Absage an Sonntagsarbeit - breite Mehrheit für 35-Stunden-Woche
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Mit 100 Punkten liegt man im erstmals erhobenen Index für den Einzelhandel unter dem Salzburgschnitt von 111. „Bei einer weiteren Ausdehnung der Laden-Öffnungszeiten würden zwei Drittel der Befragten ein Vereinbarkeitsproblem zwischen Beruf und Privatleben bekommen“, sagt AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Siegfried Pichler. Nur 15 Prozent könnten sich vorstellen, am Sonntag zu arbeiten. Gerade mal 36 Prozent können von ihrem Gehalt gut leben. Im Handel ist die Zahl der psychisch Belasteten doppelt so hoch wie im Salzburgschnitt. „Unser Auftrag: Kampf gegen eine weitere Ausdehnung der Öffnungszeiten zu Lasten der Beschäftigten und Gesundheit am Arbeitsplatz noch stärker einfordern“, so Pichler.
- Resumee: Einzelhandel und Teilzeit sind weiblich
- Ergebnis im Überblick
- Vorschläge zur Verbesserung der Zufriedenheit
- Unsere Forderungen
- Allgemeine Infos und Daten zum Arbeitsklima-Index
Der Arbeitsklimaindex im Einzelhandel liegt bei 100 Indexpunkten. Große Unterschiede gibt es vor allem hinsichtlich der beruflichen Stellung: Angestellte erreichen 101 Indexpunkte, Arbeiter sind unterdurchschnittlich zufrieden mit 96 Indexpunkten. Die Gründe für die hohe Unzufriedenheit unter den Arbeitern liegen hauptsächlich in den flexiblen Arbeitszeiten, den höheren physischen Belastungen, dem niedrigeren Einkommensniveau sowie den als mangelhaft empfundenen Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten. „Auffallend ist, dass die Bewertungen im Salzburgvergleich in fast allen Bereichen unterdurchschnittlich sind“, fasst Studienautorin Hilla Lindhuber zusammen.
AK-Präsident Pichler und der stv. GPA-Regionalgeschäftsführer Gerald Forcher sind sich einig: „Diese Ergebnisse sind für Arbeiterkammer und Gewerkschaft Bestätigung und Auftrag zugleich: „Nämlich, keine weitere Ausdehnung der Öffnungszeiten zu Lasten der Beschäftigten zuzulassen und in Zukunft essentielle Themen wie Gesundheit am Arbeitsplatz und betriebliche Aus- und Weiterbildung noch stärker einzufordern!“
Resumee: Einzelhandel und Teilzeit sind weiblich
Dass im Einzelhandel größtenteils Frauen arbeiten (mit 1.1.2010 waren 73,7 Prozent der gemeldeten Dienstnehmer im Einzelhandel Arbeitnehmerinnen), zeigt sich auch in dieser Erhebung: 82,9 Prozent der ausgefüllten Fragebögen stammen von Frauen. Davon ist mehr als jede Zweite (56 Prozent) teilzeitbeschäftigt – bei den männlichen Kollegen ist dies nur zu 12,3 Prozent der Fall. Dienstnehmerinnen sind im Allgemeinen zufriedener als Männer - AK-Expertin Hilla Lindhuber: „Wie schon erwähnt, arbeiten generell mehr Frauen als Männer im Einzelhandel – davon wiederum der Großteil in Teilzeit. Fast 70 Prozent der weiblichen Teilzeit-Beschäftigten haben diese Form der Arbeitszeit gewählt, um familiären Betreuungspflichten nachkommen zu können.“
Eine Untersuchung der KMU-Forschung Austria bekräftigt diese Ergebnisse und ergänzt diese hinsichtlich der Frage, warum sich Menschen für eine Beschäftigung im Einzelhandel entscheiden, wobei vor allem für Frauen die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten im Vordergrund stand. Weiters wies die Untersuchung einen Zusammenhang zwischen dem Beschäftigungsausmaß, der Haushaltsstruktur und dem Geschlecht auf. Es zeigte sich, dass vor allem Frauen mit Kinderbetreuungs¬pflichten im Einzelhandel Teilzeit beschäftigt sind.
Weitere Erkenntnisse aus dem Arbeitsklima-Index von AK und ÖGB: Wirft man einen Blick auf die verschiedenen Tätigkeitsbereiche im Einzelhandel, fällt auf, dass Arbeitnehmer im Bereich Lager/Logistik weitaus geringere Werte (94 Indexpunkte) erreichen als Dienstnehmer aus Verwaltung/Administration (106). Auf Altersgruppen verteilt sind vor allem die unter 25-Jährigen (98 Indexpunkte) und die 45-55-Jährigen (99) sowie über 56-Jährigen (97) unterdurchschnittlich unterwegs. Auch das Bildungsniveau zeigt Auswirkungen: Beschäftigte mit Hochschulabschluss sind weitaus zufriedener (107 Punkte) als jene mit Lehrabschluss (100) und Matura (98).
Ergebnis im Überblick
Absage an Sonntagsarbeit, Mehrheit für 35-Stunden-Woche
„Auffallend bei diesem Branchenindex ist für uns die hohe Zahl an Zusatzinfos, die die Befragungsteilnehmer gegeben haben“, berichtet Lindhuber, „über 1.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben nach Beantwortung der standardisierten Fragen die Rubrik `zusätzliche Wünsche, Anliegen, Vorschläge´ genutzt, um uns mitzuteilen, was ihnen besonders am Herzen liegt.“ Demnach brennen den Beschäftigten im Einzelhandel zwei Themen ganz besonders unter den Nägeln: Die Laden-Öffnungszeiten und die Entlohnung. 28 Prozent haben sich dabei klar für eine Verkürzung, beziehungsweise gegen eine weitere Ausdehnung der Ladenöffnungs-Zeiten ausgesprochen. „Zwar sind mehr als zwei Drittel (69 Prozent) mit ihren Arbeitszeiten sehr oder eher zufrieden – das ist im Vergleich zum Salzburgschnitt von 81 Prozent aber ein klar geringerer Zufriedenheitswert“, so Pichler.
Über zwei Drittel (67,8 Prozent) wollen, dass sich die Gewerkschaft für die 35h-Woche einsetzt. „Das ist nicht überraschend“, meint der AK-Präsident, „haben doch rund 73 Prozent angegeben, dass eine weitere Ausdehnung der Laden-Öffnungszeiten Vereinbarkeitsprobleme zwischen Beruf, Privatleben und Familie bedeuten würden.“ Nur 14,2 Prozent der Salzburger Beschäftigten im Einzelhandel kann sich Sonntagsarbeit vorstellen – allerdings auch nur dann, wenn die Bezahlung stimmt.
Vor allem die flexiblen Arbeitszeiten stoßen bei zahlreichen Beschäftigten auf wenig Gegenliebe: Mehr als jeder 4. Beschäftigte, nämlich 26,7 Prozent, gibt an, dass die Einteilung der Arbeitszeiten sehr kurzfristig passiert. Bei knapp 40 Prozent werden die Arbeitszeiten oftmals kurzfristig geändert. Von einem Viertel der Beschäftigten wird zudem eine permanente telefonische Erreichbarkeit verlangt (24,5 Prozent). Besonders betroffen sind männliche Beschäftigte (34,1 Prozent) sowie Beschäftigte im Bereich Lager/Logistik (28,4 Prozent). Nur gut die Hälfte (53,3 Prozent) gibt an, dass die „Schwarz-Weiß-Regelung“ (Samstagsarbeit nur jede zweite Woche) im Betrieb eingehalten wird. Vor allem Vollzeitbeschäftigte geben an, dass oftmals an mehreren aufeinander folgenden Samstagen gearbeitet werden muss.
„Wir stehen flexiblen Arbeits- und Öffnungszeiten nicht von Vornherein negativ gegenüber“, sagt AK-Präsident Pichler, „Grundbedingung ist aber, dass die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht zu kurz kommen. Wer durch lange Öffnungszeiten Profit machen will, muss den Erfolg auch dementsprechend an seine Mitarbeiter weitergeben.“
Ähnlich der stellvertretende Regionalgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten-Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP), Gerald Forcher: „Die Arbeitszeitregelungen gehören rasch verbessert, geleistete Überstunden müssen adäquat entlohnt werden.“
Belastungen doppelt so hoch wie im Salzburger Durchschnitt
Fühlen sich im Salzburgschnitt 16 Prozent der Beschäftigten starken psychischen Belastungen ausgesetzt, so sind es im Einzelhandel nahezu doppelt so viele, nämlich rund 30 Prozent. „Belastungsfaktor Nummer eins ist der Zeitdruck (bei etwa 40 Prozent der Befragten)“, zitiert Lindhuber aus der Studie, „gefolgt vom Umgang mit schwierigen Kunden (rund 32 Prozent) – den Beschäftigten geht es hier vor allem um fehlende Wertschätzung seitens der Kundschaft.“ In den Bereichen Lager und Logistik werden hauptsächlich schlechte Gesundheitsbedingungen, hervorgerufen durch häufiges Heben und Tragen schwerer Waren, beklagt.
Forcher verweist in diesem Zusammenhang auf eine eigene Erhebung der GPA-DJP vom März 2010: „Wir haben damals über 800 Beschäftigte des Einzelhandels befragt – das Ergebnis war alarmierend. Die Belastung am Arbeitsplatz wird als sehr hoch empfunden. Demnach leidet jeder zweite Dienstnehmer an Müdigkeit und Erschöpfung und hat mehrmals in der Woche starke Kopfschmerzen. Fast drei Viertel der Befragten klagen über Nacken- und Schulterschmerzen. Die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Handel glaubt nicht, gesund in Pension gehen zu können.“
Arbeit im Handel muss menschlicher werden
Um die Zufriedenheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Handel nachhaltig zu steigern, bedarf es für Arbeiterkammer und Gewerkschaft zahlreicher Verbesserungen. Beide fordern daher unter anderem:
- Eine neue Gehaltstafel in Verbindung mit höheren Einstiegsgehältern
- Entfall der zuschlagsfreien Mehrarbeit; Überstunden ab 38,5 Stunden
- Mehr Wertschätzung und Anerkennung gegenüber den Beschäftigten (z.B. durch das Vorziehen von Jubiläumsgeldern)
- Qualifizierungsmaßnahmen durch ein verstärktes Angebot an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten
- Gesundheit am Arbeitsplatz fördern (etwa durch regelmäßige Untersuchungsangebote)
- Mitarbeiter sollen bei Planung von Neu- oder Umbauten Mitspracherecht erhalten
- Regelmäßige Überprüfung und Wartung der Arbeitsmittel und -geräte
AK und ÖGB fordern höhere Einstiegsgehälter und Aus für zuschlagsfreie Mehrarbeit
Bedenklich für AK und Gewerkschaft auch die Antworten zum Thema Einkommen und Bedürfnisdeckung. Nur jeder zweite Beschäftigte gibt an, mit dem Einkommen sehr zufrieden oder zufrieden zu sein. Nur etwa 36 Prozent können laut eigenen Angaben von ihrem Gehalt sehr gut oder gut leben – im Salzburgschnitt sind das hingegen 62 Prozent.
„Das Problem in diesem Zusammenhang liegt zum einen an den sehr niedrigen Einstiegsgehältern“, so Forcher, „wenn man bedenkt, dass das Vorrücken in die nächste Gehaltsstufe durchschnittlich etwa 18 Jahre dauert, die meisten Beschäftigten aber im Schnitt pro Arbeitgeber auf eine berufliche Verweildauer von nur sieben Jahren kommen, ist die fehlende berufliche und finanzielle Perspektive mehr als nur verständlich.“
Ein weiterer Schritt, um die Einkommenssituation der Beschäftigten zu verbessern, wäre die Abschaffung der zuschlagsfreien Mehrarbeit. „Was über eine Arbeitszeit von 38,5 Stunden wöchentlich hinausgeht, muss als Überstunde gewertet und abgegolten werden“, sind sich Pichler und Forcher einig.
Für branchen-übergreifende Gerechtigkeit
Für Arbeiterkammer und Gewerkschaft muss die Gerechtigkeitslücke zwischen den Arbeitnehmern im Handel und Beschäftigten anderer Branchen schleunigst geschlossen werden: „Die Umsätze steigen, der Handel verdient gutes Geld durch seine Mitarbeiter und trotzdem werden die Beschäftigten am Unternehmenserfolg nicht so beteiligt wie in anderen Branchen - und dagegen kämpfen wir“, so der AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzende abschließend.
zum SeitenanfangAllgemeiner Index stagniert
Das Wohlbefinden der Salzburger Arbeitnehmer ging im Jahr 2009 nach der krisenbedingten Verschlechterung 2008 noch einmal um vier Zähler auf 111 Indexpunkte zurück. Ein Wert, der zuletzt 2001 erreicht wurde und das schlechteste Ergebnis seit 6 Jahren (bzw. seit dem Messbeginn in Salzburg 2004). „Das, was dann 2007 aufgeholt wurde, ist durch die Krisenstimmung der letzten beiden Jahre zunichte gemacht worden“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. Nach den ersten beiden Umfragewellen stagniert der Index auf dem Wert von 2009.
Erstmals Arbeitsklima-Index Einzelhandel
Zum ersten Mal haben Arbeiterkammer und Gewerkschaft den Arbeitsklima-Index eigens für Beschäftigte des Einzelhandels im Bundesland Salzburg erhoben. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Empirische Sozialforschung (IFES) und dem Zentrum für Zukunftsstudien (ZfZ) an der Fachhochschule Salzburg wurden AK-Mitglieder, die im Einzelhandel beschäftigt sind, im Februar 2010 mittels schriftlichem Fragebogen anonym befragt. Fast 3.000 haben geantwortet.
Was ist der Arbeitsklima-Index?
Der Arbeitsklima-Index ist ein Stimmungsbarometer, mit dem man das gegenwärtige Arbeitsklima und das Wohlbefinden der Salzburger Arbeitnehmer messen und Trends in der Arbeitswelt erkennen kann. Er wurde von der AK Oberösterreich, IFES und dem Institute for Social Research and Analysis (SORA) entwickelt und wird seit 1997 regelmäßig erhoben. Doch nicht nur die Stimmung unter allen Salzburger Beschäftigten (111 Indexpunkte bei anderer Erhebungsmethode!) wird jährlich von der AK erhoben, auch einzelne Branchen werden untersucht.
2006 wurden die Gesundheitsberufe (91 Indexpunkte) sowie Post- und Telekom (83) evaluiert.
2007 waren es die Leiharbeitnehmer und Leiharbeiterinnen (84), im Frühjahr 2008 die Beschäftigten von Banken und Versicherungen (103), im Frühsommer des gleichen Jahres die Lehrlinge (105), im Herbst 2008 die atypisch Beschäftigten (103), also freie Dienstnehmer und geringfügig Beschäftigte und 2009 die Arbeitnehmer aus dem Bau- und Baunebengewerbe (97).
Derzeit wird gerade ein weiterer Branchenindex ausgewertet, nämlich der Arbeitsklima-Index für Beschäftigte in Kulturbetrieben. Die Ergebnisse dieser Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Dachverband der Salzburger Kulturstätten und der Gewerkschaft KMSfB (Kunst, Medien, Sport und freie Berufe) erstellt wird, werden voraussichtlich im Herbst 2010 präsentiert werden.
Überblick: Die bisher erhobenen Branchenindices
| Teilindex | Jahr | Indexwert |
|---|---|---|
| Post und Telekom | 2006 | 83 |
| Leiharbeiter | 2007 | 84 |
| Gesundheitsberufe | 2006 | 91 |
| Bau- und Baunebengewerbe | 2009 | 97 |
| Einzelhandel | 2010 | 100 |
| Banken und Versicherungen | 2008 | 103 |
| Atypische | 2008 | 103 |
| Lehrlinge | 2008 | 105 |
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