aber Frauen sind auch armutsgefährdet. Laut Lohnsteuerstatistik aus dem Jahr 2007 verdienen 60% der Salzburger Frauen (darunter Geringfügige, Lehrlinge, Teilzeit und Saisonbeschäftigte, die allerdings steuerlich Einiges zurückerhalten) unter 1000 Euro netto. Bei den Männern haben gerade einmal halb so viele ein sehr niedriges Einkommen.

Innerhalb von zehn Jahren verdienen Männer 130.000 Euro mehr

Die Ursachen sind zahlreich, bedrückend vor allem, dass Österreich im „Global Gender Gap“ Report des Weltwirtschaftsforums beim Thema gleicher Lohn für gleiche Arbeit nur auf Platz 116 von 128 untersuchten Ländern liegt. Bleiben die Einkommen so ungerecht, dann verdient ein Mann innerhalb von zehn Jahren 130.000 Euro mehr. Das ist der Gegenwert einer Zweizimmerwohnung.

Weitere Probleme: Sieben von zehn Mädchen wählen einen von 10 Lehrberufen, die besonders geschlechtstraditionell geprägt und niedrig bezahlt sind. Frauen sind zwar immer häufiger am Erwerbsleben beteiligt, aber oft in schlechter bezahlten Branchen und in Teilzeitbeschäftigung. Nicht selten zwingen familiäre Verhältnisse zu Teilzeit- und geringfügiger Arbeit.

Schlechter eingestuft und „traditionell“ bewertet

Dazu kommt, dass Frauen meist unter ihrem tatsächlichen Qualifikationsniveau eingestuft und eingesetzt werden. Innerbetriebliche Ausbildungen und der Aufstieg werden Ihnen nur selten angeboten. Allein die Möglichkeit, dass einmal ein Kind kommen könnte wirkt so als Karrierebremse – schließlich wäre das Geld dann „ungünstig“ investiert.

Die Verantwortung für Maschinen zählt außerdem mehr als jene für Menschen, an Supermarktkassen oder in der Pflege. Beim Mann wird als Grund für höhere Einkommen auch heute noch unhinterfragt und abseits von tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten die Rolle des Familienerhalters angeführt.

Führungspositionen sind fest in Männerhand

Bei den Unternehmen sind sogar wieder weniger Frauen in Führungspositionen anzutreffen. Die umsatzstärksten Unternehmen an der Börse sind fast zur Hälfte in reiner Männerhand. Wenn Frauen überhaupt im Management auftauchen, dann zwischen 40 und 50 Jahren und meist in niedriger entlohnten Führungspositionen oder im mittleren Management.

Fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten halten Frauen vom Aufstieg fern

Einer der wichtigsten Gründe für die Benachteiligung von Frauen bleibt die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Abseits vom gut ausgebauten Kindergartensystem in Salzburg (Betreuungsquote 85,4%) sind unter 3jährige nur zu 11,3 %, Volksschulkinder gar nur zu 10,2% institutionell betreut – und die Öffnungszeiten passen oft nicht mit den Lebensumständen der Eltern zusammen: Nur die Hälfte der Einrichtungen hat bis 17 Uhr offen und versucht damit auf berufstätige Eltern einzugehen. Vor allem in Kindergärten muss sich noch Einiges tun.

AK-Forderungen für mehr Gerechtigkeit bei den Einkommen

Es reicht nicht, zu appellieren und auf freiwillige Fairness in den Betrieben zu hoffen. Die AK Salzburg fordert konkrete Maßnahmen gegen Lohnunterschiede in den Betrieben. Zwar können Betroffene bei ungleicher Bezahlung gleichwertiger Arbeit auf Basis des Gleichbehandlungsgesetzes gegen Diskriminierungen vorgehen. Aber es braucht auch auf gesellschaftlicher und betrieblicher Ebene Maßnahmen. Die Forderungen der AK:

  • Einkommenstransparenz und Maßnahmen gegen Lohnunterschiede in Betrieben
  • Koppelung der Auftragsvergabe an Gleichstellung
  • Verbreiterung der Berufswahl für Frauen, aber auch eine bessere Bewertung der vorwiegend von Frauen ausgeübten Tätigkeiten.
  • Mehr Anreize für eine partnerschaftliche Aufteilung von Kinderbetreuung und Beseitigung von Barrieren einer Väterbeteiligung
  • Verbesserungen bei der Kinderbetreuung von Kleinkindern bis hin zu Schulkindern.
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