Öffentlicher Sektor und Privatwirtschaft im Bundesland Salzburg

Im Jahr 1987 hat die Arbeiterkammer Salzburg eine Studie vorgelegt, die der Frage nachging, wo zwischen 1982 und 1987 Arbeitsplätze geschaffen wurden: in den Betrieben der Privatwirtschaft, im öffentlichen oder halböffentlichen Bereich? Oder quasi dazwischen, bei Vereinen, Verbänden, Genossenschaften? Die Antwort war damals gleichermaßen bemerkenswert wie eindeutig: mehr als 80% des Zuwachses an Beschäftigung fiel im Untersuchungszeitraum auf den öffentlichen Sektor und die nicht rein privatwirtschaftlich organisierten Betriebe. Diese Erkenntnis stand im krassen Gegensatz zu der damals einsetzenden Euphorie über die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten des Marktes, alle gesellschaftlichen Bedürfnisse am besten befriedigen zu können. Der öffentliche Sektor dagegen wurde zunehmend nur mehr als Kostenfaktor gesehen.

Inzwischen sind fast zwei Jahrzehnte vergangen, in denen auch in Österreich ausgegliedert, dereguliert und privatisiert wurde. Die reale Politik hat in den Köpfen deutliche Spuren hinterlassen. „Nur der Markt schafft Arbeitsplätze“ ist eine seit damals oft gehörte Auffassung.

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Wie hat sich die Beschäftigung verändert und was sind die Folgen?

Die AK Salzburg hat daher nun wieder einen Blick auf die Betriebe nach ihren Eigentümerstrukturen und Rechtsformen geworfen. Wo sind Beschäftigungszugewinne, wo -verluste zu verzeichnen? Finden Beschäftigungszuwächse nur mehr in Privatbetrieben statt? Haben Liberalisierung und Privatisierungen zu einem höheren Beschäftigungswachstum geführt? Haben Ausgliederungen von Betrieben aus der öffentlichen Verwaltung zu einer Verschiebung der Beschäftigung vom öffentlichen Sektor hin zur Privatwirtschaft geführt, aber nicht zu Beschäftigungsabbau? War der durch den Maastrichter Vertrag vorgegebene Weg der Konsolidierung öffentlicher Haushalte begleitet von Personalreduzierungen im öffentlichen Dienst? Und wenn ja, betrifft das alle Gebietskörperschaften im gleichen Ausmaß? Das waren Fragen, die mit der vorliegenden Studie beantwortet werden sollten.

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Ergebnisse: Zuordnung der Salzburger Betriebe

  • Zwischen 1987 und 2005 wuchs die Beschäftigung jährlich durchschnittlich um mehr als 1.900 Arbeitsplätze. Dabei gab es in allen untersuchten Sektoren Beschäftigungszuwächse, mit Ausnahme des Bundes, wo im Langfristvergleich in erster Linie Ausgliederungen für den Beschäftigungsabbau verantwortlich sind.
  • Zwischen 2000 und 2005 sind in den untersuchten Sektoren 10.772 Beschäftigungsverhältnisse neu entstanden und 3.250 verschwunden. Per Saldo sind 7.522 Beschäftigungen dazugekommen. Beschäftigungszuwächse gab es in diesem Fünfjahreszeitraum in allen untersuchten Sektoren außer beim Bund und dem Land Salzburg.
  • Zwischen 2000 und 2005 sank das durchschnittliche jährliche Beschäftigungswachstum als Folge schwächeren Wirtschaftswachstums auf knapp mehr als 1.500 Beschäftigungsverhältnisse, also um mehr als 400 jährlich.
  • Zwei Drittel der Beschäftigungszuwächse gehen im Zeitraum 2000 bis 2005 auf das Konto der Privatwirtschaft. Die größten Zuwächse der Beschäftigung gab es in den Wirtschaftsabschnitten unternehmensbezogene Dienstleistungen, Fremdenverkehr und Handel. Beschäftigungsreduktionen gab es vor allem im Bereich der Sachgütererzeugung und in der Bauwirtschaft.
  • Aber trotz schwacher Konjunktur und gleichzeitiger Konsolidierung der öffentlichen Haushalte entstand ein Drittel der Beschäftigung nicht im privaten Sektor. Die mit Abstand größte Beschäftigungsdynamik zeigte sich dabei im Sektor der Vereine, Verbände, Kirchen, Parteien mit einem Zuwachs um 1.680 oder 18,1%. Die Beschäftigten der Gemeinden wuchsen um 547 oder 5,8%, die Beschäftigten bei Genossenschaften um 547 oder 10,1%. Der Bereich der Betriebe in mehrheitlich öffentlichem Eigentum wuchs infolge der Ausgliederung der Universitäten um 738 oder 6%.
  • Beschäftigungseinbußen gab es zwischen 2000 und 2005 nach Sektoren betrachtet ausschließlich beim Bund und dem Land Salzburg. Im öffentlichen Sektor verbleibt nur der Gemeindesektor mit deutlichen Beschäftigungsausweitungen.
  • Unter Berücksichtigung der Ausgliederung der Universitäten verbleibt beim Bund ein Beschäftigungsminus von rund 830 Arbeitsplätzen, vor allem im Bereich der öffentlichen Verwaltung.
  • Beim Land Salzburg gab es deutliche Reduktionen der Beschäftigung im Bereich der öffentlichen Verwaltung sowie im Unterrichtsbereich. Deutliche Zuwächse gab es dagegen im Gesundheits- und Sozialbereich. Per Saldo ergibt sich beim Land im Untersuchungszeitraum ein Minus von 630 Arbeitsplätzen, der sich relativiert, wenn in Betracht gezogen wird, dass rund zwei Drittel der zusätzlichen Beschäftigungen im Wirtschaftsabschnitt Gesundheit/Soziales des Sektors der Vereine, Verbände etc. dem Land zuzurechnen sind. Unter Berücksichtigung dieses Umstands ergibt sich beim Land für den untersuchten Fünfjahreszeitraum ein leicht positiver Beschäftigungssaldo.
  • Die von Liberalisierung und Privatisierung am stärksten betroffene Wirtschaftsabteilung Verkehr/Nachrichtendienstleistungen hat zwischen 2000 und 2005 643 Beschäftigungsverhältnisse weniger. 945 Arbeitsplätzen weniger im Einflussbereich der öffentlichen Hand stehen lediglich 233 zusätzliche Arbeitsplätze bei Privatbetrieben gegenüber. Damit zeigt sich, dass die Liberalisierung dieser Dienstleistungen zwar zu mehr Wettbewerb geführt hat, aber zum Preis einer deutlich geringeren Beschäftigung.
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