Jetzt Weichen für die Zukunft stellen und der Jugend eine Chance geben!
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Gemischtes Bild bei der Entwicklung der Lehrlingszahlen in Salzburg. Trotz einer leichten Zunahme im Vergleich zu 2009, haben einige Branchen Aufholbedarf. Aber anstatt junge Menschen auszubilden, wird nach billigen Fachkräften aus dem Ausland gerufen. „Das begünstigt Sozial- und Lohndumping und ist angesichts der keineswegs rosigen Arbeitslosenzahl der falsche Weg!“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler und fordert: „Die Unternehmen sollen sich auf ihre gesellschaftliche Verantwortung besinnen!“
- Licht und Schatten am Salzburger Lehrstellenmarkt
- In 7 Jahren fehlen 2.500 Lehrlinge
- Zuwenig Ausbildung im Betrieb
- Großer Teil der neuen Jobs durch Leiharbeit
- Derzeit kein Fachkräftemangel in Salzburg
- Die Forderungen der Arbeiterkammer
Im Vergleich zu Restösterreich steht das Bundesland Salzburg bei den Lehrlingszahlen – zumindest noch - ganz gut da. Mit Ende Juli waren etwa 2 Prozent mehr Auszubildende im ersten Lehrjahr als 2009. Betrachtet man aber die gesunkenen Lehrlingszahlen im zweiten Lehrjahr, dann macht oben genannter Zuwachs die Verluste aus Zeiten der Krise bei weitem nicht wett. Auch die Prognosen sehen mager aus. Egon Blum, viele Jahre Beauftragter der Bundesregierung für Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung, malt ein düsteres Zukunftsbild: „Für das nächste Jahrzehnt wird sich die Lehrlings- und Fachkräfteproblematik in unvorstellbarem Ausmaß verschärfen!“ AK-Präsident Pichler steht angesichts der unerfreulichen Situation mit seinen Forderungen nach der Schaffung von mehr Lehrstellen also nicht alleine da.
Diese Entwicklung ist dramatisch. Denn laut einer Studie des österreichischen Instituts für Bildungsforschung ist die Jugendarbeitslosigkeit tendenziell niedriger, je mehr Jugendliche eines Altersjahrgangs - in Salzburg sind das rund 48 Prozent – eine Lehrausbildung absolvieren.
Licht und Schatten am Salzburger Lehrstellenmarkt
Aktuell (Stichtag 31.7. 2010) sind in Salzburg im Vergleich zum Vorjahr im ersten Lehrjahr um 24 Prozent weniger Lehrlinge in der Industrie festzustellen – vor allem der Personalabbau bei Kässbohrer und M-real sind dafür verantwortlich. Auch Transportgewerbe (-22,2 Prozent) und Tourismus (-8,4 Prozent) verzeichnen Rückgänge. Insgesamt gibt es hingegen aber ein Plus von zwei Prozent (+59) an Lehrlingen im ersten Ausbildungsjahr zu verzeichnen. Die Branchen Gewerbe & Handwerk (+5,5 Prozent) sowie der Handel (+14,7 Prozent) machen diesen Zuwachs aus. Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die Daten der Auszubildenden im zweiten Lehrjahr ansieht: Hier ist ein Minus von 9,5 Prozent festzustellen – ein Indiz dafür, dass die Wirtschaft zu Beginn der Krise massiv Lehrstellen eingespart hat.
Für den AK-Präsidenten eine zwiespältige Bilanz: „Wenn man bedenkt, dass Gewerbe und Handel in der Krise kaum neue Lehrlinge aufgenommen haben, sind die derzeitigen Zuwächse zwar positiv, machen die Verluste der Vergangenheit aber noch nicht wett“, so Pichler.
In 7 Jahren fehlen 2.500 Lehrlinge
Die demographische Entwicklung wird die Lage in den nächsten Jahren verschlimmern. In Salzburg wird es 2017 um 5.200 15-Jährige weniger geben als heute, belegt Egon Blum In seiner Studie „Verpasste Chancen für unsere Jugend und die österreichische Wirtschaft“. Das heißt, rund 2.500 Mädchen und Burschen weniger werden einen Lehrberuf ergreifen.
zum SeitenanfangZuwenig Ausbildung im Betrieb
Die Unternehmen jammern über den Mangel an Facharbeitern, könnten aber mehr dagegen tun. Vor allem die Industrie hat die Wirtschaftskrise 2009 dazu genützt, Lehrstellen abzubauen. Das wird sich auch nicht bessern: Laut einer Umfrage der Industriellenvereinigung (IV) will nicht einmal die Hälfte der Industriebetriebe in den kommenden drei Jahren mehr Lehrlinge ausbilden.
Immer weniger Ausbildungsplätze in den Betrieben bedeutet aber auch, dass immer mehr Ausbildung wo anders erfolgen muss. „Da wird eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe der Unternehmen auf den Staat abgeschoben“, kritisiert Siegfried Pichler. Der Staat hat in der jüngsten Krise der Wirtschaft mit viel Steuergeld und Konjunkturpaketen geholfen. Jetzt, wo es wieder bergauf geht, müssen die Unternehmen etwas an die Gesellschaft zurückgeben und wieder mehr ausbilden.
Dabei ist auch auf Lernschwache und Jugendliche mit Migrationshintergrund Bedacht zu nehmen.
Unternehmer klagen zunehmend über schlechte Bewerberinnen und Bewerber. Betriebliche Förderungen für Lernschwache werden jedoch kaum in Anspruch genommen. Bisher wurden bundesweit nur 183.000 Euro abgeholt (Bei einer Basisförderung von 6 Millionen Euro), in Salzburg waren es 16.700 Euro.
Handlungsbedarf herrscht auch bei der Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Ein Bericht des Wirtschaftsministeriums sagt, dass rund ein Drittel bis maximal die Hälfte der Jugendlichen aus diesem Milieu ohne weiterführenden Bildungsabschluss aus dem Bildungssystem ausscheidet.
Großer Teil der neuen Jobs durch Leiharbeit
Menschen, die Arbeit suchen, gibt es in Österreich genügend. Dazu braucht man nicht im Ausland suchen. Der Arbeitsmarkt hat sich zwar auch in Salzburg entspannt, die Arbeitslosigkeit bleibt aber auf einem sehr hohen Niveau und liegt weiterhin über dem Jahr 2008.
Der Zweijahres-Vergleich zeigt: Die Zahl der Arbeitslosen stieg von knapp 7.300 auf mehr als 8.500 an. Das bedeutet ein Plus von 17,4 Prozent. Damit liegt Salzburg an vierter Stelle im Ranking der Bundesländer und knapp unter dem Österreich-Schnitt von 18,5 Prozent. Bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Arbeitskräfteüberlassern: Zwischen Juli 2009 und Juli 2010 sind in Salzburg insgesamt rund 3.485 neue Jobs entstanden. 1.062 davon (rund 31 Prozent) sind Leiharbeits-Verhältnisse.
„Im Vergleich zu der Zeit vor der Krise haben wir immer noch hohe Arbeitslosenzahlen, eine Verlagerung auf die Leiharbeit sowie schlechte Entlohnung. Das sind die Probleme, die den Arbeitsmarkt beherrschen, sagt Siegfried Pichler. „Es geht mit der Konjunktur bergauf, aber noch zu wenig für die Arbeitnehmer“, ist für den Salzburger AK-Präsidenten Euphorie und Jubel fehl am Platz.
Derzeit kein Fachkräftemangel in Salzburg
Laut aktuellen Zahlen des AMS vom Juli 2010 gibt es in Salzburg in keiner Berufsobergruppe mehr offene Stellen als Arbeitslose. „Von einem Mangel an Fachkräften kann derzeit also kaum die Rede sein“, erklärt Pichler.
Seit Jahren strömen zudem Fachkräfte auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Vor allem aus den anderen EU-Staaten. Im Mai 2011 fallen außerdem die Übergangsfristen für die neuen EU-Mitglieder, dann werden noch mehr Arbeitssuchende kommen. „Wir brauchen also keine offensive Werbekampagne im Ausland, viel eher sollten wir darüber nachdenken, die bestehende Saisonierrate gegen Null zu senken“, sagt Pichler.
- Druck auf Arbeitgeber ausüben, wieder mehr Lehrlinge aufzunehmen – Berufsausbildung ist auch eine Aufgabe der Wirtschaft;
- statt nach noch mehr Zuwanderern zu rufen, ist in die Ausbildung zu investieren!
- zum Schutz vor drohendem Sozial- und Lohndumping braucht es wirksame gesetzliche Regelungen. Vor allem dürfen österreichische Kollektivverträge und Arbeitsbedingungen nicht unterlaufen werden;
- Arbeitgeber müssen die Förderungen für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten und Migrationshintergrund ausschöpfen;
- Migrantinnen und Migranten gehören in der Berufsorientierung professionell begleitet;
- ein qualitativ hochwertiges Auffangnetz, um eine Berufsausbildung 2. Klasse zu verhindern;
- keine Kürzungen bei den Mitteln für eine aktive Arbeitsmarktpolitik;
- Facharbeit attraktiv machen, bedeutet auch bessere Entlohnung
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