ÖBB: Nein zur Selbstbedienung, Ja zum Schaffner

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2005 haben die ÖBB Selbstbedienungsstrecken im Bundesland Salzburg definiert. Bis jetzt konnten BahnkundInnen darauf vertrauen, dass jemand, der vor einem verschlossenen Fahrkartenschalter steht, es sehr eilig hat oder vor einer Schlange am Fahrscheinautomaten kapituliert, beim Schaffner im Zug eine Fahrkarte mit einem Aufschlag von 3 Euro kaufen kann. Mit Ausnahme von schaffnerlosen „Talent-Triebwägen“ war dies bis 1. Februar 2006 noch in sehr vielen Zügen, in denen ohnehin ein Schaffner Vorschrift ist, möglich. Damit ist es jetzt vorbei, obwohl weiterhin ein Schaffner im Zug ist.

60 Euro "Kontrollgebühr"

Die ÖBB hat nämlich den Großteil ihrer Salzburger Bahnstrecken als Selbstbedienungs-strecken deklariert. Auf diesen müssen die Schaffner Fahrgästen ohne Karte zuzüglich zum Kartenpreis 60 Euro „Kontrollgebühr“ berechnen. Kann man diese nicht gleich in bar bezahlen - was die Regel sein dürfte - ist gleich ein um 15 Euro höherer Betrag per Zahlschein fällig.

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Mangelhafte Information über Streckennetz

Darüber hinaus sind diese Selbstbedienungsstrecken nicht nachvollziehbar auf Österreich verteilt worden und die Fahrgäste höchst mangelhaft informiert worden. Man hat den Eindruck, Salzburg gilt als Experimentierfeld für ganz Österreich. Kärnten und Tirol etwa sind davon überhaupt nicht betroffen und in Oberösterreich ist davon eine relativ unbedeutende Nebenstrecke betroffen (Linz Urfahr – Rottenegg).

Nennenswert sind sogenannte Selbstbedienungsstrecken auch noch in der Umgebung von Wien definiert worden, also Strecken mit stadtbahnähnlichem Verkehr, wo es aber auch Vorverkaufsscheine etc. gibt.

In Salzburg hingegen sind mit den Strecken Straßwalchen – Salzburg und Salzburg – Schwarzach-St.Veit die meistfrequentierten Hauptstrecken der, betroffen, auf denen 90 % des Zugsangebotes verkehren.

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Ungleichbehandlung von Fahrgästen

Besonders absurd ist auch, dass die „Grenzziehung“ für diese Selbstbedienungsstrecken unabhängig von der Fahrstrecke des Zuges und im Falle von Salzburg erst ab der oberösterreichischen Landesgrenze gilt und sich damit eine eklatante Ungleichbehandlung von Salzburger Fahrgästen ergibt. Nun gilt nämlich: Wer in Linz, Wels oder Attnang-Puchheim in den Zug Richtung Salzburg steigt, kann sich wie gehabt eine Fahrkarte beim Schaffner mit 3 Euro Aufschlag kaufen. Wer in Straßwalchen in genau den selben Zug mit genau dem selben Schaffner steigt, zahlt zum Kartenpreis 60 Euro Aufschlag für die „Kontrollgebühr“ beim Schaffner. Abgesehen von dieser krassen Ungleichbehandlung von Salzburger Fahrgästen ergibt sich damit auch eine unangenehme Situation für den Schaffner, wenn er von einem Fahrgast 3 Euro für das Service verlangt und vom anderen ab der Landesgrenze 60 Euro verlangen muss. Gegen diese eklatante Ungleichbehandlung von BahnkundInnen zwischen Oberösterreich und Salzburg hat die AK-Salzburg nachdrücklich protestiert.

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Alternativen für Bahnkunden:

  • Online-Tickets
  • Handy-Tickets
  • Fahrkartenautomaten

    Die Kunden auf die Möglichkeit von Online-, Handy-Tickets und Fahrkartenautomaten zu verweisen, ist gerade älteren Menschen gegenüber zynisch. Noch dazu, wo diese Automaten neuerdings auf Benutzerfreundlichkeit von unabhängigen Experten getestet wurden und miserabel abgeschnitten haben. Vom ersten Kontakt über nicht erklärte Fachausdrücke und Abkürzungen, bis zu unübersichtlicher Auswahl und dem Bezahlen, ließen die Tester kein gutes Haar an den ÖBB-Fahrscheinautomaten.
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Die Arbeiterkammer fordert

Die 7. Vollversammlung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Salzburg forderte sowohl den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie als auch die ÖBB auf, sicherzustellen, dass wie bisher auch beim Schaffner im Zug noch Fahrkarten gekauft werden können. Die AK-Salzburg hat sich mit dieser Forderung durchgesetzt. Die Selbstbedienungsstreckenregelung wurde aufgeweicht und nun ist der Fahrkartenverkauf auf allen Zügen, die mit Schaffnern besetzt sind, wieder möglich – ausgenommen davon sind die neuen Talenttriebwägen, die in der Regel schaffnerlos geführt werden. Einer weiteren AK-Forderung zur Wiedereinsetzung von Schaffnern in allen Zügen – insbesondere auch zur Hebung des subjektiven Sicherheitsgefühls – wurde leider (noch) nicht entsprochen.

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