Experten formen ein neues Bild des Salzburger Sports
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Höher, schneller und weiter lautet die Devise im Sport. Doch Sport ist viel mehr. Die meisten Menschen haben sich längst eine ganz andere Welt der Bewegung geschaffen: eine Welt ohne das Diktat der Stoppuhr! Dies ergab eine von den Sozialpartnern gemeinsam in Auftrag gegebene Studie, die das Zentrum für Zukunftsstudien der FH Salzburg Forschungsgesellschaft mit der renommierten Sporthochschule Köln erstellte. Die Experten fordern ein neues Konzept für die Sportentwicklung und haben bereits über Lösungen nachgedacht.
Die Salzburger sind außergewöhnlich sportlich. Auch im internationalen Vergleich. Sie finden allerdings nicht in allen Bereichen optimale Rahmenbedingungen für ihre Leidenschaft vor. So gibt es kein Konzept für den Breiten- und Freizeitsport, viel wird aus dem Bauch heraus entschieden, heißt es in der Studie „Zukunft – Freizeit – Sport. Situation und Perspektiven des Freizeit- und Breitensports in Salzburg“.
Trend zum weichen Gesundheitssport
Die meisten Salzburgerinnen und Salzburger organisieren sich ihr Hobby selber und bleiben den Vereinen fern. Sie jagen nicht nach Rekorden sondern lieben in der Mehrzahl vor allem „weiche“ Gesundheitssportarten wie Wandern, Radfahren und besonders den Trendsetter Nordic Walking. Nicht Medaillen sind das Ziel, sondern Wohlbefinden und Spaß.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der Sport auch in Salzburg immer facetten-reicher wird. Zukunft hat vor allem Sport, der gesund macht und gesund hält. Bewe-gungsmangel und Inaktivität bedeuten für alle Altersklassen ein erhebliches Risiko. Die Inaktiven zu gewinnen und Bewegung und Sport für alle, insbesondere aber für die ganz Jungen, als auch für die ganz Alten zu fördern, sind die zentralen Heraus-forderungen für die Zukunft.
Die bestehenden Strukturen und das durch die Medien transportierte Image aber stellen den Sport immer noch in das Wettkampfeck. „Eine Korrektur ist dringend not-wendig!“, sind sich die Autoren Dirk Steinbach vom Zentrum für Zukunftsstudien und Michael Groll von der Deutschen Sporthochschule Köln einig und empfehlen:
Tipps für Lösungen
- Ein Schwerpunkt soll die Förderung von Sport- und Bewegungsverhalten bei Mädchen sein. Denn: Frauen treiben etwas häufiger Sport als Männer. Ältere Frauen stellen sogar die sportaktivste Gruppe überhaupt dar. Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren aber sind die Sorgenkinder“, weiß Autor Dirk Steinbach.
- Die Betreuung der Kinder während die jungen Eltern sporteln, muss ausgebaut werden. Denn sehr oft, so zeigt die Studie, fällt gesunder Sport dem Druck aus Belastung im Job und Stress bei der Betreuung der Kinder zum Opfer.
- Der nichtorganisierten Sport verdient stärkere Beachtung. Denn: 70 Prozent der sportaktiven Salzburgerinnen und Salzburger organisieren sich ihr Hobby ausschließlich selber. Bei kommerziellen Anbietern sind mehr Personen über 14 Jahre Mitglied als in den Vereinen. „Bei der Entwicklung einer zeitgemäßen Sportplanung muss das künftig viel stärker beachtet werden“, rät Studienautor Michael Groll.
Apropos Sportentwicklung: „Die Strukturen für die Kooperation zwischen öffentlicher Sportverwaltung und organisiertem Sport sind in Salzburg günstig. Es fehlen aber ein Leitbild und ein übergreifendes Sportentwicklungskonzept“, sagt AK-Direktor Gerhard Schmidt.
Es gibt schon viele Ansätze, die dem neuen Bild des Sports gerecht werden. Im AK-ÖGB-Betriebssport zum Beispiel geht man schon lange Schritt für Schritt weg von der reinen Wettkampfphilosophie hin zu Angeboten, bei denen sich die Teilnehmer rundum wohl fühlen. „Die Strategie heißt Gesundheitssport“, sagt Schmidt.
In eine ähnliche Richtung gehen die Betriebssport-Aktivitäten der Wirtschaftskammer. „Gesundheit, Fitness, und eine Verbesserung der persönlichen Leistungsbereit-schaft sind unser Anliegen“, sagt der stellvertretende WKS-Direktor Manfred Pammer. „Sport ist auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. In Österreich hängen 355.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt davon ab. Außerdem spart jeder Euro, der in Sport investiert wird, drei Euro an Gesundheitskosten.“
Pakt für den Salzburger Sport
In der Studie wird auf den „Pakt für den Sport“ in Nordrhein-Westfalen als Best-Practice Beispiel verwiesen. Schmidt und Pammer schlagen vor für Salzburg eine vergleichbare „Vereinbarung“ zu entwickeln, mit der Landesregierung, Kommunen und die Dachverbände mit ihren Vereinen auf Basis einer mittel- und langfristigen Planung diese zeitgemäße Form des Sports, den sich die meisten Salzburgerinnen und Salzburger wünschen, umsetzen können. Miteingebunden werden müssen auch Schulen und Lehrlinge.
Auch ein Blick in die Zukunft ist nötig. Der demografische Wandel wird den Sport erheblich beeinflussen. Es wird zu einer spürbaren Verschiebung der Altersstruktur kommen, weiß Dirk Steinbach. Wenn sich kommerzieller und organisierter Sport nicht auf die Veränderungen einstellen, die damit verbunden sind, werden sie an der demografisch bedingten zunehmenden Nachfrage nach Sport nicht teilhaben.
„So wird der Sport der Älteren heute für das Segment Ü50 angeboten. Den Hochbetagten über 80 Jahren, die immer zahlreicher werden und immer fitter sind, wird dagegen bislang viel zu wenig Beachtung geschenkt“, sagt Steinbach. Dafür müssen spezielle Übungsleiter ausgebildet und geschult werden, schlagen die Experten ebenso vor wie einen neuen Blick auf das Ehrenamt.
Salzburger Funktionäre beklagen, dass es immer weniger ehrenamtliche Mitarbeiter gibt. Die Bereitschaft zu freiwilliger Arbeit nehme in der Gesellschaft, vor allem bei den Jugendlichen, ab. Dieses Argument, so sagen die Experten, sei zwar beliebt, aber falsch.
„Empirische Studien belegen das Gegenteil. Erwartet werden lediglich neue Formen des freiwilligen Engagements“, weiß Reinhold Popp, Leiter des Zentrums für Zukunftsstudien der FH Salzburg Forschungsgesellschaft. Ein Weg aus dieser Sack-gasse: Es gehören veränderte Strukturen des Ehrenamts entwickelt, zum Beispiel wäre eine stärkere Projektorientierung zielführend. Ein gutes Vorbild sind die Salzburg Volunteers. Die Idee zu Salzburg Volunteers war mit der UCI-Straßen Rad WM 2006 in Salzburg entstanden. Damals brauchten die Veranstalter Tausende Helfer um eines der größten Sportevents der Welt zu organisieren. Sie hatten kein Problem damit genügend Menschen zu finden, die mitarbeiten und hautnahe am Geschehen sein wollten.
Außerdem, so die Fachleute, müssen Initiativen zur Stärkung der gesellschaftlichen Anerkennung des ehrenamtlichen und freiwilligen Engagements gesetzt werden.
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