Nanotechnologie: Innovation zulassen, aber kontrolliert und domestiziert
-
|
Mehr
Die Nanotechnologie hat sich still und leise in unserem Leben breit gemacht, ohne dass in der breiten Öffentlichkeit viel darüber diskutiert wurde. Dass es aber großen Aufklärungs- und Diskussionbedarf gibt, zeigte am 16.9. eine Veranstaltung der AK-Konsumentenberatung mit Experten im voll besetzten Saal des Josef Brunauer Tagungshotels.
Weltweit sind je nach Schätzungen zwischen 150 und 600 Lebensmittel und zwischen 400 und 500 Lebensmittelverpackungen mit Nanotechnologie im Einsatz. Das wirft natürlich die Frage nach rechtlichen Rahmenbedingungen auf. Thomas Jakl vom Lebensministerium beruhigt: Für Verschwörungstheorien gebe es keinen Grund, wenn ein Produkt die gesamte Zulassungsmaschinerie durchlaufen hat, könne es nach dem heutigen Erkenntnisstand als ausreichend gesichert angesehen werden. Arzneien haben ihre eigenen Zulassungsverfahren, ebenso Kosmetika.
Susanne Stark vom Verein für Konsumenteninformation kann für die Umwelt durchaus positive Einsatzbereiche erkennen, wie bei der Wasseraufbereitung, der Bodensanierung und der Abfallbehandlung. Zu wenig erforscht seien beispielsweise Auswirkungen auf den Ressourcenverbrauch oder das Entstehen von multiresistenten Keimformen.
Stefan Göweil, AK-Konsumentenexperte, hinterfragt die Kennzeichnung als Allheilmittel zur Konsumenteninformation. „Schon jetzt hat der Konsument Mühe, die Informationen auf den Verpackungen zu lesen. Wenn die Kennzeichnung noch weiter ausgedehnt wird, hat das einen gegenteiligen Effekt – in der Überfülle wird gar nichts mehr wahrgenommen!“ Göweil sieht die Unternehmen gefordert, mit transparenter Kommunikation das Vertrauen zum Verbraucher zu stärken.
„Das können etwa Info-Terminals in Geschäften sein, an denen sich der Käufer mit dem Strichcode alle relevanten Produktinformationen besorgen kann. Bedenklich findete Göweil, dass laut einer AK-Internet-Umfrage nur 24 Prozent von der Politik, 28 Prozent von Unternehmen und nur 40 Prozent von Behörden Information und Aufklärung erwarten. „Mit 79 Prozent haben wir als Konsumentenschützer aber einen klaren Auftrag und einen Vertrauensbeweis bekommen“, so Göweil.
Einen Persilschein bekommt die Nanotechnologie aber nicht. Vor allem die Auswirkungen auf den menschlichen Körper über die Lunge und den Magen-Darm-Trakt ist zu wenig erforscht. Generell ist die Begleitforschung noch zu wenig ausgeprägt. Göweil fordert deshalb, dass 15 Prozent der öffentlichen Forschungsgelder für Risikoforschung aufgewendet werden.
-
|
Mehr

