Analyse der Krankenstand-Statistik zeigt: Ältere Beschäftigte sind besser als ihr Ruf - Vorurteile unbegründet
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Am häufigsten krank sind in Salzburg die ganz jungen Arbeitnehmer, die Krankenstandsquote der Älteren entspricht dem Durchschnitt, je kleiner der Betrieb, umso größer ist der Druck auf die Arbeitnehmer, trotz Krankenstand arbeiten zu gehen. Das sind einige Eckdaten einer aktuellen AK-Analyse der Krankenstandsstatistik der Salzburger Gebietskrankenkasse. AK-Präsident Siegfried Pichler: „Wir engagieren uns seit Jahren, um Gesundheitsförderung und Arbeitnehmerschutz in den Betrieben voranzutreiben und unterstützen diese auch dabei. Die vorliegende Analyse zeigt, wo weiter angesetzt werden muss, um die Menschen lange gesund in Arbeit halten zu können.“
- Häufiger krank: Die ganz Jungen
- Krankheiten als Spiegelbild der Altersgruppen
- Großer Druck in kleinen Betrieben
- Ranking der Ursachen des Krankenstandes
- Forderungen
Die Tatsache, dass Salzburg im Bundesländervergleich seit Jahren die geringsten Krankenstandsquoten bei den ASVG-Vesicherten aufweist, machte die AK neugierig. Präsident Siegfried Pichler: „Die Auswertung der Daten führte zu sehr interessanten Ergebnissen, die die Stärken und Schwächen der Generationen widerspiegeln und zeigt unter anderem auch, dass die Gesundheitsprävention entsprechend der Altersgruppen individuell forciert werden muss. Das Vorurteil ‚älter gleich kränker und belastender für den Betrieb’ ist jedenfalls eindeutig widerlegt!“
zum SeitenanfangHäufiger krank: Die ganz Jungen
AK-Gesundheitsexpertin Karin Beer geht ins Detail: „Die durchschnittliche Dauer eines Krankenstandes steigt bei den Salzburger Beschäftigten zwar kontinuierlich mit dem Alter, aber im Vergleich zum Anteil an den Gesamtbeschäftigten ist die jüngste Gruppe am häufigsten krank und die 40- bis 49-Jährigen am wenigsten. Interessant ist das Ergebnis bei den 50- bis 59-Jährigen: Sie werden nicht häufiger krank als die Jüngeren, sind aber länger im Krankenstand, was nicht verwunderlich ist.“
Dazu einige Zahlen und Fakten:- Die durchschnittliche Krankenstandsdauer steigt von 4,9 Tagen bei den bis zu 19-Jährigen bis zu 8,4 Tagen pro Krankenstand bei den 50- bis 59-Jährigen.
- Die bis 19-jährigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (die jüngste Gruppe) sind mit 6,36 Prozent der Beschäftigten (10,1 Prozent aller Krankenstandsfälle) am häufigsten krank.
- Dem Beschäftigtenanteil der 40- bis 49-Jährigen von 27,5 Prozent steht ein Anteil an den Krankenständen von 23,5 Prozent gegenüber, sie erkranken also eindeutig unterdurchschnittlich.
- Die Krankenstandsquote der 50- bis 59-Jährigen entspricht mit 17,9 Prozent ihrem Anteil an den Gesamtbeschäftigten. Der Anteil an den Krankenstandstagen mit 22,8 Prozent ist überdurchschnittlich (Stichwort Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates!).
Krankheiten als Spiegelbild der Altersgruppen
Überdurchschnittlich häufig erkranken junge Beschäftigte (bis 19 Jahre) vor allem an Darm- und Virusinfektionen sowie Krankheiten der oberen Luftwege und sie erleiden überdurchschnittlich viele Arbeitsunfälle (ohne Vergiftungen und Wegunfälle). Über die Gefahren am Arbeitsplatz muss also besser informiert werden!
Auch die 20- bis 29-Jährigen sind anfällig für diverse Infekte. Auffallend bei ihnen: ihre Krankenstände werden häufig von Sportunfällen verursacht: 37 Prozent aller daraus resultierenden Krankenstände betreffen diese Altersgruppe, die aber nur 26 Prozent aller Beschäftigten stellt.
Die unauffälligste Altersgruppe ist jene der 30- bis 39-Jährigen. Ähnliches gilt zwar auch für die 40- bis 49-Jährigen, jedoch erreichen sie bei den psychiatrischen und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates leicht überdurchschnittliche Werte. Ein Zeichen für den wachsenden Stress und Druck in dieser Altersgruppe!
Die 50 bis 59 Jährigen haben – entgegen den üblichen Vorbehalten – nur in einer einzigen Krankheitsgruppe einen abweichenden Wert: Bei „Krankheiten des Skeletts, Muskeln und Bindegewebe“ liegen sie mit 31,2 Prozent der Krankenstandsfälle deutlich über ihrer Quote an den Gesamtbeschäftigten (17,9 Prozent).
Großer Druck in kleinen Betrieben
Ein weiteres interessantes Ergebnis der Analyse: Die Betriebsgröße beeinflusst die Krankenstandsquote. Es zeigt sich, dass in Kleinst- und Kleinbetrieben vor allem der soziale Druck auf die Krankenstandsquote wirkt. Die Beschäftigten gehen vermehrt krank zur Arbeit, um die Kolleginnen und Kollegen nicht zusätzlich zu belasten oder nach dem Krankenstand einen Berg unerledigter Arbeit vorzufinden. AK-Präsident Siegfried Pichler: „Das Verschleppen von Krankheiten führt ja letztlich zu längeren Krankenständen. Damit ist weder dem Betrieb noch den Betroffenen geholfen. Hier muss es zu einem Umdenken kommen!“
In Betrieben ab 30 Beschäftigten wird die Bilanz „negativ“: Die Anzahl der Krankenstände ist höher als der Anteil an den Gesamtbeschäftigten. Besonders häufig fallen Krankenstände in großen Betrieben mit 500 bis 999 Beschäftigten an. Nur Unternehmen mit 200 bis 249 Beschäftigten haben eine „gesunde Bilanz“.
- Unter den häufigsten elf Krankheitsgruppen liegen mit 24,8 Prozent die Krankheiten der oberen Luftwege an der Spitze, gefolgt vom Stütz- und Bewegungsapparat („Skelett, Muskeln und Bindegewebe“) mit 14,9 Prozent. Auch hier gilt mit wenigen Ausnahmen: je größer der Betrieb, umso häufiger kommt es zu Krankenständen.
- Auffallend ist der Trend beim Krankenstand durch „sonstige Arbeitsunfälle“ (ohne Wegunfälle und Vergiftungen): Hier sind es die Beschäftigten in Betrieben mit 30 bis 49 Personen, die besonders häufig aus diesem Grund ausfallen. Ein klarer Hinweis darauf, dass die Einsatzzeiten für die Präventivdienste erhöht werden müssen! Derzeit ist erst in Betrieben ab 51 Beschäftigten eine Mindeststundenanzahl pro Jahr und Person vorgeschrieben.
- Allgemein überdurchschnittlich längere Krankenstände verursachen Krankheiten des Stütz- und Bewegungsapparates, psychiatrische Krankheiten und Unfallfolgen.
Forderung
Altersangemessene und den Erkrankungsrisiken angepasste Maßnahmen der Gesundheitsförderung im Betrieb (zum Beispiel bei Jungen auf Unfallgefahren bezogen, bei Älteren in Bezug auf Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates).
Auch für Betriebe mit weniger als 51 Beschäftigten jährliche Mindesteinsatzzeiten für Präventivdienste (Sicherheitsfachkräfte, Fachleute der Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie).
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