Prekäre Beschäftigung nimmt stark zu

Prekäre Beschäftigung nimmt stark zu. Betroffen sind vor allem Frauen

Prekäre, ungesicherte Beschäftigung wird immer öfter zur Armutsfalle. Eine Sonderform davon betrifft vor allem Frauen: Die Tätigkeit in Privathaushalten. Denn in Zeiten neoliberaler Globalisierung mit immer größer werdender sozialer Ungleichheit werden Angestellte wieder zu DienstbotInnen. Sie sind wie ihre VorgängerInnen in den bürgerlichen Haushalten der Jahrhundertwende ungeschützt, rechtlos, und oft illegal beschäftigt. Die Löhne sichern die Existenz nicht. Gleichzeitig werden die modernen DienstbotInnen persönlich und emotional über die Maßen in Anspruch genommen. Sie haben keine Mittel, arbeitsrechtliche Ansprüche durchzusetzen, weil sie oft auch von Abschiebung bedroht sind.

Eine Tagung in St. Virgil machte diesen Missstand zum Thema. Veranstalter waren die Arbeiterkammer Salzburg, die Frauenbüros von Stadt und Land, die Robert Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, der Verein Frau und Arbeit sowie St. Virgil und das katholische Bildungswerk Salzburg.

Die unbezahlte Betreuung von Kindern und Kranken ist fast reine Frauensache

Und zur unbezahlten persönlichen Dienstleistung: Genauso ungerecht ist, dass in den österreichischen und damit auch Salzburger Haushalten die Reproduktionsarbeit (also die Kinderbetreuung, die Betreuung von Kranken und Pflegebedürftigen, die reine Hausarbeit wie Putzen, Waschen, Kochen) nach wie vor sehr ungleich verteilt ist. Über vier Fünftel dieser unbezahlten Arbeit wird von Frauen geleistet, nur 16 Prozent von den Männern. Kein Wunder, dass nur 37 Prozent der Frauen ihre Zeit für Erwerbsarbeit aufwenden. Bei den Männern sind es wiederum mehr als vier Fünftel. Die bekannte Folge dieses Missverhältnisses: Beinahe die Hälfte aller Frauen arbeitet Teilzeit und der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen macht nach wie vor skandalöse 30 Prozent aus. Nur in Estland sind die Einkommensunterschiede größer.

Forderungen der AK für mehr Gerechtigkeit

  • Bessere Rahmenbedingungen für eine gerechtere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern. Zum Beispiel durch eine bedarfsgerechte, kostenlose soziale Infrastruktur für Kinderbetreuung und Pflege. Oder durch besseren und alle Berufsfelder gleichermaßen umfassenden Arbeitsmarktzugang für Frauen in allen Wirtschaftssegmenten. Nicht zuletzt braucht es eine geschlechtergerechte Gestaltung aller gesellschaftlichen Bereiche.

  • Ausbau öffentlicher Kinderbetreuung und Pflegeangebote, um die Erwerbschancen von Frauen und Männern zu verbessern. Damit wird auch volkswirtschaftlich ein wichtiger Nachfrageimpuls gesetzt, der Einkommen und zusätzliche Einnahmen für die Sozialversicherungs- und Steuertöpfe schafft.

  • Mehr rechtliche Absicherung von im Haushalt Beschäftigten. Zum Beispiel durch Mindestlöhne, die die Existenz dieser Menschen sichern. Außerdem braucht es Strukturen, die den Haushaltsbeschäftigten garantieren, dass ihre Ansprüche durchgesetzt werden.
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