Psychischer Stress bleibt an der Spitze der Belastungen

2010 ist zwar ein leichter Rückgang der Belastungsarten (psychischer Stress, physische Belastungen und Innovationsstress) gegenüber den beiden Jahren davor im Salzburger Arbeitsklimaindex zu beobachten. Der psychische Stress ist aber nach wie vor die häufigste und schwerste Belastung am Arbeitsplatz. Und: Überstunden führen bei allen drei Belastungsarten zu einer deutlichen Erhöhung.

Psychischer Stress bleibt mit Abstand die größte Belastung am Arbeitsplatz; gefolgt von körperlichen Belastungen und Innovationsstress. Gegenüber 2009 sind alle drei Werte leicht gesunken.

Psychischer Stress am Arbeitsplatz besteht aus den Faktoren Zeitdruck sowie seelisch belastende und aufreibende Arbeit.

Zeitdruck

Mehr als ein Drittel der Beschäftigten, nämlich 37 Prozent, leidet stark oder eher stark unter Zeitdruck. Männer fühlen sich mit 44 Prozent stark oder sehr stark belastet und bleiben damit auf dem Niveau von 2009. Deutlich gesunken ist die Belastung der Frauen, nämlich von 38 auf 29 Prozent. Arbeiterinnen und Arbeiter stehen mit 46 Prozent mehr unter Zeitdruck als Angestellte mit 35 Prozent. Vollzeitbeschäftigte Personen sind mit 45 Prozent deutlich stärker von Zeitdruck betroffen als Teilzeitbeschäftigte mit 19 Prozent.

„Der Zeitdruck am Arbeitsplatz beeinflusst auch die Vereinbarkeit von beruflichen und privaten Verpflichtungen und Interessen – je höher der Zeitdruck, desto schwieriger die Vereinbarkeit: Nur 25 Prozent der stark belasteten Beschäftigten gelingt dies sehr gut, hingegen 71 Prozent der nichtbelasteten“, sagt die für den Arbeitsklimaindex zuständige Expertin Ines Grössenberger.

Seelisch belastende und aufreibende Arbeit

Zehn Prozent der Salzburger Beschäftigten leiden unter seelisch belastender und aufreibender Arbeit; erstaunlicherweise sind das um sechs Prozent weniger als im Jahr 2009. Frauen hatten im Vorjahr einen Höchstwert von 18 Prozent, der 2010 auf 12 Prozent gesunken ist. Dass Frauen stärker als Männer (neun Prozent) unter seelisch belastender und aufreibender Arbeit leiden, kann mit ihrem hohen Anteil in helfenden Berufen erklärt werden – 35 Prozent der Frauen in Gesundheitsberufen sind stark und eher stark belastet.

Physische Belastungen und Unfall- und Verletzungsgefahr

Die Belastung durch schlechte Gesundheitsbedingungen ist seit Erhebungsbeginn im Jahr 2004 zwar ziemlich konstant geblieben, war aber noch nie so hoch wie 2010: 14 Prozent fühlen sich stark oder eher stark belastet, 2009 waren es 12 Prozent. Am stärksten belastet fühlen sich Facharbeiterinnen und Facharbeiter mit 55 Prozent, gefolgt von Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeitern mit 32 Prozent; bei den Angestellten sind es nur vier Prozent.

Überstunden verstärken die Belastungsfaktoren

Alle drei Belastungsfaktoren werden durch Überstunden auf rund das Doppelte verstärkt. Insgesamt 27 Prozent der Beschäftigten leisteten 2010 Überstunden; das sind um sieben Prozent mehr als im Jahr davor. Überdurchschnittlich viele Wochenarbeitsstunden leisten Vollzeitbeschäftigte im Fremdenverkehr (46 Stunden im Schnitt) sowie im Bauwesen und Verkehr/Transport/Nachrichten (durchschnittlich 44 Stunden).

Der Zusammenhang zwischen der Arbeitsdauer und dem körperlichen und seelischen Wohlbefinden belegt auch eine WIFO-Studie „Folgekosten langer Arbeitszeiten“. Erhöhtes Risiko für Unfälle und Herzerkrankungen, sowie Beeinträchtigungen des Magen-Darm-Trakts und von Skelett und Muskulatur sind die Folge. „Diese Daten zeigen deutlich, dass Überstunden ein gesundheitliches Risiko darstellen. Die betriebliche Gesundheitsförderung muss sie daher stärker als bisher beachten“, betont die AK-Gesundheitsexpertin Karin Beer.

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