Nur jede 20. Geschäftsführung in den Top 200 Unternehmen von Frau besetzt

Internationales Schlusslicht Österreich

„Die bisher übliche freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen führte einzig dazu, dass Österreich international zu den Schlusslichtern zählt und gemeinsam mit Ländern wie Griechenland, Italien, Portugal und Luxemburg die niedrigsten Frauenanteile in Führungspositionen aufweist. Für eine echte Trendwende braucht es – wie das Beispiel Norwegen zeigt – gesetzlich verbindliche Regelungen mit deutlichen Sanktionen“, fordert Heinz Leitsmüller, Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft in der AK Wien.

Ungebrochene Männerdominanz in Führungsetagen

Die Arbeiterkammer Wien untersuchte im Februar 2010 den Anteil von Frauen in den Geschäftsführungen und Aufsichtsräten der Top 200 Unternehmen Österreichs (AG und GmbH) sowie die Führungsgremien in den börsennotierten Unternehmen des ATX sowie des Prime Markets.

In jedem dritten Unternehmen sind Frauen in keiner Art und Weise an der obersten Führung beteiligt, nur in 18 der 200 Top Unternehmen Österreichs ist sowohl in Geschäftsführung bzw. Vorstand als auch im Aufsichtsrat zumindest eine Frau vertreten. Von 627 Geschäftsführern bzw. Vorständen sind nur 33 weiblich (5,3 Prozent): Damit ist gerade einmal jede zwanzigste GeschäftsführerIn eine Frau. Der Frauenanteil im Kontroll- und Steuerungsorgan Aufsichtsrat liegt im Jahr 2010 bei 9,7 Prozent – damit entfallen 141 der 1.454 Aufsichtsratsmandate in den Top 200 Unternehmen auf Frauen.

Nur sechs Prozent Kapitalvertreterinnen im Aufsichtsrat

Allerdings ist zu beachten, dass von den 141 Aufsichträtinnen mehr als die Hälfte (79 von 141) vom Betriebsrat delegiert sind. Damit tragen die Arbeitnehmervertreterinnen maßgeblich zu mehr Diversität im Aufsichtsrat bei. In den Aufsichtsräten werden 9,7 Prozent der Mandate von Frauen bekleidet, unter den Kapitalvertretern liegt die Frauenquote aber überhaupt nur bei sechs Prozent.

Der Frauenanteil in den Reihen der Arbeitnehmervertretung ist mit 18,7 Prozent im Vergleich dazu mehr als drei Mal so hoch. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass nur in drei von vier der Top 200 Unternehmen überhaupt eine Betriebsratskörperschaft besteht und dort, wo es ArbeitnehmervertreterInnen gibt, diese nur maximal ein Drittel der Mandate besetzen dürfen.

ATX und Prime Market: Frauen unterrepräsentiert

Nicht zufriedenstellend ist die Lage bei den börsennotierten Unternehmen des ATX und des Prime Markets. Wo die Frauenanteile mit 4,7 bzw. drei Prozent im Vorstand und 7,8 bzw. sieben Prozent im Aufsichtsrat klar unter dem Durchschnitt liegen: In den ATX Unternehmen sind nur vier Frauen an der Geschäftsführung beteiligt, von den 16 Aufsichtsrätinnen in den ATX Unternehmen zählen auch hier mehr als die Hälfte zu den Belegschaftsvertreterinnen.

In den folgenden zehn ATX Unternehmen ist weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat eine Frau vertreten: bwin Interactive Entertainment AG, Flughafen Wien AG, Intercell, Mayr-Melnhof Karton AG, Palfinger AG, Raiffeisen International Bank-Holding AG, RHI AG, Schoeller Bleckmann oilfield equipment AG, Voestalpine AG und Zumtobel AG.

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