Inflation frisst Einkommenszuwachs und bringt Reallohnverlust

Die Salzburger Median-Einkommen sind im Vorjahr um 1,9 Prozent gestiegen und liegen exakt im Österreich-Schnitt. Das ist keine berauschende, aber auch nicht allzu schlechte Nachricht. „Schlecht für die Salzburger Beschäftigten ist aber, dass die Inflation von 3,2 Prozent diesen Zuwachs auffrisst“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. „Das bedeutet inflationsbereinigt einen Kaufkraftverlust von 1,3 Prozent!“

2008 war die Inflation so hoch wie schon lange nicht mehr, und der Abstand zwischen der Inflationsrate und den Einkommenszuwächsen ist der höchste seit 1990. „Was die Inflation im Vorjahr so hoch getrieben hat, waren vor allem die hohen Energiepreise. Immerhin war Salzburg das zweitteuerste Bundesland bei Super und Diesel, dazu kommt noch der hohe Wohnungsaufwand“, erläutert AK-Präsident Siegfried Pichler. „Weiters schlagen die ersten Auswirkungen der Krise zu Buche. Und apropos Krise – gerade jetzt, wo private Nachfrage für die Konjunktur nötig ist, ist es schlecht, wenn die Kaufkraft der Beschäftigten sinkt.“ Im Vergleich zu 2003 beträgt der Kaufkraftverlust sogar 2,2 Prozent.

Die hohe Inflation 2008 war für alle sehr überraschend. „Selbst die Wirtschaftsforscher gingen Ende September 2007 von einer Inflation von 2,0 Prozent für 2008 aus“, sagt Pichler. „Auf dieser Basis wurden auch die Kollektivverträge verhandelt und erreichten eine Steigerung von annähernd 3 Prozent im Schnitt.“ Die Abschlüsse von 2008 auf 2009 betrugen dann im Schnitt 3,5 Prozent.

Das Salzburger Medianeinkommen (Jahresbrutto inklusive Sonderzahlungen geteilt durch 14) 2008 beträgt 1.775 Euro; Salzburg liegt unter den Bundesländern damit an sechster Stelle. Das höchste Medianeinkommen haben die Vorarlberger (1.935 Euro), gefolgt von Wien (1.906 Euro), Oberösterreich (1.883 Euro), Steiermark (1808 Euro) und Niederösterreich (1.794 Euro).

Hinter Salzburg liegen Kärnten (1.762 Euro), Tirol (1.760 Euro) und das Schlusslicht Burgenland (1.593 Euro).
Der Salzburger Median von 1.775 Euro brutto entspricht einem Monats-Netto von 1.293 Euro auf dem Gehaltszettel.

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Unter dem Österreich-Schnitt

Im Vorjahr lagen die Einkommen 3,9 Prozent im Monat unter dem Österreichschnitt (1.846 brutto bzw. 1.330 Euro netto), das ist der schlechteste Wert seit 2002. „Die Salzburger Einkommen sind sukzessive Jahr für Jahr zurückgefallen“, sagt AK-Einkommensexperte Florian Preisig. „2002 hatten die Salzburger einen Einkommensnachteil von 2,1 Prozent, dieser Wert hat sich stetig gesteigert.“

Die Ursache dafür ist, dass sich die typische Salzburger Beschäftigtenstruktur weiter akzentuiert: mehr Jobs in der tendenziell schlechter bezahlten Dienstleistung, weniger in der Sachgüterproduktion. „Der Anteil der Beschäftigten im Tourismus ist in Salzburg mit 16,4 Prozent fast doppelt so hoch wie in Österreich, der Handel hat mit mehr als 20 Prozent den zweithöchsten Anteil – das macht sich in der Statistik bemerkbar“, erläutert Pichler. „Die eher gut bezahlten Jobs im produzierenden Sektor sind mit 17 Prozent der niedrigste Wert in Österreich.“

Außerdem ist die Betriebsstruktur in Salzburg von Kleinbetrieben geprägt: Rund zwei Drittel der Betriebe haben nur bis zu vier Mitarbeitern und somit keinen Betriebsrat, mehr als 82 Prozent haben unter zehn Mitarbeitern und sind auch in geringem Ausmaß gewerkschaftlich organisiert. „Je höher der Organisationsgrad in einer Branche, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit guter Kollektivverträge und guter betrieblicher Vereinbarungen“, weiß Pichler. Eine Erhebung der AK Salzburg hat ergeben, dass die Einkommen in Betrieben mit Betriebsrat im Schnitt um 300 Euro netto mehr verdienen.

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Bezirke: Flachgau erstmals vor Tenenngau

Traditionellerweise lag der Tennengau immer an der Spitze des Bezirks-Rankings in Salzburg, nun wurde er – wenn auch nur knapp – vom Flachgau überholt. „Hier schlägt sich bereits der Verlust von Industriearbeitsplätzen im Tennengau nieder“, so Pichler.

Das Medianeinkommen im Flachgau (wieder ohne Sonderzahlungen, also Jahresbrutto geteilt durch 14) beträgt 1.878 Euro und liegt damit um 5,8 Prozent über dem Landesschnitt, im Tennengau 1.863 Euro und 4,9 Prozent über dem Landesschnitt; die Stadt Salzburg liegt mit einem Medianeinkommen von 1.824 Euro noch 2,8 Prozent über dem Landesschnitt.

Dann zeigt sich wieder die traditionelle „Wasserscheide Pass Lueg“: Die südlichen Bezirke liegen wieder deutlich unter dem Landesschnitt, und zwar der Pinzgau mit einem Medianeinkommen von 1.619 Euro um 8,8 Prozent, der Pongau mit 1.603 Euro um 9,7 Prozent, und der Lungau mit 1.563 Euro um 12 Prozent.

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Reallohnverlust in den Bezirken

In den Bezirken trifft der kaufkraftbereinigte Einkommensverlust mit minus 2,7 Prozent die Tennengauer Beschäftigten am stärksten. Die Lungauer büßen 2.0 Prozent ein, die Beschäftigten in der Stadt Salzburg 1,6 Prozent, im Pinzgau 1,5 Prozent, im Flachgau 1,1 Prozent und im Pongau 0,4 Prozent.

Im längerfristigen Vergleich von 2003 auf 2008 sieht die Situation aber anders aus. Da ist die Kaufkraft im Lungau mit minus 5,9 Prozent am stärksten gesunken, gefolgt vom Pinzgau mit minus 3,3 Prozent, dem Tennengau und dem Pinzgau mit minus 2,7 Prozent, in der Stadt Salzburg beträgt der Rückgang minus 1,5 Prozent und im Flachgau minus 0,7 Prozent.

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Frauen: minus 33,7 Prozent

Das Medianeinkommen der Männer betrug 2.126 Euro, jenes der Frauen 1.409 Euro – das macht eine Differenz von 33,7 Prozent. „Rein statistisch hat sich die Schere sogar noch ein bisschen weiter geöffnet“, so Preisig, „wenn auch nur um 0,2 Prozent.“ Und er hat noch weitere Zahlen parat: „Seit 1990 sind die Einkommen der Männer um 65,3 Prozent gewachsen, die der Frauen nur um 58,6 Prozent.“

Die Gründe sind ebenso bekannt wie vielfältig: Familienpflichten der Frauen, überwiegend Jobs in der Dienstleistung, Teilzeitarbeit, unvorteilhafte Wahl des Erstberufs – um nur einige zu nennen.

Innerhalb Österreichs liegt Salzburg mit der Geschlechter-Differenz an sechster Stelle; am größten ist sie in Oberösterreich mit 39,2 Prozent – das Bundesland mit vielen „klassischen“ männlichen Industriearbeitern – und am geringsten in Wien mit 23,1 Prozent, wo es relativ viele eher gut bezahlte weibliche Angestellte gibt.

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Wohnpreise laufen Einkommen davon

Mit dem Einkommen auszukommen, ist für viele nicht einfach. Ein wesentlicher Faktor im Haushaltsbudget sind die Ausgaben für das Wohnen. „In den vergangenen fünf Jahren sind in Salzburg aber die Wohnpreise den Einkommen davongezogen“, stellt Pichler fest. „Und die Wohnkosten gehören neben den Energiekosten auch zu den wesentlichen Faktoren, die die Inflation in die Höhe treiben.“
Während die Einkommen von 2003 bis 2008 um 9,5 Prozent gestiegen sind, ist das Wohnen im Land Salzburg um 14,8 Prozent und in der Stadt Salzburg um 16,7 Prozent gestiegen.

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Ausblick

Die guten Lohnverhandlungen 2007 haben bei einsetzender Wirtschaftschwäche 2008 erstmals seit acht Jahren zu einem Anstieg der Lohnquote geführt, also dem Anteil der Löhne und Gehälter am Nettoinlandsprodukt. „Das vorherige Sinken der Lohnquote wird dadurch aber nicht kompensiert“, so Pichler. „Wäre die Lohnquote so hoch wie im Jahr 2000, hätten die Beschäftigten österreichweit im Jahr 2008 rund 8,3 Milliarden mehr auf ihren Lohnkonten gehabt“, rechnet Preisig vor.

2009 wird die Lohnquote durch die positiven Lohnabschlüsse noch mal steigen, für 2010 wird bereits wieder ein Sinken prognostiziert.

„Wir werden uns nächstes Jahr auch genau anschauen, wie die Steuerreform – die uns nicht umfassend und weitreichend genug ist – wirkt“, kündigt Pichler an. „Von Steuergerechtigkeit können wir leider immer noch nicht reden.“

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