So unzufrieden sind die Mitarbeiter von Post, Postbus und Telekom

Unzufriedenheit mit Arbeitsklima, Arbeitszeiten und Einkommen, Stress gepaart mit Pessimismus und Zukunftsängsten: Die Befragung der Mitarbeiter von Post, Telekom und ÖBB-Postbus in Salzburg zum Arbeitsklimaindex 2006 von AK und ÖGB übertraf sogar noch das bisher schlechteste Ergebnis bei den Gesundheitsberufen. Die Umstrukturierungen in dem Bereich haben sich massiv auf die Arbeitszufriedenheit ausgewirkt. Sie liegt bei einem Index von 83 und damit 30 Punkte unter dem Schnitt aller Salzburger Arbeitnehmer. Fazit von AK und Gewerkschaft: „So kann es nicht weitergehen! Das verantwortliche Management muss schnell die richtigen Schlüsse aus dieser Befragung ziehen!“ Die Personalvertreter kündigen eine härtere Gangart an.

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Zufriedenheit liegt 30 Punkte unter dem Salzburger-Schnitt

Und diese Ergebnisse sind besorgniserregend: Der Arbeitsklima-Index der untersuchten Betriebe liegt mit 83 deutlich unter dem Durchschnittsindex aller Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (113 Punkte). „Es ist das schlechteste Ergebnis einer Berufssparte unter allen Arbeitsklima-Indices, die wir bisher in Salzburg erhoben haben“, sagt Pichler. Am niedrigsten ist die Zufriedenheit bei der Telekom Austria.

Telekom-Personalvertreter Dietmar Fritz: „Die Telekom Austria will bis 2007 Österreichs beliebtester Arbeitgeber werden. Die Befragung zeigt, wie weit man derzeit davon entfernt ist. Die Manager gilt es jetzt beim Wort zu nehmen.“

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Die Gründe für das schlechte Ergebnis

Die Beschäftigten haben zum einen konkrete Probleme mit der Arbeitsqualität. So etwa leiden 54 Prozent der Befragten unter Zeitdruck, der häufig in Zusammenhang mit schwer erreichbaren Zielvorgaben, Kontrolle und Überwachung steht.

Die Belastungen geben zusammen mit der jeweils spezifischen Unternehmensgeschichte und den daraus resultierenden Erfahrungen und Sorgen der Beschäftigten den Ausschlag für den niedrigen Gesamt-Index. „Die Folgen der Umstrukturierungen wirken sich massiv auf die Befindlichkeit der Beschäftigten aus. Sie haben diese Veränderungen noch nicht verkraftet und blicken mit großem Pessimismus in die Zukunft“, sagt Pichler.
Für 58 Prozent aller Befragten hat sich die Arbeitssituation durch die Privatisierungen und Umstrukturierungen verschlechtert.

Konkrete Folgen: Fast drei Viertel sind höheren Arbeitsbelastungen ausgesetzt, zwei Drittel fühlen sich stärker kontrolliert. Der Konkurrenzdruck steigt ebenso wie Demotivation und Resignation, die Mitbestimmungsmöglichkeiten sinken.

Eher von Vorteil waren die Veränderungen nur für eine kleine Gruppe sehr gut ausgebildeter, Personen, die im Vertrieb beziehungsweise im Verkauf tätig sind. 14 Prozent geben an, die Arbeitssituation habe sich in Form interessanterer oder besser bezahlter Arbeit verbessert.

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Große Mehrheit ist 40+ - Berater kümmerte das nicht

„Für die Umstrukturierungen wurden teure Managementberater angeheuert. Deren Maßnahmen haben aber, wie die Befragung zeigt, Mehrbelastungen, Ängste und Sorgen gebracht“, kritisieren die Personalvertreter Dietmar Fritz (Telekom), Johann Pöschl (ÖBB-Postbus) und Franz Wallmann (Post). Geschlechter- und Generationenbalance, sowie Maßnahmen zur besseren Bewältigung von Arbeit und für alternsgerechte Arbeitsbedingungen gehörten offensichtlich nicht zu den Ratschlägen der Berater.

Zum traditionell starken Überhang männlicher Beschäftigter in dem Bereich (Verhältnis Männer zu Frauen steht 3:1) entstand so zusätzlich ein problematisches Ungleichgewicht zwischen den Generationen. Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten sind 40 Jahre oder älter. In den vergangenen Jahren wurden in den drei Unternehmen mehr als 1.000 Beschäftigte, die älter als 45 Jahre waren, abgebaut. Gleichzeitig kamen kaum Junge nach. 51 Prozent der Befragten befürchten, bis zu ihrer Pensionierung keine ihrem Alter entsprechende Verwendung zu haben. Bei der Telekom sind es gar 63%.

Die Arbeitsbelastungen der Beschäftigten teilen sich heute auf weniger und ältere Beschäftigte auf: Statt Vorschläge etwa für Programme zur besseren Bewältigung der Arbeit zu machen, haben die Berater dafür gesorgt, dass in den Unternehmen strenge Zielvorgaben für die Beschäftigten Einzug gehalten haben. Folge: Der Stress unter den Mitarbeitern steigt.

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Die Ergebnisse im Detail

Stress, Druck und Belastungen am Arbeitsplatz

Anstieg von Druck, Überwachung und Kontrolle nach der Umstrukturierung, Schwierigkeiten beim Erreichen von Zielvorgaben, Zeitdruck, Probleme im Kundenverkehr, aufreibende Arbeitsbedingungen besonders im Logistik Zentrum und im Bereich der Zusteller: Beim Stress wirken viele Faktoren zusammen.

  • 54 Prozent aller Beschäftigten leiden unter Zeitdruck, 39 Prozent der Befragten stark unter seelisch belastender oder aufreibender Arbeit.
  • Stress durch Zielvorgaben: 61 Prozent arbeiten mit konkreten Zielvorgaben oder anderen quantitativen Arbeitsvorgaben mittels „Systemisierung“, bei der bestimmte Tätigkeiten in Arbeitszeiten umgerechnet werden. 30 Prozent sind dadurch stark belastet. Besonders die Beschäftigten im Call Center und die Beschäftigten in den Filialen und Shops halten die Ziele für nicht erreichbar. Das führt zu psychischem Stress, Zeitdruck, schlechtem Arbeitsklima, sinkender Motivation und Identifikation mit dem Job.
  • Für jeweils rund ein Viertel der Beschäftigten werden oft auch zusätzlich schlechte Gesundheitsbedingungen und/oder Hebetätigkeiten sowie erhöhtes Unfalls- oder Verletzungsrisiko zum Problem.
Tiefer Pessimismus, niedrige Erwartungen, Resignation

  • Rund 50 Prozent der Befragten sind eher oder sehr pessimistisch, wenn sie an die wirtschaftliche Zukunft Österreichs oder jene des eigenen Betriebs denken.
  • Rund 40 Prozent halten ihren eigenen Arbeitsplatz für eher oder sehr unsicher. Das ist mehr als doppelt so hoch als im Salzburger Durchschnitt! Gleichzeitig sehen die Beschäftigten für sich kaum Arbeitschancen außerhalb des Unternehmens.
  • Rund ein Drittel der Beschäftigten hat innerlich gekündigt! Ausschlaggebend dafür: Kaum Aufstiegsmöglichkeiten, keine Chancen am Arbeitsmarkt und die großen Sorge, im Unternehmen nicht mehr alt zu werden.
Personaleinsparungen: Überstunden werden zur Belastung

  • Grundsätzlich sind zwei Drittel der Befragten mit der Arbeitszeit zufrieden.
  • Probleme bereitet die dünne Personaldecke: Insgesamt leisten 25 Prozent aller Beschäftigten häufig Über- oder Mehrstunden. Besonders häufig Überstunden machen Buslenker (50 %) sowie Mitarbeiter im Zustell- und Verteildienst (35 %). Diese Mehrbelastung wird oft nicht gewünscht: 80 Prozent der Buslenker wünschen sich beispielsweise eine Begrenzung ihrer Arbeitszeit auf 40 Stunden.
Einkommen: Gefühl der Ungerechtigkeit

  • Durch die Umstrukturierungen ist bei den Beschäftigten auch das Gefühl entstanden, dass es bei den Einkommen Ungerechtigkeiten gibt, weil neue Aufgaben und Arbeitsbereiche nach den alten Einstufungen entlohnt werden. Beamte fühlen sich diskriminiert: Sie verdienen auf demselben Arbeitsplatz um bis zu 30 Prozent weniger als Angestellte.
  • Ein Drittel der Postbeschäftigen und ein Viertel der Telekombeschäftigten ist von der Ausbildung her gesehen für die Tätigkeit überqualifiziert, etwa ebenso viele werden aber für Tätigkeiten über ihrem Lohnniveau eingesetzt.
  • Altersversorgung: Nicht einmal ein Prozent der Beschäftigten glaubt, von der Pension einmal sehr gut leben zu können.

Rechte, Mitbestimmung, Führung

In diesen drei Bereichen liegt die Unzufriedenheit der Beschäftigten um 52 Prozent höher als im Salzburger Durchschnitt. Am unzufriedensten sind die Beschäftigten der Telekom. Die Unzufriedenheit hat zwei Hauptursachen: Zum einen können sich durch die Zentralisierung – nach den Umstrukturierungen fallen Entscheidungen nicht mehr auf regionaler Ebene - Arbeitnehmer kaum mehr einbringen. Zum anderen dominiert offensichtlich auch aufgrund der Angst um den eigenen Arbeitsplatz das Gefühl, besser nichts zu sagen.

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Das fordert die Personalvertretung

„So kann es nicht weitergehen!“, sind sich die Personalvertreter Franz Wallmann (Post), Dietmar Fritz (Telekom) und Johann Pöschl (ÖBB-Postbus) einig. „Alle Verantwortlichen müssen die Probleme und Wünsche unserer Kolleginnen und Kollegen jetzt ernst nehmen und daran arbeiten, dass es bei Post, Postbus und Telekom in Bezug auf das Arbeitsklima und die Arbeitsbedingungen wieder aufwärts geht.“

„Wir nehmen die Probleme und Anliegen der Belegschaft sehr ernst. Die Personalvertretung wird nicht umhin kommen, eine härtere Gangart einzuschlagen“, kündigen Fritz, Pöschl und Wallmann an. Die Personalvertreter nennen mehr Fairness und Mitbestimmung im Betrieb, einen besseren Schutz vor Versetzungen, mehr Menschlichkeit und Verantwortung der Führungskräfte sowie einen höheren Anteil der Mitarbeiter am Kuchen der zum Teil beträchtlichen Unternehmensgewinne als ihre Hauptforderungen. „Die Stimmung in der Belegschaft muss endlich wieder besser werden!“

„Dazu brauchen wir die Unterstützung und Solidarität der Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Unterstützung von Gewerkschaft und AK sowie die Hilfe der Landespolitik. Sie muss Druck auf die Eigentümer ausüben, um hoch qualifizierte Arbeitsplätze und die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Salzburg zu gewährleisten.“

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Umfrage-Daten

Der Index ist eine Maßzahl für die Arbeitszufriedenheit der Arbeitnehmer. Er erfasst die Auswirkungen ökonomischer Veränderungen auf das subjektive Erleben der Arbeitnehmer. Seit 1997 erhebt IFES diesen Index für die AK Oberösterreich. Salzburg hat sich seit 2004 angeschlossen. So kann die AK Salzburg als Interessensvertretung auf negative Entwicklungen schneller und effizienter reagieren.

Wurde 2005 noch die Gesamtsituation der Salzburger Arbeitnehmer erhoben, so sind heuer spezielle Berufsgruppen an der Reihe. Die Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich wurden bereits befragt. Jetzt wollte die AK Salzburg gemeinsam mit der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF) die Situation der Mitarbeiter von Telekom, Post und ÖBB-Postbus genau unter die Lupe nehmen. „Die Schwierigkeiten in dem Bereich sind bekannt. Aber nur wer die Situation der Mitarbeiter, deren Probleme, Sorgen und Ängste genau kennt und mit Zahlen und Fakten belegen kann, kann auch die richtigen Schlüsse ziehen und die richtigen Lösungen ausarbeiten“, so Pichler zu den Motiven hinter der Befragung. „Wir hoffen, dass die Verantwortlichen jetzt Aufwachen und in diesem Sinne handeln. Zum Wohle ihrer Mitarbeiter und letztendlich der Unternehmen selbst!“

2.807 Fragebögen wurden an die Beschäftigten verschickt. Der Rücklauf betrug beachtliche 28 Prozent und liefert repräsentative Ergebnisse für alle drei Unternehmensbereiche.

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