Tankstellen-Shops: Preisvergleich zahlt sich nicht nur an der Zapfsäule aus
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Eine aktuelle AK-Erhebung bei Tankstellenshops zeigt, dass der Einstieg der Handelsriesen Bewegung in die Preisfront gebracht hat. Billa und SPAR sorgen dafür, dass Einkaufen an der Tankstelle „nur“ 63 Prozent mehr kostet als im Supermarkt – ohne die beiden Handelsketten würde die Differenz 74 Prozent betragen. „Wir empfehlen nur das einzukaufen, was man unbedingt benötigt und Preisvergleiche anzustellen“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. Außerdem müssten sich die höheren Preise auch in einer besseren Entlohnung der Shop-Mitarbeiter niederschlagen, fordern Arbeiterkammer und Gewerkschaft.
- AK und ÖGB fordern faire Behandlung des Verkaufspersonals
- Zur aktuellen Erhebung - Vergleich Handel vs. Tankstellen
- Teures Pflaster Autobahn
- Handelsketten bieten wesentlich günstiger an
- Vergleich 2003 - 2010
- Abzocke bei besonders beliebten Produkten
Tankstellenshops erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Sich an Sonn- und Feiertagen mit frischen Brötchen, Milch oder Eiern zu versorgen, bei Partys am Wochenende bis spätabends Getränkenachschub besorgen zu können oder wochentags auch nach 20 Uhr noch einzukaufen, ist für viele Konsumenten nicht mehr wegzudenken. Eine AK-Erhebung im Jahr 2003 hat gezeigt, dass diese Bequemlichkeit ihren Preis hat: Damals war Einkaufen an der Tankstelle im Schnitt um 65 Prozent teurer als im Supermarkt.
2007 stiegen die Handelsriesen SPAR (beim Mineralölgiganten BP) und Billa (bei den Jet-Tankstellen) als Kooperationspartner ein. Eine aktuelle Erhebung zeigt nun, dass dieser Einstieg Bewegung in die Preisfront gebracht hat – BP/SPAR und Jet/Billa sind durchwegs billiger als herkömmliche Tankstellenshops, und das recht deutlich. Testsieger ist BP/SPAR – vor allem durch die Eigenmarken: Während bei Markenprodukten ein vergleichbares Preisniveau zu Jet/Billa vorherrscht, verlangt SPAR bei den Eigenmarken an der Tankstelle exakt die gleichen Preise wie in seinen Supermärkten. Billa kassiert für seine Eigenmarken um rund ein Drittel mehr als im Handel.
„Ein Preisvergleich zahlt sich also nicht nur an der Zapfsäule, sondern auch im Shop aus“, fasst AK-Präsident Pichler das Ergebnis zusammen, „unser Tipp kann nur lauten: Grundsätzlich nur das einzukaufen, was wirklich dringend benötigt wird – größere Einkäufe belasten im Vergleich zum Supermarkt das Geldbörsel über Gebühr!“
AK und ÖGB fordern faire Behandlung des Verkaufspersonals
AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Pichler stellt klar: „Dass einkaufen an der Tankstelle wesentlich teurer ist und offensichtlich immer mehr Menschen bereit sind, diese Preise zu bezahlen, ist zu akzeptieren. Auch dass der Handel diesen Markt für sich entdeckt hat, stört uns nicht – solange dabei nicht auf das Verkaufspersonal vergessen wird. Es ist nicht einzusehen, dass hier teils extrem hohe Preise verlangt werden, die Bezahlung der Angestellten aber nicht auf Handelsniveau erfolgt.“
„Wer neben den Zapfsäulen riesige Shops hinstellt und damit gutes Geld verdient, soll seine Mitarbeiter auch dementsprechend beteiligen und gemäß Kollektivvertrag-Handel entlohnen“, fordert Pichler. Im Schnitt verdienen nämlich Angestellte im Handel um rund 200 Euro (brutto) monatlich mehr als Personal, das nach dem Tankstellengewerbe-Kollektivvertrag bezahlt wird.
Zur aktuellen Erhebung - Vergleich Handel vs. Tankstellen
Insgesamt wurden 34 Produkte, die in allen Shops erhältlich waren, erhoben und verglichen. Der untersuchte Warenkorb besteht aus folgenden Artikeln: Süßigkeiten, Konserven, Getränke, Tierfutter, Knabbergebäck, Kaffee, Brot, Milchprodukte und Tiefkühlwaren.
„Im Schnitt liegen die Markenprodukte bei BP/SPAR und Jet/Billa um 18 Prozent über dem Preisniveau des Handels“, berichtet AK-Konsumentenschützer Heimo Typplt, „deutlich teurer hingegen sind die klassischen Tankstellen-Shops, die um 74 Prozent mehr verlangen als Supermärkte.“
EIGENMARKEN BEI JET/BILLA WESENTLICH TEURER ALS BEI BP/SPAR
Bemerkenswert ist für Typplt der Blick auf die im Sortiment immer stärkere Präsenz von Eigenmarken: „SPAR verlangt für seine Eigenmarkenprodukte die gleichen Preise wie im Handel, während Billa in den Tankstellenshops um bis zu 40 Prozent mehr kassiert, als in seinen Supermärkten“, so der Erhebungsleiter und beweist diesen Umstand anhand einiger „Clever“-Produkte aus dem Haus REWE. So kosten beispielsweise die Erdnussflips bei Jet/Billa um 36 Prozent mehr als bei Billa oder Merkur, Chips um ein Viertel mehr, Milch ist um 20 Prozent teurer und für Fruchtjoghurt muss der Kunde um 34 Prozent mehr hinblättern als im Billa-Supermarkt. „Im Schnitt waren die 30 erhobenen Clever-Artikel an der Tankstelle um 22 Prozent teurer als in den Märkten von Billa und Merkur“, resümiert Typplt.
Teures Pflaster Autobahn
Noch mehr berappen laut Erhebung müssen die Konsumenten, wenn sie an der Autobahn einen Einkauf tätigen: Hier liegen die Preise noch einmal um etwa 17 Prozent über den teuersten herkömmlichen Shops. Verglichen mit BP/SPAR und Jet/Billa sind jene sogar um rund 78 Prozent teurer. Speziell bei Getränken und Knabbergebäck konnten erhebliche Preisunterschiede festgestellt werden, wie der Untersuchungsauszug - im Anhang zum downloaden - beweist.
Auffallend ist, dass die Produktpalette an den Autobahnen deutlich eingeschränkt ist – außer schnellen Snacks werden keine Speisen angeboten. „Kann sein, dass die Tankstellenbetreiber an den Autobahnen die umliegenden Restaurants nicht konkurrieren wollen“, vermutet AK-Experte Typplt.
zum SeitenanfangHandelsketten bieten wesentlich günstiger an
Vergleicht man die Tankstellen untereinander, heißt der Testsieger – wie bereits erwähnt – SPAR. Berücksichtigt man das gesamte Warensortiment, also Eigenprodukte und Markenware, ist BP/SPAR am günstigsten, gefolgt von Jet/Billa und den herkömmlichen Shops (Agip, OMV-Viva, Shell, Turmöl, BP normal und Esso). Am letzen Platz und somit am teuersten sind die Autobahn-Shops.
Beim Vergleich der Preise für Markenware liegen BP/SPAR und Jet/Billa praktisch gleichauf, bei den Eigenmarken ist BP/SPAR günstiger.
Die Shops mit Supermarktbeteiligung sind gegenüber den herkömmlichen Tankstellenshops deutlich preiswerter. Beim Vergleich von 34 Markenprodukten sind die herkömmlichen Anbieter im Schnitt um 47 Prozent teurer als jene, die mit Billa und SPAR kooperieren.
Vergleich 2003 - 2010
32 Produkte konnten für diesen Vergleich herangezogen werden. Im Handel wurde jener Warenkorb in den Jahren 2003 bis 2010 um 8,97 Prozent teurer, bei den Tankstellen betrug die Steigerung im gleichen Zeitraum 6,98 Prozent. Auch hier hat sich der Einstieg der beiden Handelsriesen ausgewirkt: „Lässt man die Shops mit Billa- oder SPAR-Beteiligung in dieser Rechnung außen vor, betrug die Steigerung in den letzten sieben Jahren 16,44 Prozent, erklärt AK-Experte Heimo Typplt, „während der Verbraucherpreis-Index (VPI) in der selben Zeit lediglich um 13,9 Prozent angestiegen ist.“
Für die Differenz zwischen Supermarkt und Tankstellenshop ergibt sich folgendes Ergebnis: Die Shops waren 2003 im Schnitt um 65 Prozent teurer als der Handel. Inklusive SPAR/Billa waren die Shops 2010 im Schnitt um 63 Prozent teurer. Den dämpfenden Einfluss der beiden Handelsketten sieht man auch daran, dass sich die Differenz ohne diese Shops gleich auf 74 Prozent vergrößert.
Abzocke bei besonders beliebten Produkten
Produktgruppen, die vorrangig nachgefragt sind wie etwa Getränke, haben ihren (stolzen) Preis, denn hier zeigt sich, dass doch deutliche Aufschläge gegenüber dem herkömmlichen Handel zu bezahlen sind. Während bei BP/SPAR und Jet/Billa Stiegl Bier um 16 Prozent teurer ist als im Handel, zahlt man für´s Stiegl im klassischen Tankstellenshop um 98 Prozent mehr. Den Vogel abgeschossen haben die herkömmlichen Shops aber was die Dose Coca Cola betrifft: Jene ist bei BP/SPAR und Jet/Billa um gerade einmal 9 Prozent teurer als im Handel, bei den klassischen Shops aber um sagenhafte 109 Prozent!
Süßigkeiten verursachen nicht nur Zahnschmerzen, sondern tun auch der Geldbörse weh: Bei BP/SPAR und Jet/Billa kostet eine Tafel Milka Vollmilchschokolade um 22 Prozent mehr, bei den übrigen Shops um 80. Auch Chips und Co. knabbern die Ersparnisse an: Im Schnitt kostet im klassischen Tankstellenshop der Knabberspaß um 65 Prozent mehr als im Supermarkt, bei BP/Spar und Jet/Billa sind es nur deren 16.
Dass die klassischen Shops für besonders beliebte Produktgruppen also fast doppelt so viel verlangen wie der Handel, ist für Pichler nicht nachvollziehbar: „Das legt den Verdacht nahe, dass hier durch ungeniertes Abkassieren bei besonders gefragten Waren einfach noch mehr Profit herausgeschlagen werden soll“, so der AK-Präsident abschließend.
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