Trotz Verbesserungen bei Tarifen - Klein- und Schulkinder unterversorgt

Versorgungsquote bei Kindergartenplätzen bereits über 85 Prozent, dringender Handlungsbedarf bei Klein- und Schulkindern, Betriebszeiten nähern sich den Bedürfnissen der Eltern langsam an, Tarife gestalten sich je nach Bezirk und Altersgruppe unterschiedlich. So die Ergebnisse der aktuellen AK-Kinderbetreuungs-Studie. „In den letzten Jahren hat sich vieles zum Positiven verändert“, sagt AK-Präsident Pichler, „trotzdem zeigen unsere Studienergebnisse nach wie vor Handlungsbedarf.“ Die Arbeiterkammer fordert eine möglichst hohe und flächendeckende Betreuung aller Altersgruppen – sowohl, um die Erwerbstätigkeit der Eltern zu gewährleisten, aber auch um durch Bildung schon im Kindesalter die Berufsaussichten der nächsten Generationen zu verbessern.

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Versorgung nach Altersgruppen höchst unterschiedlich

Salzburg erreicht bei den Kindergärten eine Versorgungsquote von 85,4 Prozent und liegt damit nur knapp hinter dem Österreich-Schnitt (86,5). Bei den Klein- und Schulkindern hinkt unser Bundesland allerdings nach: „Die Salzburger Betreuungsquote beträgt bei Kleinkindern bis 2 Jahre lediglich 11,3 Prozent (im Österreichschnitt:14 Prozent), jene der Schulkinder 10,2 Prozent (Österreichweit 14,5) - der Nachholbedarf ist damit belegt“, beschreibt Pluntz den status quo in Salzburg.

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Starkes Nord-Süd-Gefälle beim Angebot

„Je südlicher der Bezirk, desto geringer die Anzahl an Krabbelstuben und Schulkindgruppen“, bringt die AK-Expertin die Schieflage zwischen Zentralraum und Innergebirg auf den Punkt. So fanden sich unter den erhobenen Gemeinden im Pongau ganze vier, im Pinzgau nur mehr drei und im Lungau keine Krabbelstube (für Kleinkinder von 1 bis 3 Jahren). Im Gegensatz dazu waren im Flachgau zehn und Tennengau elf Krabbelstuben zu notieren.

Insgesamt machen Krabbelstuben landesweit etwa 17 Prozent des Kinderbeutreuungs-Angebots aus.

„Hinsichtlich der Betreuung von Schulkindern wird dieser Nord-Süd-Gegensatz noch augenscheinlicher“, sagt die Studienautorin. Mit lediglich 15 Prozent Anteil bilden die Schulkindgruppen das Schlusslicht in der Betreuungsstatistik. Pinzgau und Pongau mit vier, beziehungsweise zwei Einrichtungen, der Lungau mit überhaupt keinem Angebot haben auch in dieser Altersgruppe gegenüber Flach- und Tennengau (jeweils mit neun Einrichtungen) das Nachsehen.

Ein Fünftel des Betreuungsangebotes stellen die hinsichtlich der Altersdurchmischung sehr flexiblen „alterserweiterten Gruppen“, die oft ein Auffangbecken sind, wenn es keine altersspezifischen Einrichtungen wie Krabbelstuben oder Schulkindgruppen gibt.

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Betriebszeiten nähern sich Bedürfnissen der Eltern an

Mittlerweile versucht die Mehrzahl der Einrichtungen, sich mit ihren Betriebszeiten der Arbeitswelt der Eltern anzunähern. Hinsichtlich der Morgenöffnung sind die Salzburger Betreuungseinrichtungen ohnehin schon richtig wach: Acht von zehn Betreuungseinrichtungen öffnen zwischen 6.30 und 7.00 Uhr ihre Pforten.

Schon mehr als die Hälfte (51 Prozent) der von der AK untersuchten Einrichtungen bringen mit Schließzeiten zwischen 17.00 und 19.00 Uhr elterliche Erwerbszeiten und Betreuungszeiten miteinander in Einklang. Als vorbildlich erweisen sich Schulkindgruppen und alterserweiterte Gruppen, zunehmend nehmen auch Gemeinden als Rechtsträger – wie etwa Bischofshofen mit einer Krabbelstube und einer alterserweiterten Gruppe – mit Öffnungszeiten bis 19.00 eine Beispiel gebende Vorreiterrolle ein.

Längere Öffnungszeiten bedienen insbesondere all jene Eltern, die in Branchen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten wie etwa im Gastgewerbe und Tourismus beschäftigt sind und aus ländlichen Regionen zur Arbeit auspendeln müssen. Fast jede fünfte (17 Prozent) Einrichtung bietet Schließzeiten zwischen 16.00 oder 16.30 Uhr an. „Solche Öffnungszeiten sind zwar ein erster Schritt in Richtung Berufsfreundlichkeit, aber selten ausreichend, um mit den regulären Arbeitszeiten der Berufswelt zu harmonieren“, gibt Liane Pluntz zu Bedenken.

Nicht nur Kinder, auch Betreuungseinrichtungen haben Ferien

Trotz oben genannter positiver Entwicklung ist noch einiges zu tun: Immerhin fast jede dritte (32 Prozent) Einrichtung bietet gar keine Nachmittagsbetreuung an. Davon wiederum ein knappes Drittel stellt rund um die Mittagszeit – spätestes Ende 15.00 Uhr - den Betrieb ein und lässt betroffenen Eltern damit bloß die Wahl einer kleinen Teilzeitbeschäftigung.

In den Ferien wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in vielen Fällen richtig schwer: 83 Prozent haben in den Weihnachts-, Oster-, Semester- und Sommerferien lediglich eingeschränkt offen, was bedeutet, dass im Sommer zwischen 2 und 8 Wochen zugesperrt und zu anderen Ferienzeiten oft ganz geschlossen wird.

Lediglich schmale 9 Prozent der Einrichtungen ermöglichen auch zu Ferienzeiten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und halten (mit Ausnahme von gesetzlichen Feiertagen) das ganze Jahr über geöffnet.

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Kindergarten-Tarife stark gesunken

2009 hat die Landespolitik beschlossen, die Familien bei den Betreuungstarifen stärker zu entlasten und hat einkommensunabhängige Landeszuschüsse zu den Kostenbeiträgen der Eltern eingeführt. Diese mit September 2009 geltenden Zuschüsse stehen betreuten Kindern bis zu deren vollendetem 5. Lebensjahr zu und betragen monatlich bei Ganztagesbetreuung (ab 31 Wochenstunden) pro Kind 50 Euro.

„In unmittelbarer Auswirkung dieser Zuschüsse haben sich laut unserer Studie die Durchschnittspreise für diese Gruppe von Kindern drastisch reduziert“, zeigt sich der AK-Präsident erfreut, „ mit dieser Regelung ist sehr vielen Eltern geholfen.“

Die Elterntarife senkten sich in manchen Einrichtungen um mehr als die Hälfte. Insbesondere in den Kindergärten sind die durchschnittlichen Elternkosten für Ganztagesbetreuung um fast die Hälfte (45 Prozent) zurückgegangen. Nimmt man alle Einrichtungen zusammen und stellt einen Preisvergleich mit dem Jahr 2008 an, zeigt sich, dass sich die durchschnittlichen Betreuungstarife im Bundesland Salzburg für Halbtages- (bis 20 Wochenstunden), Dreiviertelbetreuung (bis 30 Wochenstunden) und Ganztagesbetreuung (ab 31 Wochenstunden) insgesamt um mehr als ein Drittel gesenkt haben.

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Wenig Entlastung für Eltern von Klein- und Schulkindern

Auf höherem Niveau blieben – auch bei in Abzug gebrachten Landeszuschüssen - die Tarife in Krabbelstuben und alterserweiterten Gruppen. Die Mindesttarife für Kleinkinder sind schon gesetzlich höher und häufig gehen die Rechtsträger mit ihrem Grundtarif bis an die Tarifobergrenze von Euro 440. Je höher die Grundpreise, desto weniger Entlastung bringen die Landeszuschüsse.

Schulkinder sind von den Betreuungszuschüssen des Landes ausgenommen und genießen auch keinerlei Gratisbetreuungsangebot. Eine Senkung der Betreuungstarife für diese Kinder ist derzeit aber nur auf dem Wege sozialer Beitragsstaffelung, etwa durch Geschwisterermäßigungen möglich. „Das sind Maßnahmen, die derzeit gesetzlich auf der Freiwilligkeit der Rechtsträger beruhen“, kritisiert Pichler.

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Bezirkssieger - Top 5-Gemeinden und Nachzügler

Bezirkssieger heißt Tennengau

Der Tennengau liegt 2009 mit der Versorgungsdichte von 22,8 Prozent an der Spitze der Bezirke, knapp gefolgt vom Flachgau, der auf 22,5 Prozent kommt. Auf Platz drei folgt der Lungau - der Bezirk Tamsweg erreicht 19,6 Prozent Betreuungsquote. Der Bezirk St. Johann erreichte im letzten Jahr mit einer Versorgungsquote von 18,5 Prozent den vierten. Die rote Laterne in dieser Wertung ist dem Pinzgau zu überreichen: Der Bezirk Zell am See mit einer Versorgungsquote von 17,4 Prozent hat 2009 die allgemein niedrigste Betreuungsquote zu vermelden.

Die Top 5-Gemeinden

  • Platz 1: Oberalm (Tennengau) konnte sich im Herbst 2009 mit einer Versorgungsquote von 34,1 Prozent den Platz an der Sonne sichern. Alle Kinder im Kindergartenalter sind betreut, zusätzlich gibt es zwei Krabbelstuben sowie eine alterserweiterte Gruppe und eine Schulkindgruppe
  • Platz 2: Der zweite Platz mit 27,2 Prozent Betreuungsquote geht 2009 an die Flachgauer Gemeinde Grödig. Sie trägt alle Kinderbetreuungseinrichtungen selbst, alle Kinder im Kindergartenalter werden betreut, das Gesamtspektrum an institutionellen Betreuungsformen wird angeboten
  • Platz 3: Bronze geht in dieser Kategorie an St. Michael im Lungau. Hier wurde im letzten Jahr eine Betreuungsquote von 26,6 Prozent erreicht. Schönheitsfehler: Der Ort verfügt weder über Krabbelstube noch Schulkindgruppe; ein Teil der Klein- und Schulkinder ist aber zumindest durch die alterserweiterten Gruppen versorgt
  • Platz 4: Bad Gastein (Pongau) verpasste mit der Versorgungsquote von 26,3 Prozent den dritten Platz im Ranking nur knapp. Allerdings werden hier keine Krabbelstuben angeboten
  • Platz 5: Den fünften Platz nimmt Mittersill (Pinzgau) mit einer Versorgungsquote von 23,8 Prozent ein. Auch hier fehlt ein Krabbelstubenangebot
Nachzügler

  • Piesendorf (Pinzgau) weist mit 13,2 Prozent die geringste Versorgungsquote aller untersuchten Gemeinden auf und holt sich somit den 41. und letzten Platz im Gemeinde-Vergleich. Piesendorf bietet lediglich einen Kindergarten an. Alle anderen Altersgruppen bleiben hier unversorgt
  • Rauris (Pinzgau) bietet mit 13,5 Prozent Versorgungsdichte und allein dem Angebot eines Kindergartens ein gleiches Bild. Kleinkinder und Schulkinder bleiben hier institutionell unversorgt
  • Großarl (Pongau) weist einen Versorgungsgrad von 13,8 Prozent auf. Die Gemeinde betreibt einen Kindergarten und eine Krabbelgruppe. Schulkinder haben keine institutionelle Betreuung
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„Die vom Land in Aussicht gestellte Kostenfreiheit der Betreuung - Stichwort Gratiskindergarten - bis zum Jahr 2014 darf nicht in Vergessenheit geraten“, appelliert der AK-Präsident an die Politik.

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Bereits zum sechsten Mal nahm die Salzburger Arbeiterkammer die Kinderbetreuung in unserem Bundesland unter die Lupe. Warum? Damit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Beruf und Familie unter einen Hut bringen können, bedarf es einer flächendeckenden und professionellen Infrastruktur im Bereich der institutionellen Kinderbetreuung.

Neben der Selbsterhaltungsfähigkeit von Müttern und Vätern sowie der Bedeutung frühkindlicher Erziehung, spielt auch die beschäftigungspolitische Dimension eine große Rolle. „Da auch heute noch Kindererziehung vielfach Frauensache ist, ist eine gut ausgebaute und vor allem leistbare Kinderbetreuungs-Infrastruktur unbedingt notwendig, um die Frauenerwerbstätigkeit zu steigern“, erklärt AK-Präsident Siegfried Pichler. Geschieht das nicht, ist eine Ausweitung des Dienstleistungssektors unrealistisch – und ohne Ausbau des tertiären Beschäftigungssektors ist eine nachhaltige Reduktion der Arbeitslosigkeit kaum vorstellbar. „Vor allem im Hinblick auf die jüngste Finanzkrise wären damit wichtige Beschäftigungseffekte zu erzielen“, so Pichler weiter.
Aus all diesen Gründen legt die Salzburger AK sehr großen Wert auf das Thema Kinderbetreuung und erhob bereits zum sechsten Mal die Situation in diesem Bereich.

„Um noch genauere Ergebnisse zu erhalten, haben wir die Stichprobe noch einmal erhöht und auf 41 Gemeinden ausgedehnt“, berichtet AK-Expertin und Studienautorin Liane Pluntz. Im September und Oktober 2009 hat die AK Salzburg insgesamt 168 Betreuungseinrichtungen – so viel wie nie zuvor - in allen Bezirken (Ausnahme Bezirk Salzburg Stadt) hinsichtlich ihres Angebotspektrums analysiert. 52 Prozent der untersuchten Einrichtungen sind Tagesbetreuungs-Stätten (also Krabbelstuben, alterserweiterte Gruppen sowie Schulkindgruppen), die verbleibenden 48 Prozent Kindergärten.

Das Ergebnis stellt sich für den AK-Präsidenten zwiespältig dar: „In den letzten Jahren hat sich vieles zum Positiven verändert, trotzdem zeigen unsere Studienergebnisse nach wie vor Handlungsbedarf.“ Die Hauptergebnisse zeigen, dass trotz Verbesserungen - insbesondere bei den Tarifen für die Unter-Sechsjährigen - Salzburg noch immer bei der Versorgung der Klein- und Schulkinder und dem Angebot an berufsangepassten Öffnungszeiten Aufholbedarf hat. Positiv ist die bundeslandweite Versorgungsquote von über 85 Prozent bei den Kindergärten. Nicht überraschend, weil traurige Tradition, sind die Betreuungsdefizite in den Innergebirgs-Gauen.

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