Vorsicht, Kaufsucht-Falle!
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28 Prozent sind kaufsuchtgefährdet
28 Prozent der ÖsterreicherInnen sind kaufsuchtgefährdet. Das zeigt eine aktuelle AK Studie über die Kaufsucht in Österreich. Gallup-Institut/Karmasin Marktforschung befragten im Auftrag der AK 1.000 ÖsterreichInnen. Generell zeigt sich nach wie vor: Frauen sind viel stärker von Kaufsucht betroffen als Männer – und das über alle Altersgruppen. Junge Menschen (14 bis 24) sind ebenfalls äußerst kaufsuchtgefährdet.
„Das Ergebnis ist besorgniserregend. Der Anteil der Kaufsuchtgefährdeten ist im Vergleich zu 2010 gleich hoch geblieben – trotz Wirtschaftskrise“, resümiert Karl Kollmann, stellvertretender Leiter der Abteilung Konsumentenpolitik in der AK Wien.
Immer mehr rutschen in die Schuldenfalle!
Kaufsüchtige haben einen unwiderstehlichen Drang zum Kaufen. Meist können sie sich den Konsumzwang gar nicht leisten und leben über ihre Verhältnisse. Kontoüberziehungen oder Ratenzahlungen machen das Kaufen leicht. Werbung und Internet verführen zusätzlich. Das böse Erwachen kommt – mit Folgen: Immer mehr rutschen in die Schuldenfalle! Tatsächlich stecken hinter der Kaufsucht oft Einsamkeit, Frust, Probleme am Arbeitsplatz oder in der Schule. Diese Menschen sind gesundheitlich gefährdet. Kaufsuchtgefährdete brauchen mehr Hilfe und Prävention, verlangt die AK.
Gabi S. in der Kauffalle: Das Kleid landet mit dem Preisschild im Kasten, der gleiche Lippenstift steht schon im Spiegelschrank im Bad. Es geht nicht darum, ob die Sachen gebraucht werden. Es geht allein um das Kaufen, nicht um das Brauchen.
28 Prozent der ÖsterreicherInnen sind kaufsuchtgefährdet – 20 Prozent davon sind deutlich und acht Prozent stark kaufsuchtgefährdet, also praktisch schon kaufsüchtig. Im Vorjahr waren 27 Prozent kaufsuchtgefährdet. Die Kaufsuchtgefährdung ist insgesamt gleich schlimm geblieben wie in den Vorjahren. Heuer hat die Kaufsuchtgefährdung bei den Frauen etwas zugenommen, steigende Tendenz vor allem bei den 14- bis 24-Jährigen.

Frauen sind häufiger auf Shoppingtour als Männer, junge Menschen kaufen besonders gerne ein (siehe Grafik).
Die AK Studie zeigt im Detail: Frauen sind durch alle Altersgruppen hinweg stärker kaufsuchtgefährdet als Männer. Konkret: Junge Frauen im Alter von 14 bis 24 Jahren sind zu 70 Prozent kaufsuchtgefährdet. (2010: 53 Prozent der jungen Frauen). In der Gruppe aller gefährdeten Personen: 69 Prozent Frauen und 31 Prozent Männer.
Singles kaufen mehr
Ledige sind doppelt so stark kaufsuchtgefährdet als jene, die in einer Beziehung leben.
Kaufsuchtgefährdete „spielen mit dem Glück“: Erstmals wurde der Frage nachgegangen, ob Kaufsuchtgefährdete auch „zocken“. Glückspiele sind hauptsächlich für Männer und jene mit kleinem Einkommen (bis zu 1.500 Euro monatlich) ein Thema: zwei Prozent der Befragten spielen nahezu täglich oder mehrmals wöchentlich, 17 Prozent mindestens einmal wöchentlich.
Wer im Internet shoppt, ist stärker gefährdet: Einkaufen per Mausklick ist bei den Kaufsuchtgefährdeten auch sehr beliebt und spielt eine immer größere Rolle. Es wird hier leicht möglich gemacht, Geld auszugeben, das oft gar nicht da ist. Denn Shoppen ist zu jeder Uhrzeit möglich. Vor allem die Jungen wachsen mit dem Internet und mit bargeldlosem Zahlungsverkehr auf und kaufen dann relativ ungehemmt ein.
Hoher Preis fürs Einkaufen
Extrem: 2007 war fast jede/r zweite ÖsterreicherIn kaufsuchtgefährdet.
Im Jahr 2008 nahm die Anzahl der Kaufsuchtgefährdeten ab – aufgrund der beginnenden Wirtschaftskrise – und ist seither in etwa – auf noch immer sehr hohem Niveau – gleich geblieben (27 bis 30 Prozent). Wie schon 2008 müssen viele Menschen nun wieder mehr aufs Geld schauen. Aber Kaufsuchtgefährdete handeln anders – das Kaufen steht im Vordergrund, nicht ihre Finanzen.
Die deutlich Kaufsuchtgefährdeten haben sich beim Einkaufen mehr im Griff und treffen ihre Kaufentscheidungen weniger spontan. Aber die stark Kaufsuchtgefährdeten, also die defacto von der Kaufsucht betroffene Gruppe, ist tatsächlich schon in einer Abhängigkeit. Wer einmal in diesem Kreislauf ist, für den wird Aussteigen schwierig – auch wenn es die finanzielle Lage mehr als erfordern würde. Die Flucht in den Konsum können sich viele gar nicht leisten. Die Folgen sind oft Zahlungsunfähigkeit oder sogar Privatkonkurs.
Kurzer Kick beim Kauf
„Bei den Kaufsüchtigen geht es nur um den Kaufakt, nicht um das Brauchen“, weiß Kollmann. „Es werden ja auch Dinge eingekauft, die sie oft schon haben. Sie kaufen, um etwa Frust oder Leid zu kompensieren. Durch das Einkaufen verspüren sie einen gewissen Kick. Aber dieses Gefühl hält nicht lange an. Die innere Leere lässt nicht lange auf sich warten, und der Teufelskreis beginnt erneut von vorne. Saisonale Anlässe, wo intensiver gekauft wird – wie Weihnachten, Ostern oder Muttertag – verstärken dieses Verhalten.
Der Ansturm in die Schuldnerberatungen ist groß – Tendenz steigend. Auch die Zahl der Privatkonkurse ist in die Höhe gegangen. Die Schuldnerberatungen können aber nicht die psychischen Folgen regeln, die als Folgen der Überschuldung auftreten. Wer sich schon als Junger überschuldet, kann sich später schwer oder gar nicht gesellschaftlich integrieren. Die psychische Gesundheit ist gefährdet. Ängste, Depressionen oder Rückzug sind die Folge.
Forderung
Mehr Vorsorge nötig
Den Kaufsuchtgefährdeten muss geholfen werden, verlangt die AK mehr Hilfe und Vorsorge.
1. Verbraucherbildung in der Schule
Laut Regierungsprogramm 2008 sollte es heute Verbraucherbildung in allen Schulformen geben. Die AK fordert, dass Verbraucherbildung rasch als eigenes Unterrichtsfach eingeführt wird oder in ein bestehendes Fach integriert wird, etwa in Geografie und Wirtschaftskunde als Geografie, Wirtschafs- und Verbraucherkunde. Das Konsumentenschutzministerium hat mittlerweile zwar Unterrichtsmaterialien für Lehrer herausgegeben. Aber die Verankerung als Unterrichtsfach bleibt notwendig!
2. Mehr Unterstützung durch Therapien
Vom Anton Proksch Institut gibt es ein Therapieprogramm. Hier wäre das Gesundheitsministerium gefordert, ein breiteres Angebot zu schaffen, auch in den Bundesländern.
3. Mehr Hilfe bei Überschuldung
Die Schuldnerberatungen brauchen mehr Ressourcen. Außerdem muss das private Insolvenzrecht reformiert werden, damit hier sozial verträgliche Entschuldungen durchgeführt werden können.
Kaufsuchtgefährdung 2011
In der AK Studie „Kaufsucht in Österreich 2011“ wurden repräsentativ 1.000 Konsumentinnen und Konsumenten ab 14 Jahren vom Gallup Institut/Karmasin Marktforschung im Oktober befragt. Die Kaufsuchtgefährdung wurde mit dem von der Universität Stuttgart-Hohenheim entwickelten und international anerkannten Hohenheimer Kaufsuchtindikator ermittelt.
Das ist ein Fragenkatalog mit 16 Fragen und eine vierstufige Antwortskala. Aus den Antworten wird ein Score gebildet, der über das Ausmaß der Kaufsuchtgefährdung Auskunft gibt. Bei der Kaufsuchtgefährdung wird zwischen einem deutlichen (ausgeprägt kompensatorisch kaufenden) und starken (de facto Kaufsucht abbildenden) Kaufverhalten unterschieden.
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